Skip to main content

DISCURSIVITY. A PHILOSOPHICAL INQUIRY INTO LEGAL THEORY

Article Category

Article available in the folowing languages:

Der steinige Weg zum juristischen Diskurs

Das Konzept eines einheitlichen juristischen Diskurses oder einer juristischen Diskursivität bereitete europäischen Denkern immer Kopfzerbrechen. Ein neuer Projektansatz wirft nun Licht auf die Frage, wie sich der juristische Diskurs entwickeln sollte.

Klimawandel und Umwelt

Der juristische Diskurs ist ein wichtiges Element auf dem Weg zu standardisierten EU-Gesetzen. Allerdings stellen Fragmentierung, sprachliche Herausforderungen und sogar philosophische Fragen hier immer noch Hindernisse da. Mit dem EU-geförderten Projekt LEGAL Discursivity ("Discursivity. A philosophical inquiry into legal history") wurde eine klarere Definition von juristischer Diskursivität erarbeitet, was einer präziseren normativen Theorie und praktischen Denkweise den Weg ebnen soll. Das Projekt untersuchte, ob der Grund dafür, dass juristische Semantik nicht verstanden wird, in der fehlerhaften zugrunde liegenden Philosophie der Sprache liegt. Man ging der Frage nach, wie Experten versucht haben, Gerechtigkeit jenseits von Sprache mit Natur, Leben, Rechtfertigung und anderen Konzepten zu verknüpfen. LEGAL Discursivity hinterfragt bestehende Literatur zu dem Thema, die meist in einer rhetorischen, kommunikativen, formalen und eher unsystematischen Art formuliert ist. Die Projektmitglieder vertraten eine modernere Auffassung der Fragestellung und konzentrierten sich auf das Wesen des praktischen Denkens. Darüber hinaus benutzte das Team interdisziplinäre Methoden wie etwa eine eingehende Analyse der Spezifität natürlicher Logik, d.h. Sprache, im Gegensatz zur formalen Logik. Der Ansatz berücksichtigte auch die vorhandene Literatur der Rechtstheorie über Diskursivität und umfasste einen Vergleich von der Rechtsphilosophie von Ricoeur und Habermas. Es wurde gezeigt, wie Literatur der juristischen Theorie zur Diskursivität die Bedeutung der interpretativen, also der hermeneutischen Dimension der juristischen Sprache missverstanden hat. Nach Analyse aller verschiedenen Blickwinkel und Fragestellungen, konnte im Rahmen von LEGAL Discursivity geschlussfolgert werden, dass Sprache im Mittelpunkt des praktischen Denkens steht. Dafür wurde die Rolle der Übersetzung als Kern einer diskursiven Konzeption von Gerechtigkeit hervorgehoben. Mit anderen Worten konnte das Projekt durch das Studium von formaler Logik, natürlicher Sprache und diskursiver Semantik aufzeigen, warum Rechtfertigung nie vollständig formalisiert oder auf Argumentation reduziert werden konnte. Es offenbarte, wie Versuche, die Philosophie der Gerechtigkeit jenseits von Sprache durch die Berücksichtigung von "Leben" zu radikalisieren, kein umfassenderes Verständnis des Problems liefern konnten. Schließlich forderte LEGAL Discursivity eine Philosophie der Übersetzung, um eine zeitgenössische Gerechtigkeitstheorie (praktisches Denken) zu erarbeiten, die einen flexiblen interkulturellen Dialog zu diesem Thema fördert. Gerade im digitalen Zeitalter wurde dies als besonders nützlich angesehen: sie öffnet die Tür für einen Austausch zum juristischen Diskurs und bringt die Zivilisation einen Schritt näher an das Verständnis ihrer wahren Natur und Bestimmung.

Entdecken Sie Artikel in demselben Anwendungsbereich