Frauen ebnen den Weg für den Übergang im ländlichen Raum
Der Klimawandel, demografische Veränderungen und der Übergang zu einer grüneren Wirtschaft gehen mit neuen Herausforderungen und Gelegenheiten für ländliche Gemeinschaften einher. Trotz ihres wachsenden Beitrags zur Landwirtschaft und zur ländlichen Entwicklung sehen sich innovative Frauen mit Hindernissen konfrontiert, die ihre Beteiligung und Sichtbarkeit einschränken. Dies liegt oftmals in lange bestehenden Geschlechternormen und traditionellen Mustern der landwirtschaftlichen Betriebsnachfolge begründet, die den Zugang von Frauen zu Ressourcen, Führungspositionen und unternehmerischen Gelegenheiten behindern können.
Bestehende Stereotypen hinterfragen
Das EU-finanzierte Projekt FLIARA(öffnet in neuem Fenster) möchte Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen als Weg zu nachhaltigeren, resilienteren und inklusiveren ländlichen Regionen besser verstehen und fördern. FLIARA führte Forscherinnen und Forscher sowie Interessengruppen aus ganz Europa zusammen, um zu erfahren, wie Frauen zur Innovation in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum beitragen. Darüber hinaus wurden die erforderlichen Bedingungen für den Erfolg dieser Innovationsmaßnahmen ermittelt. Das Projekt lieferte durch umfangreiche Forschungs- und Beteiligungsaktivitäten neue Erkenntnisse(öffnet in neuem Fenster) über die Rolle von Frauen für die Zukunftsgestaltung der ländlichen Wirtschaft in Europa. „Frauen stehen oftmals vor einer doppelten Herausforderung: Neben den Schwierigkeiten, mit denen viele innovative Menschen im ländlichen Raum zu kämpfen haben, sind sie mit zusätzlichen Hindernissen(öffnet in neuem Fenster) im Zusammenhang mit fehlender geschlechtlicher Gleichstellung konfrontiert“, erklärt Projektkoordinatorin Maura Farrell. Dessen ungeachtet hat die Forschung ebenfalls gezeigt, dass Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen wichtige Beiträge in den ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Dimensionen der Nachhaltigkeit leisten.
Innovationsvielfalt
Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Projekts ist die europaweite Vielfalt von Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen. FLIARA befragte 200 Innovatorinnen(öffnet in neuem Fenster) in 10 Ländern und deckte dabei ein breites Spektrum an Aktivitäten auf, das von der Landwirtschaft über den Tourismus, Sozialunternehmen und die Kultur bis hin zur Nahrungsmittelerzeugung und zu digitalen Technologien reicht. FLIARA hob verschiedene Wege hervor, auf denen Frauen zur Entwicklung des ländlichen Raums beitragen. Viele Innovationen bauen auf dem multifunktionalen Charakter der Landwirtschaft auf und eröffnen neue Gelegenheiten durch Agrartourismus, lokale Ernährungssysteme, soziale Landwirtschaftsinitiativen und kürzere Lieferketten. Andere Innovationen tragen durch Aktivitäten in der Kultur- und Kreativwirtschaft, im Sozialwesen und in technologieorientierten Unternehmen zur Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft bei. Farrell erklärte dazu: „Der Zugang zu Finanzmitteln und förderliche lokale Bedingungen sind entscheidend, damit Frauen Fachkompetenzen entwickeln und mit neuem Wissen sowie den sich wandelnden Unternehmensanforderungen Schritt halten können.“ Darüber hinaus kann der Zugang zu Kinderbetreuung und zu anderen Diensten für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ebenfalls darüber entscheiden, ob aus innovativen Ideen tragfähige Unternehmen und Gemeinschaftsinitiativen werden.
Innovationsgemeinschaften aufbauen
FLIARA hat eine europäische praxisorientierte Gemeinschaft gegründet, die Innovatorinnen, politische Verantwortliche, Forschende und Interessengruppen der ländlichen Entwicklung miteinander vernetzt. Die Initiative wurde ins Leben gerufen, um die Zusammenarbeit zu stärken, den Wissensaustausch zu fördern und die Anerkennung von Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen zu erhöhen. Im Mittelpunkt dieser Bemühungen stand der Aufbau eines Netzwerks von Innovationsbotschafterinnen(öffnet in neuem Fenster), die im Rahmen einer speziellen Sichtbarkeitskampagne ihre Erfahrungen und ihren Werdegang schilderten. Dies sollte als Inspirationsquelle für Mitmenschen dienen und gleichzeitig veraltete Vorstellungen über die treibenden Innovationskräfte im ländlichen Raum hinterfragen. „Die Idee hinter den Innovationsbotschafterinnen bestand darin, Vorbilder zu schaffen und direkt auf die mangelnde Sichtbarkeit von Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen im ländlichen Raum und in der Landwirtschaft zu reagieren“, betont Farrell. Insgesamt kombinierte FLIARA Forschung mit Sensibilisierungsaktivitäten, um das Ausmaß, die Vielfalt und die Wirkung von Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen aufzuzeigen. Das Vermächtnis des Projekts besteht darin, Frauen dahingehend zu befähigen, dass sie entscheidend zu einem nachhaltigeren, resilienteren und inklusiveren ländlichen Europa beitragen können.