Verbesserung der Lebensqualität mit Hilfe der IST
Die Gesellschaft stand im Mittelpunkt der Konferenz IST (Technologien der Informationsgesellschaft) mit dem Titel "Technologies Serving People" (Technologien im Dienste des Menschen) in diesem Jahr in Düsseldorf. Auf der Konferenz wurde untersucht, wie die IST die Gesellschaft unterstützen könnten und wie gewährleistet werden kann, dass alle Menschen von diesen Vorteilen profitieren. In der Überzeugung, dass die digitale Kluft überwunden werden kann, teilte der für Unternehmen und die Informationsgesellschaft zuständige Kommissar Erkki Liikanen CORDIS-Nachrichten mit, dass die EU-Mitgliedstaaten in diesem Bereich noch aktiver werden müssten. "Es ist noch nicht genug getan worden", sagte Liikanen. "Es ist von zentraler Bedeutung, die Schulen mit dem Internet zu verbinden und die Lehrpläne zu aktualisieren." Der Kommissar erläuterte, die Lehrpläne der Schulen müssten in der Weise geändert werden, dass IT nicht als separates Fach gelehrt wird, sondern integrierter Bestandteil aller Fächer ist. "Unternehmen und öffentliche Einrichtungen tragen ebenfalls Verantwortung", sagte Liikanen. Sie müssen "Inhalte liefern, so dass die Bürger davon profitieren", sagte er. Sind adäquate Inhalte vorhanden, würden Bürger "lieber 'online' arbeiten als Schlange zu stehen", sagte Liikanen CORDIS-Nachrichten. Er fügte jedoch hinzu, viele der notwendigen Maßnahmen könnten nicht auf Ebene der Mitgliedstaaten ergriffen werden und Vorschriften seien erforderlich. "Wir benötigen einen Rechtsrahmen zur Schaffung von Wettbewerb, und wenn die Unterstützung des öffentlichen Sektors beispielsweise in abgelegenen Regionen erforderlich ist, dann spielt er eine wichtige Rolle", sagte Liikanen. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Wolfgang Clement forderte ebenfalls eine Informationsgesellschaft für alle. "Was nützt mir die beste Technologie, wenn ich keinen Zugang zu ihr habe, wenn ich Angst vor ihr habe oder wenn mein Wissen und meine Fähigkeiten nicht ausreichend sind, ihr Potenzial zu nutzen?", fragte Clement auf der Eröffnung der Konferenz. "Keine moderne politische Wirtschaft darf zulassen, dass ein großer Teil ihrer Bevölkerung die modernen Kommunikationstechnologien nicht nutzen kann oder nicht die Chance erhält, sie zu nutzen", sagte er. "Wir müssen uns selbstkritisch fragen, warum immer mehr Menschen Schwierigkeiten damit haben, einen PC oder das Internet zu nutzen. Wir können und dürfen nicht abwarten, bis die Generation '@' ihren Schulabschluss hat. Wir stehen hier vor einer bedeutenden politischen Aufgabe. Wir müssen zusammen mit den Beteiligten aus dem sozialen Sektor gewährleisten, dass jeder gleiche Chancen und Möglichkeiten hat, an den Informationstechnologien teilzuhaben." "Es darf nicht zugelassen werden, dass die oft zitierte digitale Kluft unsere Gesellschaften in Gewinner und Verlierer der technischen Entwicklung unterteilt. Wir müssen nicht nur die Technologien benutzerfreundlicher gestalten, sondern ebenfalls die Fähigkeit der Bürger, Technologien und die Medien zu nutzen, unterstützen und stärken." Er erinnerte die Zuhörer daran, dass die Bürger auch Erwartungen haben, wenn sie den technologischen Veränderungen einmal offen gegenüberstehen. Dieser Punkt wurde von Rodolfo Cattani von der Europäischen Blindenunion aufgegriffen, der seine Präsentation über die zukünftigen Anforderungen im Bereich Forschung und die Prioritäten in der Informationsgesellschaft mit den Worten beendete: "Die Technologien haben viel geleistet. Sie haben unseren Appetit angeregt und unser Appetit ist nun so groß, dass er gestillt werden muss!" Cattani erläuterte, die Technologien könnten das Leben von behinderten Menschen revolutionieren, jedoch könnten sie ebenfalls eine zusätzliche Hürde darstellen. Er stellte die Bestimmungen über die Forschung im Bereich Technologien für behinderte Menschen im Sechsten Rahmenprogramm (RP6) in Frage, indem er ausführte, dass die Forschung in diesem Bereich nicht explizit aufgeführt wird, sondern unter einer Reihe von Überschriften versteckt wird. Cattani forderte weitere Forschungstätigkeiten im Bereich der Funktionalität und Zugänglichkeit beispielsweise in Bezug auf das Internet, Mobiltelefone, Verkehrseinrichtungen, Verkehrs- und Straßeninformationen und "Smart Houses". "Smart Houses" wurden für ältere Menschen, die gelegentlicher Unterstützung bedürfen, entwickelt. Es werden rund 40 Sensoren eingesetzt, die mit einem Funkgerät verbunden sind. Diese Technologie tritt in einen Dialog mit dem Bewohner, sie vermittelt also nicht nur einfach. Mit Ausnahme eines Alarms im Fall von Problemen verlassen keine Informationen das "Smart House", so dass die Privatsphäre des Bewohners gewahrt ist. Cattani betonte, dass eine geeignete Konstruktion die Notwendigkeit menschlicher Unterstützung verringert, während die Unabhängigkeit von Menschen mit Behinderungen erhöht wird. Dieser Punkt wurde während der Konferenz vom UNO-Sonderberichterstatter für Behindertenfragen für die Kommission für soziale Entwicklung und ehemaligen Minister für Soziales und Familienpolitik Schwedens Bengt Lindqvist ebenfalls erwähnt. Lindqvist, der blind ist, sprach von seinen persönlichen Erfahrungen. Als er im Jahr 1982 in Schweden Abgeordneter wurde, benötigte er drei Assistenten, die ihn bei der Korrespondenz unterstützten. Als er das Parlament jedoch im Jahr 1995 verließ, konnte er mit Hilfe eines zugänglichen Computersystems alle Arbeiten selbständig erledigen. "Ich weiß, dass es [ein zugängliches Computersystem] Wunder bewirken kann", sagte er. "Demokratische Institutionen spielen eine Schlüsselrolle bei der Veranschaulichung und Anregung, jedoch kann die Zugänglichkeit nur durch Gesetze geregelt werden", sagte Lindqvist. "Wir kennen eine nicht vorhandene Zugänglichkeit seit 30 Jahren. Natürlich ist hier eine Verbesserung eingetreten, jedoch ist immer noch kein physischer Zugang zu den Einrichtungen gewährleistet", sagte er. Die EU spielt eine Rolle bei der Verbesserung der Zugangsmöglichkeiten und der Lebensqualität behinderter Menschen, indem sie eine Reihe von Projekten fördert. Im Rahmen von TOPCARE werden technische Geräte und IT-Systeme für die elektronische Versorgung (e-homecare) entwickelt und es wird der Grundstein für kooperative Gesundheitsdienstleistungen gelegt, die den Patienten in ihrem Heim zur Verfügung gestellt werden. Das System wird für die Überwachung zu Hause und die Behandlung von Patienten eingesetzt, die Infusionen benötigen. Mit PLAY2 wird es ermöglicht, Musikarchive anzulegen, die von blinden Musikern eingesetzt werden können, während das Projekt TIM sehbehinderten Kindern einen erleichterten Zugriff auf Multimediaspiele bietet. REHAROB hat ein System entwickelt, das eine standardisierte Erforschung der Hand- und Armfunktionen bietet, und von Patienten mit neuromotorischen Behinderungen eingesetzt werden kann. Im Rahmen des Projekts "Talking Bar Codes" wird ein tragbarer Scanner entwickelt, mit dem Menschen mit Leseschwierigkeiten Strichcode-Versionen von Dokumenten lesen können.