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MAKING SENSE OF THE WORLD: COGNITIVE AND NEURAL PROCESSES UNDERPINNING HOW WE COMPREHEND, PREDICT AND REMEMBER EVENTS

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Erinnerungen – Fakt oder Fiktion?

Was sind Erinnerungen eigentlich und wie werden sie im Gehirn abgespeichert? Das ist eine Frage, die uns schon seit Jahrhunderten beschäftigt. Mit neuen Instrumenten und Verfahren kommen wir der Antwort etwas näher.

Alltägliche Gedächtnisfehler können banale bis lebensbedrohliche Konsequenzen nach sich ziehen. Ein großer Teil der neurowissenschaftlichen Forschung zielt darauf ab, das Gedächtnis anhand sehr reiner, einfacher, auf das Wesentliche reduzierter Tests zu verstehen, etwa durch das Auswendiglernen von Listen mit nicht miteinander in Zusammenhang stehenden Begriffen oder Bildern von Objekten. Wie Chris Bird, Professor für kognitive Neurowissenschaften an der University of Sussex, erklärt, berücksichtigen diese Maßnahmen jedoch nicht die Tatsache, dass sich unsere realen Erfahrungen im Lauf der Zeit an bestimmten Orten entfalten und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge beinhalten. Die Arbeit des vom Europäischen Forschungsrat(öffnet in neuem Fenster) unterstützten Projekts EVENTS(öffnet in neuem Fenster) verfolgte einen anderen Ansatz. Das Team nutzte Geschichten oder Videos zum Simulieren von Alltagserfahrungen, um das Gedächtnis zu testen, und setzte funktionelle Magnetresonanztomografie(öffnet in neuem Fenster) (fMRT) ein, um zu untersuchen, wie Gedächtnisprozesse von verschiedenen Gehirnnetzwerken unterstützt werden. „Hiermit erhalten wir Aufschluss darüber, wie normale Gedächtnisprozesse ablaufen und warum und wann es zu Gedächtnisfehlern kommen kann und warum Gedächtnisstörungen ein entscheidendes Merkmal von Gehirnerkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit sind“, berichtet er.

Wie in unabhängigen neuronalen Modulen verarbeitete Informationen zum mentalen „Ereignismodell“ werden

Das Team von EVENTS untersuchte, ob Menschen mit schwerwiegenden Gedächtnisproblemen noch dazu in der Lage sind, eine erzählte Geschichte „im Moment“ zu verstehen und ihr zu folgen, auch wenn sie sich später nicht mehr an sie erinnern können. Etwa 400 in der Universität und ihrem Umfeld angeworbene Personen im Alter von 18 bis 40 Jahren wurden mittels fMRT gescannt, und etwa 50 Erwachsene mit Gedächtnisproblemen im Alter von 65 bis 85 Jahren wurden zusammen mit einer ähnlichen Anzahl gesunder altersgleicher Teilnehmender als Kontrollgruppe getestet. Überdies nahmen weitere 1 000 Freiwillige online an den Experimenten teil.

Erinnern Sie sich, was passiert ist? Oder was unserer Meinung nach hätte passieren müssen?

Das Team konnte unser Verständnis dafür verbessern, warum und wann unser Gedächtnis versagen kann, und Wege aufgezeigt, wie wir Gedächtnisausfälle verhindern können. Gleichermaßen wurde gezeigt, dass Personen mit Gedächtnisproblemen nicht nur Schwierigkeiten dabei haben, sich an Ereignisse in den Stunden und Tagen danach zu erinnern, sondern auch dabei, zu verstehen, wie sich Ereignisse in der Gegenwart entwickeln. Es wurden andere Mechanismen aufgedeckt, die an der Informationsverarbeitung im Gehirn beteiligt sind. Anhand von Zeitraffervideos, in denen Menschen alltägliche Handlungen wie Wäschewaschen ausführen und die die Teilnehmenden im Scanner betrachteten, befasste sich die Arbeit damit, wie der Hippocampus Überraschungen signalisiert. „Damit wurde eine theoretische Debatte über die Rolle des Hippocampus bei der Verarbeitung von ‚Vorhersagefehlern‘ ausgelöst“, fügt Bird hinzu, der Mitautor einer wissenschaftlichen Arbeit(öffnet in neuem Fenster) ist, in der die Ergebnisse in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“ vorgestellt werden. In einer anderen wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel „False memories for ending of events“(öffnet in neuem Fenster), wurden Ergebnisse vorgestellt, die zeigen, dass Menschen, die sich Ereignisse ansehen, die abrupt vor einem natürlichen „Szenenwechsel“ enden, beim Abrufen dieser Ereignisse aus ihrem Gedächtnis sehr häufig das Ende „hinzufügen“, als hätten sie die Szene bis zu ihrem Ende gesehen. Sie sind sich dessen nicht bewusst, dass sie sich fälschlicherweise an Dinge erinnern, die sie nie gesehen haben. Die Forschenden gehen in mehreren Veröffentlichungen auf diese Frage ein: An wie viel erinnern wir uns von dem, was in einer Situation passiert ist, im Vergleich zu dem, was wir denken, was in einer Situation hätte passieren sollen? „Wir haben nachgewiesen, dass die videospezifischen ‚Fingerabdrücke‘ der fMRT-Aktivität größtenteils auf den zuverlässigen und vorhersehbaren Informationen beruhen, die wir von einer Situation erwarten, und nicht auf den weniger vorhersehbaren Informationen, dank derer das Ereignis einzigartig sein könnte. Wenn wir uns zum Beispiel an eine Szene aus der Fernsehserie ‚Friends‘ erinnern, bildet unser Wissen über die Hauptfiguren und ihren Kontext das Hauptgerüst unseres Gedächtnisses – die spezifischen Ereignisse in einer bestimmten Szene bilden dann nur das Sahnehäubchen.“ Bird erklärt: „Wir zerlegen die Gehirnsysteme, die das Wissen über die Welt verarbeiten und unsere Erwartungen an das bestimmen, was in einer bestimmten Situation passieren sollte.“

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