Die EU-Landwirtschaft mit Verhaltens- und Wirtschaftsanalysen unterstützen
Entscheidungsverantwortliche stützen sich bei ihren agrarpolitischen Maßnahmen verstärkt auf Forschung und Innovation (F&I), um das landwirtschaftliche Einkommen, die Ernährungssicherheit, die Geburtenbilanz, den grünen Wandel und die Wiederbelebung des ländlichen Raums zu berücksichtigen. Ein wesentlicher Teil dieser Forschung beinhaltet die Sozial- und Geisteswissenschaften (SSH), die es uns ermöglichen, die Wechselwirkungen und Auswirkungen von im Wandel begriffenen sozioökonomischen Verhältnissen, Innovationen und politischen Maßnahmen auf Landwirtschaftsbetriebe und ländliche Gemeinschaften besser beurteilen zu können und Lösungen für die Herausforderungen des Agrar- und Ernährungssektors zu entwickeln. Diese F&I-Maßnahmen, die Sozial- und Geisteswissenschaften integrieren, sind unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Resilienz, Fairness und Attraktivität des Agrar- und Ernährungssektors zu fördern. Verhaltens- und sozioökonomische Analysen spielen eine entscheidende Rolle bei der Erfolgsmessung von politischen Maßnahmen oder bei der Bewertung der Innovationsübernahme und -verbreitung. Solche Erkenntnisse sind vor allem dann besonders wertvoll, wenn es darum geht, Verhaltensänderungen und die Umsetzung nachhaltigerer landwirtschaftlicher Verfahrensweisen zu unterstützen, die Gleichstellung der Geschlechter im ländlichen Raum zu fördern oder die Resilienz gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen. Darüber hinaus sind sozioökonomische Daten und Analysen von zentraler Bedeutung für die Verbesserung unserer Kenntnisse über die Leistungsfähigkeit verschiedenartiger landwirtschaftlicher Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsketten des Agrar- und Ernährungssektors sowie des internationalen Handels. Forscherinnen und Forscher in den Sozial- und Geisteswissenschaften entwickeln und pflegen außerdem geeignete Analyseinstrumente, wie zum Beispiel Wirtschaftsmodelle, die zur Gestaltung von politischen Maßnahmen und zur Überwachung ihrer Auswirkungen verwendet werden. Diese Modelle umfassen soziale, wirtschaftliche und ökologische Dimensionen von der lokalen bis zur globalen Ebene, um kritische Kompromisse und Kooperationen zu ermitteln, die für die Entscheidungsfindung wertvoll sind. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die verfügbaren Instrumente und Modelle anhand der neuesten Erkenntnisse und methodischen Entwicklungen kontinuierlich zu verbessern, damit sie für die aktuellen Prioritäten geeignet sind. Im Rahmen der Programme Horizont 2020 und Horizont Europa 2021-2027 wurden strategische Schritte unternommen, um die sozioökonomischen Analysen und Instrumente zur Unterstützung von Verhaltensänderungen sowie die politischen Maßnahmen und Märkte im Agrar- und Ernährungssektor zu verbessern. Im Fokus der zweiten Ausgabe dieses CORDIS Results Pack stehen wichtige neue Erkenntnisse und Empfehlungen zur Verbesserung der Agrarpolitik auf der Basis von Forschungsprojekten, die im Rahmen von Horizont 2020 und Horizont Europa 2021-2027 finanziert wurden und effektiv die Sozial- und Geisteswissenschaften (SSH) integrieren. Diese zusammengestellten Projekte verdeutlichen anhand von sozioökonomischen Analysen, Nachweisen und Empfehlungen das Potenzial dieses Forschungsbereichs für die Unterstützung der Agrarpolitik, während gleichzeitig ein Beitrag zu den Zielen der EU in Bezug auf Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz geleistet wird. Im Results Pack werden auch die Fortschritte im Bereich der sozioökonomischen Modellierung für die integrierte Modellierungsplattform für die agrarökonomische Rohstoff- und Politikanalyse – iMAP(öffnet in neuem Fenster) der Gemeinsamen Forschungsstelle vorgestellt. Die 15 vorgestellten Projekte werden zur Steuerung wichtiger fortlaufender politischer Entscheidungsfindungsverfahren eingesetzt und legen zudem den Grundstein für die Gemeinsame Agrarpolitik – GAP(öffnet in neuem Fenster). Die Projekte leisten außerdem einen Beitrag zu den Prioritäten der EU-Vision für Landwirtschaft und Ernährung(öffnet in neuem Fenster), zu den Vorhaben des europäischen grünen Deals zum Schutz des Klimas und der biologischen Vielfalt sowie zur biologischen Vielfalt und zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung. Das Team von BATModel hat eine modulare Plattform zur Verbesserung der Modellierung der Agrar- und Lebensmittelhandelspolitik entwickelt. Aus BESTMAP ist ein neuer Modellierungsrahmen für die EU-Politik zur Förderung der Nachhaltigkeit im ländlichen Raum hervorgegangen. Im Rahmen von MATS wurde ermittelt, wie der Agrarhandel nachhaltig wachsen kann, während bei TRADE4SD die Beziehung zwischen Handel und nachhaltiger Entwicklung untersucht wurde. Projekt MIND STEP untersuchte die Auswirkungen einer besseren Integration von Entscheidungsprozessen auf landwirtschaftlicher Betriebsebene in die politische Analyse. FOODCoST harmonisierte Ansätze zur präzisen Berücksichtigung von Externalitäten im Zusammenhang mit dem Klima, der biologischen Vielfalt, der Umwelt sowie sozialen und Gesundheitsfaktoren in Nahrungsmittelpreisen. BEATLES zeigte verschiedene Wege auf, um Verhaltensänderungen hin zu einer klimafreundlichen Landwirtschaft und intelligenten landwirtschaftlichen Technologien anzustoßen. ENFASYS identifizierte wirksame politische Maßnahmen und Geschäftsstrategien, die Landwirtschaftsbetriebe bei der Umstellung auf nachhaltige Landwirtschaftssysteme unterstützen können. VISIONARY verbesserte das Verständnis über die wesentlichen Einflussfaktoren für die Entscheidungen von Landwirtschaftsbetrieben, der Verbraucherschaft und Lebensmittelunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Agrar- und Ernährungssektors. LAMASUS entwickelte ein innovatives Governance-Modell zur Unterstützung des europäischen grünen Deals, das die potenziellen Auswirkungen verschiedener politischer Maßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft antizipieren kann. Tools4CAP unterstützte die Konzeption, Umsetzung und Überwachung der nationalen GAP-Strategiepläne für den Zeitraum 2023-2027, die darlegen, wie die einzelnen EU-Mitgliedstaaten die GAP-Mittel nutzen, indem der Einsatz innovativer Methoden und Instrumente gefördert wird, die auf die Bedarfe der Mitgliedstaaten zugeschnitten sind. Projekt GRASS Ceiling investierte in Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen, um Unternehmerinnen in der Landwirtschaft und im ländlichen Wirtschaftsraum zu unterstützen. Projekt SWIFT förderte die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und untersuchte den Beitrag der Agrarökologie zur Förderung der Geschlechtergleichstellung. Derweil etablierte FLIARA ein europaweites Ökosystem für ländliche Innovationen, um Innovationsmaßnahmen unter der Leitung von Frauen in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum zu fördern. Projekt SUPPORT befasste sich zu guter Letzt mit den Gründen für die begrenzte Anwendung von integrierten Pflanzenschutzmaßnahmen und mit entsprechenden Lösungsmöglichkeiten.