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Inhalt archiviert am 2023-03-06

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Studie beweist die Macht negativer unterschwelliger Botschaften

Neue Untersuchungen zeigen, dass subliminale - unterschwellige, kurz eingeblendete - Botschaften am stärksten beim Betrachter wirken, wenn sie negative Reaktionen hervorrufen. Die kürzlich im Fachmagazin Emotion veröffentlichten Ergebnisse könnten Auswirkungen auf den Einsatz ...

Neue Untersuchungen zeigen, dass subliminale - unterschwellige, kurz eingeblendete - Botschaften am stärksten beim Betrachter wirken, wenn sie negative Reaktionen hervorrufen. Die kürzlich im Fachmagazin Emotion veröffentlichten Ergebnisse könnten Auswirkungen auf den Einsatz subliminaler Botschaften in Bereichen wie der Werbung, bei öffentlichen Bekanntmachungen und Sicherheitskampagnen haben. Subliminale Botschaften, die oft auch Gegenstand von Kontroversen sind, werden eingesetzt, um das Unterbewusstsein zu beeinflussen. Resultat dessen können spätere Auswirkungen auf Gedanken, Verhaltensweisen oder Aktionen sein. Bisher hatten Studien zu unterschwelligen Botschaften nur Rückschlüsse darauf ermöglicht, ob der Inhalt einer Botschaft einen Betrachter überhaupt beeinflusst oder nicht. In dieser Studie studierten die Forscher die positive oder negative Bedeutung einer subliminalen Botschaft und untersuchten, wie diese deren Wirksamkeit beeinflusst. Insbesondere wollten die Forscher herausfinden, ob negative Wörter eine stärkere Reaktion als positive Wörter provozieren. Den Studienteilnehmern wurde auf einem Bildschirm eine Serie von Wörtern gezeigt. Jedes Wort erschien nur für Bruchteile einer Sekunde mit einer bewusst gewählten Geschwindigkeit - und zwar viel zu schnell für die Teilnehmer, um das Wort bewusst lesen zu können. Die Wörter wurden von den Forschern entsprechend der mit ihnen verbundenen positiven (fröhlich, Blume, Frieden), negativen (Schmerz, Verzweiflung, Mord) oder neutralen (Kiste, Ohr, Wasserkessel) Assoziationen ausgewählt. Die Probanden wurden nach jedem Wort darum gebeten, zu entscheiden, ob das Wort neutral oder "emotional" (d. h. positiv oder negativ) war und wie sicher sie sich in dieser Beurteilung zu sein glaubten. Die Forscher fanden heraus, dass die Testpersonen dann die genauesten Antworten gaben, wenn sie auf negative Worte reagierten. "Es gab bislang zahlreiche Diskussionen darüber, ob Menschen emotionale Informationen unbewusst verarbeiten können, wenn es beispielsweise um Bilder, Gesichter oder Wörter geht", kommentiert Professorin Nilli Lavie vom University College London im Vereinigten Königreich, die die Studie leitete. "Wir haben gezeigt, dass Menschen den emotionalen Wert einer unterschwelligen Botschaft erkennen können und zudem schlüssig bewiesen, dass die Menschen bei diesem Vorgang sehr viel offener für negative Inhalte sind." "Ganz sicher gibt es evolutionäre Vorteile einer solchen raschen Reaktion auf emotionale Informationen", wie sie hinzufügt. "Oft bleibt uns keine Zeit, um darauf zu warten, dass unser Bewusstsein sich einschaltet - etwa, wenn uns jemand mit einem Messer entgegengelaufen kommt, oder wenn wir bei widrigen Witterungsbedingungen beim Autofahren plötzlich ein Warnschild sehen." Frühere Forschungsarbeiten zu subliminalen Botschaften hatten eine Reihe von Fragen aufgeworfen; so beispielsweise, ob eine emotionale Reaktion zu einer verbesserten Wahrnehmung oder mehr Situationsbewusstsein führt oder nicht. Das Verständnis dafür könnte dazu beitragen, Reaktionen der allgemeinen Öffentlichkeit genau zu erforschen, die dann für Zwecke wie etwa die Sensibilisierung für öffentliche Aufklärungskampagnen herangezogen werden könnten. "'Kill your speed' (Aufschrift auf Warnschildern, die an gefährlichen Stellen auf sofort einzuhaltende Geschwindigkeitsvorgaben hinweisen) soll schließlich auch schneller wahrgenommen werden als (Warnschilder an weniger gefahrenträchtigen Orten mit der Aufschrift) 'Slow Down'." "In der Werbung hingegen kann das subliminale Hervorheben negativer Eigenschaften eines Konkurrenzproduktes deutlich wirkungsvoller sein, als die eigenen positiven Argumente zu unterstreichen."

Länder

Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten

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