Zu den molekularen Ursachen von Blutkrebs
Myeloische Leukämie ist eine Art von Blutkrebs, die häufig auf Chromosomenaberrationen in blutbildenden Zellen des Knochenmarks zurückgeht. Durch diese Rearrangements entstehen Fusionsproteine - im Fall von APL das Protein PML-RAR. PML-RAR stört offenbar einen wichtigen tumorhemmenden Mechanismus, die so genannte zelluläre Seneszenz. Seneszenz ist der allmähliche, für biologisches Altern charakteristische Funktionsabbau, was den Prozess zur ersten Verteidigungslinie gegen krebsartige Veränderungen macht. In APL-Zellen wird für die zelluläre Seneszenz ein Proteinkomplex assembliert, der die Organisation zellulärer DNA reguliert. Das EU-finanzierte Projekt LEUKEMOGENESISAPL (An in-vivo screen for the identification of leukemia-promoting factors) untersuchte im Detail den Mechanismus, der die Chromatinorganisation bei APL verändert. Die Forscher entwickelten ein neuartiges Ex-vivo-Verfahren zur Analyse und Quantifizierung der Aktivität von PML-RAR und anderer onkogener Faktoren. Vor allem lassen sich mit dem Test Tierversuche deutlich reduzieren, die nötig wären, um die Rolle dieses Fusionsprodukts zu untersuchen. Wie sich herausstellte, wird bei zellulärer Seneszenz die Chromatinstruktur durch den Protein-PAX-Komplex reguliert, an dem auch PML beteiligt ist. Das PML-RAR-Fusionsprotein stört die PAX-Assemblierung und führt zum Versagen des Seneszenzmechanismus. Damit werden Zellen empfindlicher gegenüber Leukämogenese. Aufgrund der enzymatischen Aktivität des PAX-Komplexes geht das Konsortium von einer therapeutischen Nutzbarkeit dieser Zielstruktur aus. So könnten Arzneistoffe, die Seneszenz induzieren, als Krebsmedikament eingesetzt werden und genotoxische Medikamente hinfällig machen.