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Interview

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Grenzüberschreitende Zusammenarbeit macht lettische Universität zum regionalen Experten für intelligente Verkehrssysteme

Mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit und gemeinsamer Nutzung von Wissen verhilft das EU-finanzierte Projekt ALLIANCE („Enhancing excellence and innovation capacity in sustainable transport interchanges“) einer lettischen Universität zu einer regionale Führungsrolle bei intelligenten Verkehrssystemen.

Verkehr und Mobilität

Lettland erarbeitet sich nach und nach eine Führungsposition im Bereich innovativer Verkehrssysteme. Im Zentrum dieser Strategie steht das nationale Institut für Transport und Telekommunikation (TTI), ein Knotenpunkt für wissenschaftliches und technologisches Fachwissen. Um das Institut in Sachen intelligentem und nachhaltigem Verkehr stärker zu profilieren, verknüpft das EU-finanzierte Projekt ALLIANCE das TTI und seine Mitarbeiter mit zwei international anerkannten europäischen Forschungseinrichtungen: Der griechischen Universität Thessalien (UTH) und dem Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF). Wir wollten mehr über die laufenden Arbeiten in ALLIANCE erfahren und haben uns mit zwei Forschern getroffen, die eine entscheidende Rolle im Projekt einnehmen: Irina Yatskiv, Professorin am TTI und Projektkoordinatorin von ALLIANCE, und Klaus Richter vom IFF. Was soll mit dem Projekt erreicht werden? Yatskiv: Das Projekt ALLIANCE will mit seiner Arbeit die Innovationsfähigkeit des TTI steigern. Am Ende wollen wir erreichen, dass das TTI ein führendes Forschungs- und Innovationszentrum im Bereich verbundener Verkehrssysteme, sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene, wird. Dazu arbeiten wir eng mit unseren Partnern an der UTH und dem IFF zusammen, organisieren Schulungen, den Austausch von Mitarbeitern, Kooperationen in der Forschung und für Veröffentlichungen sowie generell den Austausch von Wissen. Waren Sie erfolgreich? Yatskiv: Damit die lettischen Behörden und Unternehmen an die Gestaltung und die Entwicklung nachhaltiger Verkehrssysteme glauben können, müssen sie zunächst ihren heimischen Experten vertrauen, u. a. dem TTI. Darum sind Vertreter der Abteilung für Finanz- und Entwicklungsplanung des Verkehrsministeriums und auch der internationale Busbahnhof in Riga Teil einer Arbeitsgruppe innerhalb von ALLIANCE, die „Scientific Excellence and Innovation Assurance Panel“ (SAP) heißt. Außerdem nehmen sie aktiv an Seminaren zur Ausbildung der Ausbilder teil, die das Projekt anbietet, sowie an öffentlichen Diskussionen. Zusätzlich sind Vertreter der Stadt Riga und des Flughafens Riga aktiv an gemeinsamen Forschungsteams in ALLIANCE beteiligt und es fanden spezielle Gesprächsrunden mit Vertretern verschiedener lettischer Logistikzentren statt. Das Projekt ALLIANCE konnte die Wissenschaftler des TTI erfolgreich als Experten im Bereich intelligente Verkehrssysteme etablieren, indem Regierungsbehörden und Verkehrsunternehmen in das Projekt einbezogen wurden und die Möglichkeit bekamen, mit den Forschern des TTI zusammenzuarbeiten. Da sie echten Verkehrsbetreibern bei tatsächlich aufgetretenen Problemen helfen konnten, haben die Forscher sich genug Glaubwürdigkeit erarbeitet, um ihre Leistungen in Lettland und den Nachbarländern anzubieten. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Ergebnisse aus dieser Zusammenarbeit? Yatskiv: Einer der größten Erfolge des Projekts bisher war das neu geschaffene „Sustainable Transport Interchanges Program“ (STIP). Auf der Grundlage einer Lückenanalyse betrachtet STIP die geplante Entwicklung des lettischen Verkehrsnetzes und definiert die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten. Aus diesem Prozess wurden zwölf neue Schulungskurse zu den Themen Passagier- und Frachtverkehr entwickelt, die den gefundenen Wissenslücken und fehlenden Fähigkeiten entgegenwirken können. Erst dann können diese geplanten Projekte umgesetzt werden. Richter: Außerdem wäre das digitale Format des STIP als signifikanter Beitrag zum Gesamtergebnis des Projekts zu verstehen. Im ersten Schritt wurden unter Aufsicht und Koordination der UTH neue Schulungsmaterialien für nachhaltige Verkehrsknotenpunkte entwickelt. Im zweiten Schritt wurde STIP in E-Learning-Inhalte umgewandelt, die jetzt allen Interessierten in praktischen Selbstlerneinheiten zur Verfügung stehen. Unsere Zukunftsvision sieht so aus, dass die E-Learning-Plattform eine nachhaltige barrierefreie Verbreitung von aktuellem fachübergreifendem Wissen über nachhaltige Verkehrsknotenpunkte ermöglicht. Sie könnte auch als Arbeitsgrundlage für die Zusammenarbeit zwischen Bildung, Forschung und Unternehmen fungieren. Können Sie ein Beispiel nennen, was die Projektpartner zum STIP beigesteuert haben? Richter: Das IFF hat sich auf den Informationsaustausch über hochmoderne Technologie im Bereich der intelligenten Verkehrssysteme konzentriert. Das nächste Level der IKT liegt unserer Meinung nach in der Integration mit dem Internet der Dinge (IoT), was immense Auswirkungen auf Dienstleistungen in den Bereichen Logistik und Verkehr haben wird. Im Projekt haben wir gesehen, wie die Logistikprozesse am Flughafen Riga von einem intelligenten Logistikbereich auf Basis von IoT profitieren könnten, also einem Gestaltungsrahmen für die optimale Interaktion zwischen Logistik, Prozessen und Systemen. Aus dieser Analyse heraus haben wir ein Modell für den Einsatz von IoT-Geräten entworfen, mit denen die Verwaltung von Ausrüstung an Flughäfen effizienter wird. Dieser Plan wurde dann über das STIP von ALLIANCE veröffentlicht. Gab es unerwartete Herausforderungen im Laufe des Projekts? Richter: Wenn man in grenzüberschreitenden Projekten arbeitet, wird es immer einige kulturelle Herausforderungen geben. Da alle Partner von ALLIANCE aus verschiedenen Ländern kommen, hat auch jeder ein anderes Verständnis von Verkehr und Logistik und geht beides auch anders an. In Deutschland verstehen wir die Verkehrslogistik zum Beispiel als Teil der gesamten Lieferkette. Darum wählen wir häufig einen Systemansatz. Trotz aller Unterschiede denke ich, dass die Diskussionen der Projektpartner untereinander erfolgreich waren und gut in unsere unterschiedlichen Wissensstände integriert werden konnten. Der Kooperationsansatz von ALLIANCE könnte sogar zum Goldstandard werden, wenn es darum geht, bei einem gemeinsamen Problem Zusammenarbeit und Diskussionen zwischen verschiedenen Interessengruppen zu ermöglichen, ohne dass ihre jeweilige Expertise untergeht. Worauf sind Sie bei ihrem Projekt am meisten stolz? Yatskiv: ALLIANCE hat eine neue Kooperationsmöglichkeit für Forschungseinrichtungen und die Wirtschaft etabliert. Daraufhin hat sich die Nachfrage nach Beratungsleistungen des TTI stark erhöht. Wir haben zum Beispiel schon einige Kooperationsanfragen vom Flughafen Riga vorliegen. Außerdem wächst durch das Projekt das Interesse an neuen integrierten Lösungen für das Verkehrssystem in Riga stetig weiter. Hat nur das TTI davon profitiert oder haben sich aus der Zusammenarbeit auch Vorteile für die Partner ergeben? Richter: Der fachübergreifende und integrative Ansatz des Projekts, der ja der rote Faden des Vorhabens war und ist, hat auch dazu geführt, dass bewährte Praktiken aus anwendungsorientierten Doktorandenkolloquien in Deutschland nach Lettland übernommen wurden. Auch waren Forscher und Professoren verschiedener Bereiche des Fraunhofer IFF an den Projektaktivitäten beteiligt, indem sie zum Beispiel Doktoranden am TTI betreut haben. Das Fraunhofer Institut konnte zudem durch zusätzliche Aufgaben in Lehre und Qualifizierung, unter Berücksichtigung der Besonderheiten lettischer und baltischer Verkehrs- und Logistiksysteme, seine Arbeiten in der angewandten Forschung ausbauen. Ich muss noch erwähnen, dass ein ALLIANCE-Forscherteam aus Doktoranden und Forschern vom Fraunhofer IFF, dem TTI und der Universität Grenoble Alpes (Frankreich) auf der 14. International Multidisciplinary Modelling & Simulation Multiconference mit dem „Best Paper Award 2017” ausgezeichnet wurde. Was steht in Zukunft für das Projekt noch an? Yatskiv: Ich hoffe, dass ALLIANCE die gesamte wissenschaftliche und innovative Kapazität des TTI im Bereich verbundener Verkehrssysteme in erkennbarem und signifikantem Maße verbessert hat. Damit wird das TTI in der globalen Verkehrsforschung deutlich sichtbarer sein. Aber das eigentliche Ergebnis des Projekts sind die Forscher, die gemeinsamen Artikel, das gegenseitige Verständnis und der Wunsch, miteinander zu arbeiten. Vielleicht ergibt sich aus dieser Zusammenarbeit ja ein neues Projekt.

Länder

Lettland

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