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Specialized Help from Be My Eyes – harnessing technology to connect companies directly with their blind and visually impaired users

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Eine App für Menschen mit Sehbehinderung zur Anwendung in Unternehmen

Niemand wendet sich gerne an die Auskunftsdienste von Unternehmen, aber für Menschen, die ihr Problem nicht sehen oder beschreiben können ist dies ein noch größeres Ärgernis. Ein globales Freiwilligensystem verhilft Auskunftsdiensten von Unternehmen nun zur Barrierefreiheit.

Digitale Wirtschaft

Die Entwicklung mobiler Videoanrufe hat die Verfügbarkeit von Hilfestellungen für Personen mit Sehbehinderung erheblich verbessert. Menschen mit Sehbehinderung können eine sehende Person anrufen und diese bitten, zu beschreiben, was sie über die Kamera des Smartphones sehen. Menschen mit Sehbehinderung wenden sich dafür jedoch oft an dieselben Personen aus dem Freundeskreis oder der Familie. Das kann dazu führen, dass sie sich wie eine Bürde fühlen. Im Jahr 2012 stellte das dänische Unternehmen Be My Eyes einen Prototyp eines Videoassistenzsystems für Menschen mit Sehbehinderung vor. Es ermöglicht ihnen, Freiwillige für die visuelle Unterstützung heranzuziehen. Bis 2016 wurde das System weiter ausgereift und Be My Eyes in über 100 Ländern eingeführt. Heute verbindet das System Menschen mit Sehbehinderung mit sehenden Menschen, die ihnen freiwillig einige Minuten ihrer Zeit zur Verfügung stellen.

Das Streben nach unternehmerischer Beteiligung

Viele große Unternehmen gehen nicht explizit auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderungen ein. Das „Be My Eyes“-System wurde bislang auf Unternehmensebene nicht unterstützt. Das EU-finanzierte Projekt BEMYEYES unterstützte das gleichnamige Unternehmen dabei, die Umsetzbarkeit einer Einbindung großer Konzerne auszuloten. Das Standardsystem von Be My Eyes gibt es bereits seit mehreren Jahren als Anwendung für Smartphones und Tablets. Die Anwenderinnen und Anwender melden sich entweder als Person mit Sehbehinderung oder als freiwillige Hilfsperson an. Im März 2021 umfasste die Gemeinschaft mehr als 290 000 Menschen mit Sehbehinderung und 4,6 Millionen Freiwillige in über 150 Ländern. „Die Verbindung wird anhand der Sprache und Zeitzone hergestellt“, erklärt der Projektkoordinator Christian Erfurt. „Wenn Sie zum Beispiel mitten in der Nacht in Australien Hilfe benötigen, werden wir Ihnen eine freiwillige Person zuweisen, die Englisch oder ihre bevorzugte Sprache spricht und sich irgendwo auf der Welt in einer angemessenen Zeitzone befindet.“ Die Verbindung wird innerhalb von 15 Sekunden hergestellt. Dann bittet die Person mit Sehbehinderung um Hilfe bei ihrem Problem, ohne die eigene Familie oder Freundinnen und Freunde zu ungünstigen Zeiten stören zu müssen.

Zustimmung im Unternehmenssektor

Eines der Ziele der Durchführbarkeitsstudie des Projekts bestand darin, Möglichkeiten auszuloten, Auskunftsdienste von Unternehmen in das „Be My Eyes“-System einzubinden. In diesen Fällen stellen Unternehmen spezifisches Personal bereit, das visuelle Hilfestellung bietet, besonders bezüglich Unternehmensangelegenheiten, bei denen Menschen mit Sehbehinderungen gegebenenfalls Hilfe benötigen. „Menschen mit Sehbehinderung benutzen das System von Be My Eyes, um eine direkte Verbindung zur Kundendienstzentrale herzustellen“, fügt Erfurt hinzu. „Das ausgebildete Personal des Unternehmens, das natürlich über die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens gut informiert ist, tritt dann dem persönlichen und sicheren Gespräch bei. Da auf diese Weise bereits ein vertraulicher Rahmen geschaffen ist, können personenbezogene Daten direkt offen besprochen werden.“ Die Frage der Projektforschenden, ob Unternehmen sich daran beteiligen möchten, wurde laut und deutlich mit „Ja“ beantwortet. Das System ist für Menschen mit Sehbehinderung oder Freiwillige kostenlos, berechnet den teilnehmenden Unternehmen jedoch eine Gebühr. Dennoch konnte die Forschungsgruppe die Unternehmen von den finanziellen Vorteilen einer Zusammenarbeit mit BEMYEYES zur Verbesserung von Dienstleistungen für Menschen mit Sehbehinderung überzeugen, die einen großen und bislang vernachlässigten Markt bilden. Be My Eyes konnte bereits viele der größten Konzerne der Welt für sich gewinnen, darunter Microsoft und Google. Die Teammitglieder des Projekts werden den unternehmenszentrierten Bereich des Be My Eyes-Systems weiter ausbauen. So kann Menschen mit Sehbehinderung noch umfassendere Unterstützung geboten werden.

Schlüsselbegriffe

BEMYEYES, Sehbehinderung, Auskunftsdienste von Unternehmen, Video, Freiwilligenarbeit, visuelle Unterstützung, Kundendienst

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9 April 2019