Innovation in der Aquakultur
Allein in der EU werden jährlich schätzungsweise eine Million Tonnen Fisch, Weichtiere, Algen und Krebstiere im Wert von ungefähr 4,6 Milliarden EUR(öffnet in neuem Fenster) gezüchtet. Die 14 000 Unternehmen des Sektors, viele von ihnen familiengeführte Kleinst- und Kleinunternehmen, beschäftigen zudem rund 57 000 Menschen direkt. Auch wenn diese Zahlen beeindruckend erscheinen mögen, repräsentiert die EU in Wirklichkeit weniger als 1 % des weltweiten Aquakulturvolumens. Und während die Aquakultur weltweit in den letzten zehn Jahren einen Produktionsanstieg von 54 % zu verzeichnen hatte, stagnierte seit 2017(öffnet in neuem Fenster) die Erzeugung in der EU. Worin ist dieses ausbleibende Wachstum begründet? Die Aquakultur in der EU hat sich im Lauf der Jahre spezialisiert und ist mittlerweile von nur einer Handvoll Arten abhängig, wozu Forellen, Muscheln und Seebarsche zählen, von denen viele ressourcenintensives Futter benötigen. Diese mangelnde Vielfalt bedeutet außerdem, dass Europa bei einem Großteil seiner Meereserzeugnisse auf Importe angewiesen ist, was den Umweltfußabdruck des Sektors weiter vergrößert. Ein weiterer wachstumshemmender Faktor ist, dass die verfügbaren Aquakulturflächen in der EU im Vergleich zu ähnlichen Regionen bei weitem nicht ausreichend genutzt werden. Ungeachtet einer Küstenlänge von fast 68 000 km und mehr als einer halben Million natürlicher Seen konzentrieren sich 67 % der Aquakulturerzeugung der EU auf nur vier Mitgliedstaaten: Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien. Die EU verfolgt das Ziel, bei der Aquakulturproduktion eine Wende herbeizuführen. Das Wachstum darf jedoch nicht auf Kosten ihrer ehrgeizigen Klimaziele erfolgen. Das bedeutet, dass die Aquakultur skalierbar, aber auch nachhaltig sein muss. Zu diesem Zweck hat die EU die Strategischen Leitlinien für eine nachhaltigere und wettbewerbsfähigere Aquakultur in der EU(öffnet in neuem Fenster) verabschiedet. Forschung und Innovation übernehmen in diesen Leitlinien eine wichtige Rolle. Über EU-Finanzierungsprogramme wie Horizont Europa, den Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) und das Programm für die Umwelt- und Klimapolitik (LIFE), die Forschungs-, Innovations- und Umsetzungsprojekte unterstützen, die neue Technologien, Weiterbildungsaktivitäten, Verordnungen und optimierte Wertschöpfungsketten hervorbringen, wird gemeinsam daran gearbeitet, die strategischen Ziele der EU in diesem Sektor zu erreichen. In diesem Synergy Info Pack werden 26 EU-finanzierte Projekte vorgestellt, die von der Generaldirektion Forschung und Innovation(öffnet in neuem Fenster) (GD Forschung und Innovation) und der Europäischen Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt(öffnet in neuem Fenster) betreut werden und die verdeutlichen, auf welche Weise dieser pluralistische Ansatz ein starkes, wechselseitiges Forschungs- und Innovationsökosystem fördert. Auf den folgenden Seiten werden Sie entdecken, wie biobasierte Alternativen zu Antibiotika Fischkrankheiten nachhaltig vorbeugen können und warum Pilze und Insekten als nachhaltige alternative Zutaten für Fischfutter auf Soja- und Fischmehlbasis dienen können. Außerdem erfahren Sie, was Forschungsgruppen unternehmen, um die Produktion im Bereich der ökologischen Aquakultur in Europa zu steigern. Doch nicht nur die Fisch- und Schalentiererzeugung profitiert von der EU-finanzierten Forschung. Es befinden sich gleichermaßen innovative Lösungen in der Entwicklung, um die Algenzucht auszuweiten, Fischabfälle weiter zu verwerten, die Aquakultur in Offshore-Windparks und kommunale Abwasserbehandlungsanlagen zu integrieren sowie die nächste Generation von Aquakulturfachkräften auszubilden. In ihrer Gesamtheit veranschaulichen sie, wie die EU-Finanzierung von Forschung und Innovation dafür sorgt, einem wettbewerbsfähigen, klimaneutralen und resilienten Aquakultursektor in der EU den Weg zu bereiten.