Wie europaweit Länder die Überwachung der biologischen Vielfalt angleichen
Die Politik rund um die biologische Vielfalt hängt oft von Daten ab, die in den einzelnen Ländern auf unterschiedliche Weise erhoben werden. Artenlisten, Erhebungsaufwand und Meldezyklen fallen unterschiedlich aus, was es erschwert, Trends zu vergleichen, neue auftauchende Risiken zu erkennen oder Maßnahmen grenzüberschreitend zu koordinieren. Die europäische Partnerschaft für biologische Vielfalt Biodiversa-plus(öffnet in neuem Fenster) bringt Forschungsfinanzierung und Umweltbehörden zusammen, um europaweit die Überwachung der biologischen Vielfalt und der Ökosystemdienstleistungen zu verbessern. Die Partnerschaft konzentriert sich auf die Koordinierung und Harmonisierung: Es steht zur Einigung, was gemessen werden muss, es werden Ansätze in der Praxis erprobt und es wird den Ländern Hilfestellung bei der Übernahme von Methoden gegeben, die den tatsächlichen Budgets und Zuständigkeiten entsprechen.
Aufbau einer gemeinsamen Infrastruktur für länderübergreifende Beobachtung
In Bezug auf die Überwachung besteht der erste Schritt darin, die richtigen Leute an einen Tisch zu bringen, sich auf gemeinsame Verpflichtungen zu einigen und klare Anwendungsfälle zu definieren. Petteri Vihervaara, der den Arbeitsbereich Überwachung des EU-finanzierten Projekts Biodiversa-plus leitet, erklärt, dass „Biodiversa-plus erstmalig Datenerzeugung, Datennutzung und EU-Gremien zusammengebracht hat“. Diese Veränderung ist von Bedeutung, da sie den Schwerpunkt der Überwachung weg von nachträglichen Vergleichen nationaler Datensätze hin zu gemeinsam konzipierten Rahmenwerken verlagert, in denen sich die Partner auf Anforderungen, Variablen und kleinste gemeinsame Nenner einigen können. In der Praxis wird diese Arbeit im Rahmen von Pilotfällen der thematischen Überwachung erprobt, die auf genormten Protokollen beruhen. Alle Partner folgen derselben Methodik, die zeitgleich eingeführt wurde und unterstützend zentral koordiniert wird, wobei nur minimale Anpassungen an die lokalen Gegebenheiten vorgenommen werden. Dies geht über die reine Harmonisierung bereits existierender Ansätze hinaus: Es werden von Anfang an direkt vergleichbare Daten generiert, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass die Ergebnisse den Anforderungen der Politik und der Berichterstattung entsprechen.
Pilotvorhaben zur Überwachung invasiver gebietsfremder Arten
Bei einem Pilotvorhaben stehen invasive gebietsfremde Arten im Mittelpunkt, bei denen Schnelligkeit und Konsequenz von entscheidender Wichtigkeit sind. Dem Konzept nach wurden wiederholbare, skalierbare Ansätze erprobt, die sich in bestehende Berichtszyklen einfügen, wobei uneinheitliche nationale Kapazitäten, Datenlücken und Kosten berücksichtigt werden. Ziel ist es, die Ergebnisse der Pilotprojekte mithilfe der Bereitstellung von Protokollvorlagen, Arbeitsabläufen mit Kostenschätzungen und praktischen Anleitungen in die nationale Routineüberwachung zu übertragen. Automatisierung bildet einen wichtigen Teil dieses Plans. Toke Thomas Høye, der das Pilotvorhaben im Rahmen von Biodiversa-plus zur Überwachung invasiver gebietsfremder Arten koordiniert, merkt an: „Mit dem Einsatz der automatisierten Bilderkennung in einem operativen Kontext wird die zeitnahe Massenüberwachung bestimmter invasiver gebietsfremder Arten beschleunigt und genormt, da sie qualitativ hochwertige Überwachungsdaten liefert.“ Die gleichen Verfahren lassen sich auch auf andere Datenarten (z. B. Laute) und andere Taxa anpassen, sodass die Länder die Überwachung ausweiten können, ohne sich ausschließlich auf arbeitsintensive Feldarbeit verlassen zu müssen.
Finanzierte Projekte mit besser nutzbarer Evidenzbasis verknüpfen
Innerhalb von Biodiversa-plus werden auch Projekte unterstützt, die Überwachungslücken schließen und für besser vergleichbare Ergebnisse sorgen. ANTENNA(öffnet in neuem Fenster), ein im Zuge von Biodiversa-plus finanziertes Projekt zur Überwachung von Bestäubern, entwickelt länderübergreifende Datenpipelines, um Beobachtungen in kuratierte Datensätze und politisch relevante Indikatoren umzuwandeln. Dies steht im Zusammenhang mit Prioritäten wie Insekten, Lebensräumen, weit verbreiteten Arten und Schutzgebieten, wobei Wissenschaftsteam, Nichtregierungsorganisationen, Bürgerwissenschaftsgruppen und Verantwortliche der Politik mit einbezogen werden, sodass die Instrumente auch außerhalb des Forschungsumfelds zum Einsatz kommen können. In Hinsicht auf die DNS-basierte Überwachung arbeitet MetaPlantCode(öffnet in neuem Fenster), ein von Biodiversa-plus finanziertes Projekt, bei dem die Harmonisierung von Pflanzen-Metabarcoding-Pipelines im Mittelpunkt steht, an einer „ausreichend guten“, zweckmäßigen Anpassung. Projektkoordinatorin Birgit Gemeinholzer umreißt, was für die Übernahme erforderlich ist: „Eine ‚ausreichend gute‘ Harmonisierung für Metabarcodierung bei Pflanzen würde bedeuten, dass statt der Durchsetzung identischer Methoden Empfehlungen in Hinsicht auf bestmögliche Verfahren (Labormethoden, Referenzdatenbanken, Bioinformatikpipelines) vereinbart werden müssen, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch für verschiedene Nutzergruppen von Forschungslabors bis hin zu Überwachungsbehörden und anderen in der Praxis Tätigen anwendbar sind.“ Ziel ist es, sich auf Daten- und Metadatennormen zu einigen, damit die Ergebnisse über das internationale Informationsnetzwerk für globale biologische Vielfalt GBIF(öffnet in neuem Fenster), die Global Biodiversity Information Facility, ausgetauscht und zur praktischen Nutzung einheitlich interpretiert werden können. Über die Überwachungsverfahren hinaus zielt die Partnerschaft gleichermaßen darauf ab, dass Informationen zur biologischen Vielfalt leichter auffindbar und mit den Erfordernissen rund um die Entscheidungsfindung verknüpft werden, was auch für Bereiche wie Finanzen und Nachhaltigkeitsberichterstattung gilt.