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PODIUM™ - A home device and cloud-based software and algorithm for diabetic foot ulcer monitoring

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Heimgerät zur medizinischen Überwachung reduziert Risiko für diabetischen Fuß

In Europa sind 60 Mio. Erwachsene von Diabetes betroffen. Dessen Begleiterkrankungen wie diabetisches Fußsyndrom (DFS) können unbehandelt zur Amputation führen, sodass neue Methoden der Frühdiagnose gefragt sind.

Gesellschaft
Gesundheit

Bei der häufigen diabetischen Neuropathie geht das Gefühl in den Füßen verloren, was zusammen mit schlechter Durchblutung und geschwächter Immunabwehr die Entwicklung eines DFS begünstigt. Neuere Forschungen gehen bei DFS von einem lebenslangen Krankheitsrisiko von 12-25 % aus, dem jedoch durch zügiges Screening entzündlicher Prozesse im Fuß begegnet werden kann.

Messgerät für Temperatur im Fuß als Entzündungsindikator

Hierfür entwickelte das EU-finanzierte Projekt PODIUM nun ein System, das erhöhte Temperaturen in Folge von Entzündungsreaktionen im menschlichen Körper misst. Solche Entzündungsprozesse beginnen oft schon, bevor es zu irreversiblen Gewebeschäden kommt. „Unser Ziel war es, Entzündungen bereits vor der Bildung eines Geschwürs im Fuß zu erkennen“, erklärt Projektkoordinator Dr. Peter Plassmann. In früheren klinischen Studien des Unternehmens Thermetrix Ltd wurden mittels Wärmebild- bzw. Infrarotkamera Temperaturverläufe sichtbar gemacht, sodass sich die ursächlichen Probleme diagnostizieren lassen. Zusammen mit der Arbeit anderer Gruppen war dies die Grundlage für die Entwicklung des PODIUM-Systems. Dabei verfärbt sich eine thermochrome Flüssigkristallfolie temperaturabhängig, ähnlich wie bei Stirnthermometern mit Messstreifen. Wenn der Patient den Fuß auf das Gerät stellt, zeigt das Blatt einer Temperaturkarte der Füße in verschiedenen Farbskalen an. Eine Kamera im Gerät nimmt die Farbskalen auf und die integrierte Software analysiert sie auf kritische Anzeichen, etwa Asymmetrien zwischen linkem und rechtem Fuß, erhöhte Temperaturen oder plötzliche Veränderungen im Vergleich zu früheren Aufnahmen. Im Projekt testeten die Partner die technische Leistung des PODIUM-Systems auf Genauigkeit und Präzision, wobei sich zeigte, dass es Infrarotkameras mittlerer Preisklasse überlegen war. Dort lag die Genauigkeit bei +/- 2 °C. Mit dem Förderzuschuss durch den EIC Accelerator, den die Partner derzeit beantragen, soll diese Leistung noch weiter verbessert werden.

Zukunftsaussichten

Laut Plassmann „kamen wir mit dem Projekt schneller voran als erwartet und konnten zügig die Entwicklung eines bereits marktfähigen Systems abschließen.“ Das erste PODIUM-Gerät ist als Medizinprodukt Klasse I registriert und liefert durch Temperaturbildgebung eine zehnfach höhere Empfindlichkeit und Zuverlässigkeit als gleichwertige Lösungen. Der große Vorteil für Diabetiker ist, dass sie die Messung täglich bequem zu Hause durchführen können. Über die systeminterne Funktion Telemedizin wird der betreuende Arzt informiert und kann evidenzbasierte Entscheidungen treffen. Für medizinische Fachkräfte wie Podologen ist das PODIUM-Gerät ein wichtiges Instrument, mit dem sie Patienten medizinisch überwachen und deren Gesundheit und Lebensqualität verbessern können. Da mehr als neun Millionen Europäer ein lebenslanges Risiko für DFS tragen und die Überlebenszeit nach der Amputation meist unter fünf Jahren liegt, könnten die sozioökonomischen Auswirkungen des PODIUM-Gerätes enorm sein. Thermetrix Ltd will das System zunächst in Privatkliniken für Fußorthopädie einführen, und, sobald weitere Mittel zur Verfügung stehen, die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Einrichtungen vorantreiben. „Wird das Gerät bei nur 5 % aller Diabetiker mit DFS-Risiko eingesetzt, könnte die Zahl der Amputationen von unteren Extremitäten reduziert werden und damit auch die Behandlungskosten“, so Plassmann abschließend.

Schlüsselbegriffe

PODIUM, Gerät, diabetisches Fußsyndrom (DFS), Temperatur, Diabetes, Entzündung, Amputation, Podologie, Telemedizin

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