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Novel Automated System for Farming of European Lobster

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Modell für rentable, skalierbare und umweltfreundliche Hummerzucht

Der Europäische Hummer ist eine gefährdete, fast ausgestorbene Art, die jedoch kulinarisch sehr gefragt ist. Ein EU-finanziertes Projekt entwickelte nun ein bahnbrechendes Modell für die Hummerzucht an Land.

Lebensmittel und natürliche Ressourcen

Seit Jahrhunderten zählt der Europäische Hummer zu den begehrtesten Produkten unter den Meeresfrüchten. Eine innovative, vom EU-finanzierten Projekt AUTOMARUS entwickelte Haltungsmethode für die Hummerzucht soll nun dazu beitragen, die gesamte Wertschöpfungskette analysieren, optimieren und kontrollieren zu können, um das Angebot an qualitativ hochwertigen, gesunden Meeresfrüchten für diesen stark nachgefragten Markt zu erhöhen.

Artgerechtere Haltung in der Hummerzucht

Mit einer Länge von etwa 20 cm und einem Gewicht von 250-300 Gramm unterschreitet der Europäische Hummer die gesetzlich vorgegebenen Mindestmaße für Wildfang. Allerdings ist die Zucht aufwändig, da sich Hummer unter bestimmten Bedingungen ausgeprägt kannibalisch verhalten. Voraussetzungen für ein ideales Einzelhaltungssystem sind kostengünstige Konstruktion und Haltung sowie einfache Wartung. Es sollte selbstreinigend sein, den dreidimensionalen Raum optimal ausnutzen, sparsam im Wasserverbrauch und für Kontrollen und Fütterung leicht zugänglich sein. AUTOMARUS kombiniert all dies in einem Haltungssystem, das mit hochmoderner Bildanalyse, automatisierter Fütterung und Prozessrobotik ausgerüstet ist. „Alle Tiere leben separiert im eigenen ‚Zimmer mit Meerblick‘“, erklärt Mette Handeland, Standortleiterin des Projekts, „das den Bedingungen für artgerechte Haltung entspricht, sodass Angriffe, Revierkämpfe und Kannibalismus vermieden werden.“ Die Einzelhaltung bietet deutlich mehr Möglichkeiten für eine flexible, modular aufgebaute kommerzielle Zucht und punktet durch bessere Biosicherheit verglichen mit anderen Aufzuchtverfahren. „Aufgrund der hohen Biosicherheitsstufe der Technologie wären bei Infektionsausbrüchen maximal 100 Hummer betroffen, und zwar unabhängig von der Größe der Zuchtfarm“, erklärt Projektkoordinator Asbjørn Drengstig. Zudem entleert sich das System bei eingeschränkter Wasserversorgung von selbst, sodass die Hummer in feucht-trockener Umgebung bis zu 48 Stunden überlebensfähig sind und Betreibenden zwei Tage Zeit bleiben, um einzugreifen.“ Ein Engpass für die kommerzielle Hummerzucht war bislang auch, dass es an hochwertigem Trockenfutter und effektiven, rentablen Technologien für die Einzelfütterung kleiner Mengen mangelte. „Um die Futterrationen genauer bemessen zu können und Verschwendung zu vermeiden, wurde ein hochpräziser, robotergestützter Futterspender entwickelt“, erklärt Chefingenieur Jan Erik Jenssen, der auch für den Technologie-Reifegrad zuständig war. Damit sie wachsen können, müssen Hummer sich mehrfach häuten und mit Meerwasser aufpumpen. Dabei dehnt sich die neue, unter dem Panzer gebildete Haut. „Der Zeitpunkt der letzten Häutung muss genau bestimmbar sein, sodass der Körper ausreichend Zeit hat, den neuen Panzer gänzlich zu füllen und die für den Verzehr erforderliche Füllquote zu erreichen“, betont Tormod Drengstig, Leiter der Softwareentwicklung.

Modell für 100 %ig nachhaltige Hummerzucht

Das Aquakulturkonzept basierte ursprünglich auf konstanter Wassertemperatur in einer geschlossenen Kreislaufanlage, bei dem 95 % des Meerwassers wiederaufbereitet werden, was eine notwendige, aber technisch aufwändige Methode für die Meeresfrüchteproduktion an Land ist. Nach der ersten Projekthälfte traf AUTOMARUS jedoch Vereinbarungen mit einem lokalen Rechenzentrum in Norwegen und einem globalen Betreiber von Hyperscale-Rechenzentren. Rechenzentren erzeugen eine geringe, doch bislang ungenutzte Abwärme, die bei 20 °C liegt und damit ideal für Hummerzuchtanlagen geeignet ist. Dies ermöglicht die industrielle Skalierung der Produktion, ohne dass teure Systeme zur Wasseraufbereitung installiert werden müssen. Durch den Einsatz von Durchflusstechnologie reduziert sich zudem das Risiko technischer Ausfälle. Um Wildbestände zu schützen und zu vermehren, holte das Unternehmen die Genehmigung zum Fang trächtiger Weibchen aus einem fast ausgestorbenen Bestand Europäischer Hummer ein und erklärte, 10 % aller geschlüpften Jungtiere wieder auszusetzen. Da die Art gefährdet ist, sind diese Maßnahmen enorm wichtig für den Erhalt des Wildbestands.

Schlüsselbegriffe

AUTOMARUS, Hummer, Aquakultur, Hummerzucht, Europäischer Hummer, Tierschutz, Meeresfrüchteproduktion

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