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Die digitale Revolution im Stadtverkehr inklusiv gestalten

Durch technologische Hürden könnte bestimmte Gruppen vom Verkehr der nächsten Generation ausgeschlossen werden. Mit einem neuen Rahmen soll dieses Problem angegangen werden.

Verkehr und Mobilität icon Verkehr und Mobilität

Die digitale Revolution verändert bereits die Art und Weise, wie Menschen auf Informationen über Verkehrsdienstleistungen und -produkte zugreifen, und prägt neue Mobilitätsmuster und Verkehrsoptionen. Doch nicht jede Person profitiert von diesen digitalen Neuerungen. Es entsteht eine „digitale Kluft“, die Gruppen unter anderem aufgrund ihres Zugangs zu digitalen Diensten zu spalten und auszugrenzen droht. Dazu gehören beispielsweise ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, wirtschaftlich Schwache und Menschen mit niedrigem Bildungsniveau, die die Verkehrsmittel der nächsten Generation aus Gründen wie unzureichendem Zugang zu den erforderlichen Technologien oder mangelnden digitalen Kenntnissen nicht nutzen können. „Die digitale Kluft in der Mobilität und insbesondere ihre potenziellen Auswirkungen auf die Mobilitätsarmut haben in der nationalen und lokalen Mobilitätspolitik noch nicht die nötige Aufmerksamkeit erhalten“, bemerkt Silvia Gaggi, leitende Projektmanagerin am Istituto di Studi per l'Integrazione dei Sistemi (ISINNOVA) und Koordinatorin des Projekts DIGNITY. „Wenn nicht schnellstens etwas unternommen wird, wird die zunehmende Digitalisierung von Mobilitätslösungen wahrscheinlich zu einer weiteren Ausgrenzung bestimmter gefährdeter Gruppen führen“, fügt sie hinzu.

Innovativer Verkehr für alle

Im Rahmen des EU-finanzierten Projekts DIGNITY erstellten die Forschenden einen völlig neuen Rahmen für den Stadtverkehr. „Ziel war es, öffentliche und private Mobilitätsdienstleister bei der Konzeption von etablierten digitalen Produkten oder Diensten zu unterstützen, die für möglichst viele Menschen zugänglich und nutzbar sind, unabhängig von ihrem Einkommen, ihrem sozialen Hintergrund, ihrer gesundheitlichen Situation oder ihrem Alter“, so Gaggi. Das Projekt sollte ebenso Verantwortlichen der Politik helfen, langfristige Strategien zu formulieren, die Innovationen im Verkehrswesen fördern und gleichzeitig auf die globalen sozialen, demografischen und wirtschaftlichen Veränderungen, einschließlich der Herausforderungen von Armut und Migration, reagieren.

Der DIGNITY-Ansatz

Der erste Schritt bestand darin, die „digitale Kluft“ in städtischen Zentren in ganz Europa zu bewerten, indem man sich einen Überblick über die Inklusivität der digitalen Verkehrsszene in einer bestimmten Stadt, Region oder Nation verschaffte. Das Team sammelte Erkenntnisse über die digitalen Kenntnisse und die Mobilitätsarmut der Bevölkerung, die Bereitstellung digitaler städtischer Verkehrsmittel und die politischen Maßnahmen zur Gestaltung der digitalen Mobilität und Integration. Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus dieser ersten Phase arbeitete das Team dann an der Überbrückung der digitalen Kluft. Dieser Prozess umfasste die Entwicklung potenzieller Szenarien, um integrative Strategien zu entwerfen, und stützte sich auf Beiträge einer Reihe von Interessengruppen, von Verantwortlichen der Politik bis hin zu Anbietern von Verkehrsdiensten – und den Endnutzenden. „Der DIGNITY-Ansatz wurde so ausgearbeitet, dass die Ergebnisse der Rahmen- und Überbrückungsphasen gemeinsam genutzt werden können, um eine lokale Strategie für ein integratives digitales Reiseökosystem zu erarbeiten“, merkt Gaggi an.

Versuche in ganz Europa

Der DIGNITY-Ansatz wurde in vier Pilotprojekten in Europa erfolgreich getestet: Barcelona, Flandern, Ancona und Tilburg. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist ein innovatives Instrument zur Unterstützung von lokalen und regionalen politischen Verantwortlichen bei der Formulierung digitaler integrativer Politiken und Strategien und von Anbietern digitaler Dienste bei der Entwicklung integrativer Produkte und Dienste. Mit dem DIGNITY-Instrumentarium und den Leitlinien können die Behörden die Forschungsmethoden in ihrer eigenen Region umsetzen. Die Erhebung von Daten auf Bevölkerungsebene in fünf EU-Ländern hat zudem in Verbindung mit der Sammlung von Beispielen für bestehende digitale Mobilitätsdienste in ganz Europa eine ganzheitliche Perspektive darauf eröffnet, wer von der Nutzung eines bestimmten digitalen Produkts oder Dienstes ausgeschlossen ist und warum das der Fall ist. „DIGNITY hat das Bewusstsein für die digitale Kluft im Verkehr und die Notwendigkeit, diese Kluft zu überbrücken, um niemanden beim digitalen Übergang zurückzulassen, geschärft und damit zum Aufbau einer ‚würdevollen Kultur‘ für alle Beteiligten im digitalen Verkehrsökosystem beigetragen“, sagt Gaggi.

Schlüsselbegriffe

DIGNITY, städtisch, digital, Verkehr, Mobilität, Politik, Ökosystem, Armut