Befähigung der Ersthelfer bei Notfällen
Abgesehen davon, dass man sie als Helden bezeichnet, gibt es eine Möglichkeit, die Arbeit der Ersthelfer – Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter – einfacher, sicherer und effizienter zu machen? Laut dem von der EU geförderten RESCUER-Projekt(öffnet in neuem Fenster) lautet die Antwort mit den richtigen digitalen Lösungen „ja“.
Zugang zu Echtzeit-Informationen
„Digitale Werkzeuge verschaffen Einsatzkräften Zugang zu Echtzeitinformationen, verbessern die Kommunikation und sorgen für eine klarere Lageeinschätzung. So können sie schneller Entscheidungen treffen, im Einsatz sicherer bleiben und die Führung sowie Koordination besser steuern“, erklärt Federico Álvarez, Projektkoordinator des EU-geförderten RESCUER-Projekts (Real-time Emergency Support for Coordinated Urban Response). Damit diese Instrumente nützlich sind, müssen sie natürlich auch unter rauen und unvorhersehbaren Einsatzbedingungen zuverlässig funktionieren. Um diese Lücke zu schließen, hat das RESCUER-Projekt ein Paket hochmoderner Technologien entwickelt, darunter Sense-Augmentation, positionsbestimmung ohne Infrastruktur(öffnet in neuem Fenster) und kognitive Unterstützungsoberflächen.
Integration der Messung kognitiver Belastung
Eine dieser Technologien ist das Konzept enHanced nEw eRa first respOnder (HERO). Ersthelfer nutzen zunehmend Augmented-Reality-Schnittstellen wie holografische Displays, um wichtige Daten zu visualisieren. Das HERO-Konzept geht noch einen Schritt weiter und integriert die Messung der kognitiven Belastung. „Das bedeutet, dass das System Informationen an das individuelle Stressniveau anpasst, Überlastung verhindert und eine bessere Entscheidungsfindung unterstützt“, sagt Álvarez. „Diese Kombination aus Echtzeit-Lagedaten und kognitiven Einblicken ermöglicht schnellere, sicherere und fundiertere Handlungen in komplexen Notfallsituationen.“ Das RESCUER-Instrumentarium ist ebenfalls als integriertes System konzipiert. „Dies ermöglicht die gemeinsame Visualisierung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen, sodass Führungs- und Koordinationsteams Ereignisse in Echtzeit verfolgen und fundiertere Entscheidungen treffen können“, erklärt Álvarez.
Unvorhersehbarkeit von Notfällen in der Praxis
Dennoch bleibt es eine Herausforderung, Spitzentechnologien an die vorderste Front zu bringen. „Während die Konvergenz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Sensortechnologien vielversprechend ist, kann die Einführung dieser Technologien im Bereich der Notfallmaßnahmen schwierig sein“, fügt Álvarez hinzu. Das liegt daran, dass Notfälle in der Realität nicht vorhersehbar sind und die Technologie anpassungsfähig und resilient sein muss. Darüber hinaus stellen Kompatibilitätsprobleme, die Komplexität der Benutzeroberfläche und die Notwendigkeit, dass die Instrumente in rauen Umgebungen funktionieren, weitere Hindernisse dar. Um sicherzustellen, dass die Instrumente für reale Anwendungen geeignet sind, hat RESCUER einen strengen Validierungsprozess durchlaufen, der auch Pilotversuche umfasste, bei denen die Technologien in der Praxis getestet wurden. Álvarez merkt an: „Pilotübungen in notfallorientierten Forschungsprojekten sind komplexe und zeitaufwändige Veranstaltungen, da für ihre erfolgreiche Durchführung eine sorgfältige Planung, Vorbereitung und die nötige Flexibilität erforderlich sind, um Rückschläge zu überwinden.“ RESCUER organisierte 10 Feldversuche, sieben Schulungen und sechs Pilotprojekte, bei denen die Komponenten des Toolkits in verschiedenen Szenarien getestet wurden. Im Rahmen des Projekts wurden auch detaillierte Bewertungsmethoden entwickelt, um die Leistung der einzelnen Instrumente zu beurteilen, wobei technische Einschränkungen wie die Batterielebensdauer berücksichtigt wurden, die die Dauer der Szenarien auf 45 Minuten begrenzte. Die Pilotprojekte lieferten den Forschenden wertvolle Erkenntnisse, die es ihnen ermöglichten, die Instrumente zu verfeinern und sicherzustellen, dass sie den tatsächlichen Bedürfnissen der Ersthelfer entsprechen.
Stärkere und zuverlässigere Krisenreaktion
Digitale Lösungen, wie sie im Rahmen des RESCUER-Projekts entwickelt wurden, bieten Zugang zu Echtzeit-Informationen, ermöglichen eine bessere Kommunikation und ein klareres Situationsbewusstsein und helfen den Ersthelfern, schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen, während sie gleichzeitig für mehr Sicherheit vor Ort sorgen. „RESCUER hilft Europa, besser vorbereitet zu sein, indem es sowohl Einsatzkräften als auch Führungs- und Koordinationsteams eine klarere Übersicht darüber verschafft, was vor Ort geschieht – selbst in Umgebungen ohne Infrastruktur“, schließt Álvarez. „Das bedeutet, dass sie schneller reagieren, effektiver koordinieren und sicherer handeln können – was letztlich zu einer stärkeren und zuverlässigeren Reaktion in Krisensituationen führt.“ Das Projektkonsortium führt gegenwärtig Gespräche mit Industriepartnern und Unternehmen, die daran interessiert sind, ihre Technologien in Produkte umzuwandeln, die den Ersthelfern in den nächsten zwei bis drei Jahren zur Verfügung stehen könnten. Ziel ist es, die Innovationen von RESCUER in praktische, geregelte Instrumente zu verwandeln, die von Rettungsdiensten in ganz Europa übernommen werden können.