Maßgeschneiderte Antidepressiva
Depression ist eine moderne Zivilisationskrankheit, von der jeder fünfte irgendwann in seinem Leben betroffen sein wird. Obwohl heutige Antidepressiva hochwirksam sind, ist meist nicht klar, auf welches der verfügbaren Medikamente der Einzelne besonders gut anspricht. Mit diesem Ziel entwickelte das EU-finanzierte Projekt GENDEP (Genome-based therapeutic drugs for depression) einen genetischen Test, mit dem sich die Kriterien für die Wahl des geeigneten Antidepressivums näher eingrenzen lassen. Hierfür sind auch genauere Kenntnisse der biologischen Mechanismen erforderlich, die zum Erfolg einer Behandlung führen, um auf dieser Basis neue und effektivere Wirkstoffe gegen depressive Erkrankungen zu entwickeln. Eine groß angelegte pharmakogenomische Studie widmete sich der Vorhersage der therapeutischen Wirkung von Antidepressiva und deren Nebenwirkungen. In Kombination mit Grundlagenforschungen an Tiermodellen und In-vitro-Experimenten wurden Indikatoren herausgearbeitet, die künftig in medizinischen Bioassays zum Einsatz kommen sollen, um eine medizinisch begründete Entscheidung zum geeigneten Medikament zu treffen. Weiterhin erfolgte eine funktionelle Charakterisierung der molekularen Mechanismen, die bei einer Antidepressionstherapie wirksam werden. Die Ergebnisse können in die Entwicklung diagnostischer Schnelltests und die Identifizierung neuer Wirkstoff-Targets einfließen. Die Entwicklung einer effektiven, gezielten Therapie gegen Depressionen könnte sowohl aus ökonomischer als auch medizinischer Sicht ganz Europa zugute kommen und den Weg für ähnliche Forschungsprojekte zu weiteren Volkskrankheiten ebnen. Auf diese Weise trug GENDEP dazu bei, die individuelle medizinische Versorgung besser auf die individuelle genetische Veranlagung eines Patienten zuzuschneiden.