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Vielversprechende Behandlung des Kurzdarmsyndroms

Gewebegezüchtete spenderspezifische Därme könnten den Weg für eine wirksame Behandlung von Erkrankten mit Darmversagen ebnen.

Gesundheit

Das Kurzdarmsyndrom ist eine chronische und lebensbedrohliche Erkrankung, die den Körper bei der Aufnahme für die Gesundheit nötiger Flüssigkeiten und Nährstoffe hindert. Infolge eines etwa 70 % kürzeren Dünndarms aufgrund eines Geburtsfehlers oder einer chirurgischen Entfernung führt das Kurzdarmsyndrom zu einem Darmversagen, das von Symptomen wie Unterernährung, Durchfall und Dehydration begleitet wird. Es gibt noch keine erfolgreiche Behandlung für das Kurzdarmsyndrom. Die einzige derzeit verfügbare Lösung ist eine Dünndarmtransplantation mit zwei schwerwiegenden Nachteilen: Spenderorgane sind knapp und Erkrankte müssen sich für den Rest ihres Lebens einer aggressiven Immunsuppression unterziehen. Die jüngsten wissenschaftlichen und technologischen Fortschritte haben jedoch den Weg für neue therapeutische Möglichkeiten geebnet, die jungen Erkrankten mit einem Kurzdarmsyndrom einen Hoffnungsschimmer bieten könnten. Eine solche Hoffnung besteht in Form einer Strategie für spenderspezifische Därme, die mit Unterstützung des EU-finanzierten Projekts INTENS (INtestinal Tissue ENgineering Solution) entwickelt wurde. „Unser Ziel ist die Bereitstellung eines funktionellen Dünndarms, der zur Behandlung von Erkrankten mit einem Kurzdarmsyndrom verwendet werden kann“, erklärte Prof. Paolo De Coppi vom INTENS-Projektkoordinator University College London in einer Pressemeldung, die auf der Website „News Medical Life Sciences“ veröffentlicht wurde. Die Rekonstruktionsstrategie für einen funktionellen Darm umfasst die autologe Gewebezüchtung – einen Ansatz, bei dem Zellen oder Gewebe verwendet werden, die von derselben Person erhalten wurden. „Durch diesen Ansatz könnten wir den Organmangel sowie das riskante Verfahren der Unterdrückung der Immunantwort der Erkrankten umgehen“, merkte Prof. De Coppi an.

Entwicklung patientenspezifischer Dünndarmtransplantate

Das Forschungsteam übernahm diese Strategie in einer von INTENS finanzierten Studie, die sich auf die Konstruktion autologer jejunaler Schleimhauttransplantate konzentrierte. „Wir verwendeten Biomaterialien von Kindern mit Kurzdarmsyndrom, um lebendes Gewebe aus der inneren Schicht des Dünndarms zu züchten. Dieses könnte theoretisch mithilfe eines chirurgischen Eingriffs transplantiert werden“, erklärte Prof. De Coppi in der Pressemeldung. Während der Studie durchgeführte Analysen ergaben auch Ähnlichkeiten zwischen den biochemischen Profilen des Dünndarms und des Dickdarmgerüsts, bei denen es sich um gezüchtete Materialien handelt, welche zur Bildung neuer Gewebe für medizinische Zwecke verwendet werden. Diese Ähnlichkeiten legen nahe, dass Forschende die Dünndarm- und Dickdarmgerüste austauschbar als Plattformen für die Darmzüchtung verwenden können. „Daraus ergibt sich die Möglichkeit, bei Kindern, die den gesamten Dünndarm verloren haben, den Dickdarm als Gerüst zu nutzen“, beobachtete Prof. De Coppi. Wie in der Pressemeldung berichtet, haben die Forschenden anschließend die Dickdarmgerüste in vivo transplantiert, um zu zeigen, dass sie kurzfristige funktionelle Strukturen bilden können. „Diese Erkenntnisse bieten Daten für den Wirkungsnachweis für die Züchtung patientenspezifischer jejunaler Transplantate für Kinder mit Darmversagen, was letzten Endes deren selbstständige Ernährung wiederherstellen könnte“, bemerkte Prof. De Coppi. Die beim Projekt INTENS bisher erzielten Ergebnisse haben die Erwartungen des Teams übertroffen. Die innovative Behandlung kann Säuglingen mit Kurzdarmsyndrom sowie Kindern und Erwachsenen zugutekommen. „Dadurch wird die Behandlung für Menschen mit Kurzdarmsyndrom nicht nur wesentlich kostengünstiger und zugänglicher, sondern unsere Forschung birgt auch das Potenzial, ihre Prognose und ihren Lebensstandard deutlich zu verbessern“, folgert Prof. De Coppi. Weitere Informationen: INTENS-Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

INTENS, Kurzdarmsyndrom, SBS, Dünndarm, Gewebezüchtung

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