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Welche Medikamente helfen Patientinnen und Patienten mit Diabetes, einen plötzlichen Herzstillstand zu verhindern?

Eine EU-unterstützte Studie verglich die Wirksamkeit gängiger Antidiabetika für die Risikosenkung eines präklinischen Herzstillstands. Ausgehend von den Ergebnissen leistet Sulfonylharnstoff bessere Arbeit als Metformin.

Gesundheit

Eine Haupttodesursache in Industrieländern ist ein plötzlicher Herzstillstand – ein Zustand, der eintritt, wenn die Elektrik des Herzens eine Fehlfunktion hat, und das Herz plötzlich aufhört, normal zu schlagen. In Europa überleben nur etwa 8 % der Menschen einen Herzstillstand, der sich außerhalb einer Klinikumgebung ereignet. Für Menschen mit Diabetes ist das Risiko eines präklinischen Herzstillstands sogar noch höher. Unter besonderer Berücksichtigung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes verglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Universität Amsterdam und der Universität Utrecht in den Niederlanden gängige Medikamente, die für Diabetes mellitus Typ 2 verwendet werden, um herausfinden, ob diese zu einem geringeren Risiko eines präklinischen Herzstillstands führten. Die mit Unterstützung über das EU-finanzierte Projekt ESCAPE-NET durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Sulfonylharnstoff-Medikamente mit einem geringeren Risiko eines präklinischen Herzstillstands verbunden sind, als das Antidiabetikum Metformin. „Es ist weitere Forschung erforderlich, um die Erkenntnisse zu bestätigen, und Patientinnen und Patienten mit Diabetes sollten ihre Medikation nicht verändern oder unterbrechen“, beobachtete ESCAPE-NET-Projektleiter und Mitautor der Studie Dr. Hanno Tan von der Universität Amsterdam in einer Pressemitteilung, die auf der Website der „Europäischen Gesellschaft für Kardiologie“ veröffentlicht wurde. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „British Journal of Clinical Pharmacology“ veröffentlicht. Zum Zwecke der Studie wurden 219 Patientinnen und Patienten mit Diabetes, die zwischen 2005 und 2011 einen Herzstillstand erlitten hatten, mit einer aus 697 Patientinnen und Patienten bestehenden diabetischen Kontrollgruppe verglichen, die keinen Herzstillstand erlitten hatte. Jeder Fall eines präklinischen Herzstillstands wurde auf Basis des Alters und Geschlechts mit bis zu fünf Personen aus der Kontrollgruppe, die zum Zeitpunkt des betreffenden Auftretens eines präklinischen Herzstillstands lebten, abgeglichen. In der Fallgruppe und der Kontrollgruppe lag das Durchschnittsalter bei etwa 71 Jahren und über 75 % der Patientinnen und Patienten waren männlich. Die Daten zum präklinischen Herzstillstand für die bevölkerungsbezogene Fallkontrollstudie stammten aus dem ARREST-Verzeichnis (Amsterdam Resuscitation Studies). Die Daten für die Kontrollgruppe wurden aus dem PHARMO Database Network bezogen, das Aufzeichnungen von kommunalen Apotheken über die Abgabe von Arzneimitteln beinhaltet.

Die Erkenntnisse

Das Forschungsteam fand heraus, dass Sulfonylharnstoff-Medikamente, die allein oder in Kombination mit Metformin eingenommen wurden, mit einem geringeren Risiko eines präklinischen Herzstillstands verbunden waren, als bei einer ausschließlichen Behandlung mit Metformin. „Metformin ist typischerweise eine Behandlung der ersten Wahl, auf die, bei Unwirksamkeit, ein Sulfonylharnstoff-Medikament folgt – dies legt nahe, dass Diabetes bei Patientinnen und Patienten, die Metformin einnahmen, weniger weit fortgeschritten war“, erklärte Dr. Tan. „Dies untermauert die Annahme, dass Sulfonylharnstoff-Medikamente die Gefahr eines Herzstillstands reduzieren.“ Einzelne Sulfonylharnstoff-Medikamente – Glibenclamid, Gliclazid, Glimepirid und Tolbutamid – wurden ebenfalls miteinander verglichen. Es stellte sich heraus, dass Gliclazid, nicht jedoch Glibenclamid, ein geringeres Risiko eines präklinischen Herzstillstands als Glimepirid aufweist. Bei Tolbutamid war der Zusammenhang mit einem geringeren Risiko statistisch unerheblich. „Die Ergebnisse dieser Studie bringen uns dem Verständnis einen Schritt näher, wie ein plötzlicher Herzstillstand in der Patientengemeinde vermieden werden kann. Wir benötigen allerdings weitere Studien, um unsere Erkenntnisse zu bestätigen. Eines Tages können wir die Prävention hoffentlich personalisieren, indem wir Medikamente gemäß der individuellen genetischen Veranlagung verschreiben“, lautet das Fazit von Dr. Tan. ESCAPE-NET (European Sudden Cardiac Arrest network: towards Prevention, Education and NEw Treatment) vereint 18 akademische, wissenschaftliche, öffentliche und kommerzielle Partner aus 10 europäischen Ländern. Das Ziel des Projekts ist die volle Ausschöpfung der verfügbaren Forschungsdaten zur besseren Prävention und Behandlung eines plötzlichen Herzstillstands. Weitere Informationen: ESCAPE-NET Projektwebsite

Schlüsselbegriffe

ESCAPE-NET, Herzstillstand, präklinischer Herzstillstand, Diabetes, Sulfonylharnstoff, Metformin

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