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Forschungsergebnisse der EU

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A new circular economy concept: from textile waste towards chemical and textile industries feedstock

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Gebrauchte Textilien dienen jetzt als Rohstoff für die chemische und Textilindustrie

In ganz Europa werden nicht genug Textilabfälle recycelt. Um dieses Problem anzugehen, wurde im Rahmen des Projekts RESYNTEX durch die Rückgewinnung von Sekundärrohstoffen aus nicht mehr tragbarem Textilabfall ein neues Kreislaufwirtschaftsmodell für die chemische Industrie und die Textilindustrie geschaffen.

KLIMAWANDEL UND UMWELT

GESELLSCHAFT

ENERGIE

© Aleksandro LOBNIK, IOS Ltd

Die Textilindustrie der EU erzeugt pro Jahr schätzungsweise 16 Millionen Tonnen Abfall. Rund zwei Drittel dieses Abfalls werden in Deponien abgeladen oder verbrannt, was mit großen Umweltauswirkungen und hohen Kosten verbunden ist. Wertvolle Ressourcen, die in dem Abfall enthalten sind, gehen ebenfalls verloren. RESYNTEX verändert dies durch sein innovatives Pilotprojekt – eine Recyclinganlage für Textilien – die pro Jahr 100 Tonnen Abfall recycelt. Diese Pilotanlage in Slowenien verwandelt Abfall in Sekundärrohstoffe für die chemische und Textilindustrie, um das Kreislaufprinzip zu befolgen und die Umweltauswirkungen zu mindern. Im Rahmen des Projekts wurden auch Ressourcen und chemische Erzeugnisse aus Textilabfall gewonnen und recycelt. Es wurden innovative Technologien angewandt, welche die gesamte Textil-Wertschöpfungskette abdecken. Der sortierte Textilabfall wird hierbei chemisch behandelt, um Ressourcen wie Fasern auf Proteinbasis, die für die Herstellung von Klebstoffen für Holzplatten verwendet werden, und Zellulosefasern für die Herstellung von Bioethanol zu gewinnen. Die Rückgewinnung von Polyamid (PA) und Polyester (PET) wurde zudem durchgeführt, um neue chemische Erzeugnisse und Kunststoffe zu produzieren.

Ein ganzheitlicher Ansatz für das Recycling und die Weiterverwendung von Textilien

Die industrielle Symbiose ist ein Prozess, durch den Abfall oder Nebenprodukte eines Industrieprozesses zum Rohstoff für andere Industrieprozesse werden. Materialien können somit nachhaltiger verwendet werden und tragen zum Wirtschaftsmodell bei. „Zusammen mit der chemischen Industrie kann die Textilindustrie von der Nutzung sekundärer Textilienströme profitieren, die in der industriellen Symbiose resultieren. Fasern von minderwertigen Textilien, die zu neuen chemischen Erzeugnisses recycelt werden, erhalten ein neues Leben, anstatt weggeworfen oder verbrannt zu werden“, bemerkt die technische Leiterin des Projekts Dr. Aleksandra Lobnik. Obwohl Unternehmen viel in das Textilienrecycling und Weiterverwendungstechnologien investieren, beinhalten die aktuellen Lösungen eine Reihe von Herausforderungen. „Das Recycling von Fasern und deren Umwandlung in hochwertige Ausgangsstoffe setzt eine präzise Sortierung voraus, da 50 Prozent der Textilien aus Mischfasern bestehen. Technologien für die Handhabung von Mischfasern sind nicht ohne Weiteres verfügbar“, erklärt Dr. Lobnik. „Außerdem gibt es ungeachtet der umfangreichen Investitionen in Innovationen für die Umwandlung von Kunststoffen in Textilien, von Textilien in Textilien oder von Textilien in chemische Erzeugnisse keine einfache Lösung innerhalb des mechanischen Recyclings.“ RESYNTEX wandte einen ganzheitlichen Ansatz an, um die fragmentierte Beschaffenheit der Textilabfallbehandlung durch neuartige chemische Wege anzugehen. Es wurde eine automatisierte Fasersortiertechnik demonstriert, die eine Ausbeute von circa 85 % in Bezug auf saubere Textilstoffe mit sehr hoher Reinheit (99 %) erzielt. Mit der Technik werden Fasern nach der Zusammensetzung sortiert. Ergänzt wird dies durch den Einsatz von Nah-Infrarot-Spektroskopie. Die Projektpartner kombinierten den automatisierten Sortierprozess mit den aussichtsreichsten chemischen und enzymatischen Prozessen für die Gewinnung von Naturfasern auf Protein- und Zellulosebasis sowie PA- und PET-Fasern. Die Behandlung flüssiger und fester Abfälle und die Wasserrückgewinnungstechnologien wurden ebenfalls in den Prozess integriert.

Umsetzung von EU-Richtlinien

Die Abfallwirtschaft in der EU ist in einem erheblichen Wandel begriffen. Im Jahr 2015 beschloss die Europäische Kommission einen Aktionsplan, um den Übergang Europas hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. In dem Aktionsplan sind Maßnahmen skizziert, um den Kreislauf von Produktlebenszyklen zu schließen: von der Produktion und dem Verbrauch über die Abfallwirtschaft und den Markt für Sekundärrohstoffe. In mehreren Dokumenten werden Änderungen von Richtlinien in Verbindung mit der Abfallwirtschaft vorgeschlagen. Es wird nicht direkt auf Textilabfall eingegangen, doch die Richtlinie über Abfalldeponien soll geändert werden, damit der Anteil der Siedlungsabfälle, der auf Abfalldeponien landet, bis 2030 auf 10 % reduziert wird. Dies beflügelt Aktivitäten zur Abfallverteilung (einschließlich von Textilabfall) von der Deponie auf Verbrennungs- oder Recyclinganlagen. RESYNTEX verändert die ökologische Landschaft der Textilindustrie in Europa. Die nachhaltigen Recyclingverfahren und chemischen Prozesse des Projekts entfalten den Wert von verbrauchten Textilien und schaffen einen Wendepunkt für eine Textilindustrie mit geschlossenem Kreislauf. Um eine effektive Nutzung der Projektergebnisse zu erreichen, verhandelt die spanische Firma TECNALIA, die für die Koordination des Projekts zuständig ist, mit europäischen Firmen, die im Bereich der Roboterherstellung und -integration tätig sind. Sie arbeitet daran, den Technologietransfer voranzutreiben und Nutzungsvereinbarungen mit interessierten Unternehmen einschließlich Lizenzvereinbarungen über zuvor geschützte oder patentierte Ergebnisse zu treffen.

Schlüsselbegriffe

RESYNTEX, Fasern, Textilabfall, Recycling, Rohstoff, chemische Industrie, Sortierung, Kreislaufwirtschaft, Polyamid (PA), Polyester (PET)

Projektinformationen

ID Finanzhilfevereinbarung: 641942

Status

Abgeschlossenes Projekt

  • Startdatum

    1 Juni 2015

  • Enddatum

    31 Mai 2019

Finanziert unter:

H2020-EU.3.5.4.

  • Gesamtbudget:

    € 11 478 761,97

  • EU-Beitrag

    € 8 787 749,25

Koordiniert durch:

SOEX TEXTIL-VERMARKTUNGSGESELLSCHAFT MBH

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