Kühlere Städte, sauberere Luft: Virtuelle Modelle in städtische Lösungen überführen
Der Klimawandel stellt eine wachsende Bedrohung für städtische Umgebungen dar, in denen Hitze und schlechte Luftqualität die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung immer stärker gefährden. Um diesen komplexen Herausforderungen zu begegnen, entwickelt das EU-finanzierte Projekt UrbanAIR(öffnet in neuem Fenster) einen Rahmen für digitale Zwillinge, der städtische Gemeinschaften und den Industriesektor bei der Erprobung verschiedener Maßnahmen unterstützen soll, bevor diese umgesetzt werden. Das Ziel besteht darin, die Lücke zwischen globalen Klimadaten und der lokalen städtischen Entscheidungsfindung zu schließen. Auf diese Weise kann die städtische Governance besser zum Wohlbefinden der vom Klimawandel betroffenen Bevölkerung beitragen.
Ein einzigartiger dreigliedriger Ansatz
Jeder digitale Zwilling von UrbanAIR ist auf drei Bereiche fokussiert. Als Erstes skaliert das Projekt globale Atmosphärenmodelle auf Straßenebene herunter und stellt somit hochgradig lokalisierte Vorhersagen bereit. Als Zweites wird das Verhalten der Bevölkerung analysiert, um zu verstehen, wie die Menschen auf Hitzestress und Umweltbelastung reagieren. Als Drittes werden sowohl menschliche als auch natürliche Kriterien bewertet, um eine ganzheitliche Stadtplanung zu fördern. „Das macht das Projekt nicht nur anspruchsvoll, sondern auch einzigartig“, erklärt Femke Vossepoel, Professorin an der technischen Universität Delft in den Niederlanden, die das UrbanAIR-Projekt koordiniert, in einer auf „SustainabilityOnline“ veröffentlichten Pressemitteilung(öffnet in neuem Fenster). Durch die Simulation von Interventionsszenarien vor deren Umsetzung können städtische Entscheidungsverantwortliche die Wirksamkeit von Maßnahmen wie Stadtbegrünung, Flächennutzungsänderungen und Infrastrukturinvestitionen testen, ohne Ressourcen in der realen Welt zu riskieren. Das Projekt unterscheidet zwischen handlungsorientierten Städten („Action Cities“) und erkenntnisorientierten Städten („Learning Cities“), um die praktische Anwendbarkeit sicherzustellen. Antwerpen und Barcelona dienen als handlungsorientierte Städte, in denen Technologien in realen städtischen Umgebungen erprobt und weiterentwickelt werden. Bristol, Paris und Rotterdam fungieren hingegen als erkenntnisorientierte Städte, die den Transfer von Erkenntnissen über verschiedene städtische Kontexte hinweg ermöglichen. Diese Struktur stellt sicher, dass Lösungen nicht nur rein theoretischer Natur sind, sondern unter realen Rahmenbedingungen und Anforderungen auf ihre Belastbarkeit hin geprüft werden.
Bisherige Erkenntnisse
Auf dem 13. Europäischen Forum für städtische Resilienz im Juni 2026 organisierte UrbanAIR gemeinsam mit dem europäischen Konvent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister für Klima und Energie(öffnet in neuem Fenster) einen Workshop(öffnet in neuem Fenster). Der Workshop förderte eine wichtige Erkenntnis zutage: Digitale Tools laufen Gefahr, zu „Tool-Friedhöfen“ zu werden, wenn sie nicht auf die tatsächlichen Bedarfe der Städte zugeschnitten sind. Der Konsens ist eindeutig. Städte sollten von dem Problem ausgehen, das es zu lösen gilt – darunter zum Beispiel die Identifizierung von Hitze-Hotspots oder den Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen –, anstatt von der Technologie selbst. Eine erfolgreiche Einführung erfordert interne Verantwortlichkeit, abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und eine klare Daten-Governance. Der Aufbau einer nachhaltigen Nutzungsgemeinschaft durch regelmäßige Sitzungen des Nutzerschaftsausschusses ist der nächste Punkt auf dem Fahrplan von UrbanAIR. Diese Foren sollen städtische Vertretungen, Partnerorganisationen und technische Fachleute zusammenführen, um zusammenzuarbeiten, Ideen zu erproben und gemeinsam nützliche, vertrauenswürdige, verständliche und umsetzbare Tools zu entwickeln. In einer aktuellen Mitteilung des Projekts(öffnet in neuem Fenster) heißt es: „Wir laden Städte, lokale Behörden, Forschende, Technologieanbieter und praktische Fachleute im Bereich der Resilienz zur Teilnahme an künftigen UrbanAIR-Sitzungen ein. Dieser Austausch ist nicht nur für die Verbesserung digitaler Tools wertvoll, sondern hilft den Städten auch dabei, sich besser auf Hitze, Luftverschmutzung und andere Klimarisiken vorzubereiten.“ Angesichts steigender Klimarisiken hängt die Zukunft der Stadtplanung von mehr als nur belastbaren Daten ab. Sie erfordert Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen. UrbanAIR (URBAN simulation for Air quality and heat Resilience strategies) etabliert den Rahmen für diese Zukunft und stellt sicher, dass digitale Zwillinge zu unverzichtbaren Tools für die Schaffung gesünderer und kühlerer Städte mit besserer Atemluft in ganz Europa werden. Weitere Informationen: Website des UrbanAIR-Projekts(öffnet in neuem Fenster)