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Langfristige Perspektive zur Suizidprävention

Erstmals analysierte ein isländisches Projekt in einer Langzeitstudie bei 4 000 Kindern Einflüsse des sozialen Umfelds auf biologische Reaktionen, Gefühlslage und Verhalten.

Gesundheit

Die EU-finanzierte Längsschnittstudie LIFECOURSE erfasste als erste ihrer Art persönliche, soziale und biologische Informationen bei jungen Menschen. Ziel ist ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen diesen Faktoren, um die emotionale Entwicklung positiv zu beeinflussen und damit Depression, Angststörungen, aber auch Drogenkonsum, Selbstverletzungen, suizidalen Tendenzen und Kriminalität bei jungen Menschen vorzubeugen.

Drogenmissbrauch

„Seit mehr als 20 Jahren erforsche ich Einflussfaktoren auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“, erklärt Inga Dóra, Projektkoordinatorin von LIFECOURSE und Gründerin des isländischen Zentrums für Sozialforschung und -analyse ICSRA (isländische Webseite) im Jahr 1999. „Obwohl wir bereits einiges über Einflüsse des Umfelds auf unterschiedliche Entwicklungen wissen, liegt der Anteil der Kinder, die Opfer von Drogenmissbrauch werden, jährlich bei 5 bis 10 %, was u. a. den Anstoß für dieses Projekt gab“, merkt Inga Dóra an. Das ICSRA veröffentlichte in zwanzig Jahren mehr als 150 Studien mit Schwerpunkt auf der Prognose psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen in dieser Altersgruppe. Auf diesen Studien basiert etwa das primäre Präventionsmodell, das Drogenmissbrauch bei Jugendlichen verringern soll und bereits in mehr als 30 Ländern auf fünf Kontinenten angewendet wird. Die Universität Reykjavik, Island, bot dem Projekt hierfür einen hervorragenden Rahmen, da das Land seit langem detailliert gesellschaftliche Daten erfasst und schon 1703 die erste Volkszählung durchführte. Doch obwohl bereits große Mengen an Daten von der vorgeburtlichen Entwicklung bis hinein ins Erwachsenenalter erfasst sind, lagert ein Großteil dieser Daten noch in separaten Datenbanken und ist nicht vernetzt.

Entwicklung von der Geburt bis ins Jugendalter

Das Projekt LIFECOURSE führte eine retrospektive Studie mit einer gesamten Kohorte von über 4 000 Kindern durch, die 2004 geboren wurden. Sie umfasste Daten aus dem Geburtsregister, aus schulmedizinischen Untersuchungen, Arbeitslosen- und Armutsstatistiken sowie Berichten von Kinderschutzeinrichtungen. Ergänzt wurden die Daten durch Querverweise und andere Messgrößen, etwa Speichelproben und Fragebögen, die mehr als die Hälfte der Kohortenteilnehmenden im Alter von 12, 13 und 14 Jahren ausfüllten. So ist LIFECOURSE die erste mehrstufige Kohortenstudie, die Daten zur biologischen Entwicklung, zum Verhalten und zur sozialen Entwicklung aus dem vorgeburtlichen Zeitraum bis hinein ins Jugendalter für eine gesamte Geburtenkohorte von Jugendlichen zusammenführt. Fördermittel für das Projekt stammten vom Europäischen Forschungsrat. „Erst diese Finanzierung hat die Durchführung des Projekts vorangetrieben“, fügt Dóra hinzu, „denn ohne sie hätten wir es nicht geschafft.“

Auswertung großer Datenmengen

LIFECOURSE will wichtige Fragen klären, etwa, wie Stress sich auf physiologische, emotionale und verhaltensbezogene Aspekte auswirkt, wie Stress langfristig auf sozialer und individueller Ebene zusammenwirkt, und schließlich, ob der Einfluss von Stress in der Kindheit später reversibel ist. „Da wir die Daten gerade auswerten, werden wir diese Fragen in den kommenden Jahren in zahlreichen Beiträgen beantworten können“, so Dóra. „Dies ist aber nur ein winziger Teil dessen, was sich herausfinden lässt. Später werden wir noch unzählige weitere Fragen klären können. Das Ziel des Projekts war eine Infrastruktur, mit der unterschiedliche wissenschaftliche Schwerpunktbereiche zusammengeführt werden können, um Empfehlungen für die künftige Planung und Unterstützung von Strategien zu liefern.“ Inga Dóra und ihr Team vom ICSRA wollen für die Auswertung der LIFECOURSE-Daten fortan mit Forschenden weltweit zusammenarbeiten.

Schlüsselbegriffe

LIFECOURSE, Island, sozial, Forschung, Kinder, Jugendliche, Suizid, Selbstverletzung, Verhalten, Kohorte

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