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Inhalt archiviert am 2023-01-01

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English Nature fordert Kommission zu "nochmaligem Nachdenken" über GV-Raps auf

Ein Vertreter der englischen Naturschutzbehörde English Nature hat die Europäische Kommission zu "nochmaligem Nachdenken" aufgefordert, bevor sie den Einsatz von genetisch verändertem (GV) Raps in der EU genehmigt. Anlass hierfür ist eine Studie, aus der hervorgeht, dass dadur...

Ein Vertreter der englischen Naturschutzbehörde English Nature hat die Europäische Kommission zu "nochmaligem Nachdenken" aufgefordert, bevor sie den Einsatz von genetisch verändertem (GV) Raps in der EU genehmigt. Anlass hierfür ist eine Studie, aus der hervorgeht, dass dadurch die Entwicklung lästiger Unkräuter ausgelöst werden kann. Eine von English Nature in Auftrag gegebene Studie zu herbizidtolerantem GV-Raps in Kanada hat ergeben, dass der Anbau solcher Pflanzen einen "Gen-Stacking" genannten Prozess auslösen kann, bei dem sich Gene verschiedener GV-Varietäten in Pflanzen ansammeln, die aus bei der Ernte verstreuten Samen hervorgehen (Durchwuchs). Dies kann zur Fremdbestäubung zwischen den verschiedenen Varietäten von Pflanzen und zur Entstehung von Pflanzen mit einer Häufung genetischer Merkmale von verschiedenen GV-Varietäten führen. Die kanadische Studie hat ergeben, dass durch "Gen-Stacking" entstandene Pflanzen inzwischen gegen mehrere, häufig eingesetzte Herbizide resistent sind und die Landwirte bei deren Bekämpfung regelmäßig auf ältere Herbizide zurückgreifen. Das Problem wird in Kanada noch zusätzlich durch den Zusammenbruch des freiwilligen Systems der Trennung von Nutzpflanzen verschärft, was höhere Fremdbestäubungsraten zwischen GV-Varietäten zur Folge hatte. Dr. Brian Johnson, der Biotechnologieberater von English Nature, erklärte gegenüber CORDIS-Nachrichten, der Bericht behaupte "mit Recht, dass wir ein derartiges Gen-Stacking unfehlbar auch in Europa erleben werden", falls GV-Rapspflanzen wie die in Kanada untersuchten in der EU eingeführt würden. Dr. Johnson forderte die für die Regulierung von GV-Pflanzen zuständigen Instanzen auf, "gründlichst nachzudenken", bevor derartige Raps-Ölsaaten in der EU freigesetzt würden. "Wir wissen noch nicht, wie sich "Gen-Stacking"-Pflanzen mit Mehrfachresistenzen auf den Feldern der Landwirte oder in der freien Natur verhalten. Das europäische Regulierungssystem hat herbizidtolerante GV-Ölsaaten noch nicht allgemein freigegeben", sagte er. English Nature werde darauf hinarbeiten, "dafür zu sorgen, dass die Risiken aus möglichem Gen-Stacking in angemessener Weise berücksichtigt werden und wir die in Kanada gemachten Fehler vermeiden", fuhr er fort. Dr. Johnson äußerte seine Besorgnis darüber, dass "Gen-Stacking"-Raps in der EU eingeführt werden könnte, ohne dass volle Klarheit über seine möglichen Auswirkungen besteht, sofern das derzeitige De-facto-Moratorium über die Zulassung neuer GV-Produkte aufgehoben wird. Er wies insbesondere auf glyphosattolerante GV-Rapspflanzen wie beispielsweise den unter dem Markennamen Roundup Ready vertriebenen Raps des US-amerikanischen Unternehmens Monsanto hin, dessen Einführung "unfehlbar...zu Mehrfach-Herbizidtoleranz führen" werde. English Nature zeigte sich ferner besorgt über den Vorschlag der Europäischen Kommission, einen Schwellenwert von bis zu 0,7 Prozent GV-Saatgut in Chargen konventionellen Saatguts zuzulassen. Dr. Johnson äußerte CORDIS-Nachrichten gegenüber, es sei "fast unmöglich, diese Schwellenwerte zu überwachen", und führte aus, dass eine GV-Kontamination von einem Prozent in einem Feld gleichbedeutend mit Tausenden von Pflanzen sein könne. Er führte weiter aus, dass, falls dieses eine Prozent verschiedene GV-Varietäten enthalte, man letztendlich verschiedene GV-Varietäten auf einem Feld habe, "zwischen all denen ein freier Austausch von Genen stattfindet". Dr. Johnson forderte die Kommission auf, "von einer Entscheidung über diesen Vorschlag abzusehen", bis die derzeit laufenden Forschungsarbeiten zu Gen-Stacking und Herbizidtoleranz in Raps in Frankreich und im VK "abgeschlossen und verstanden" worden seien. Im Zuge dieser Forschungsarbeiten, führte er aus, würden verschiedene GV-Varietäten von Raps willkürlich nahe beieinander gepflanzt, und die bisherigen Resultate hätten gezeigt, dass dies zur Entwicklung von Mehrfach-Herbizidtoleranz bei dieser Art geführt habe. English Nature befürchtet, dass Versuche, Pflanzenvarietäten mit Mehrfach-Herbizidtoleranz zu bekämpfen, einen intensiveren Herbizideinsatz an den Feldrändern und in landwirtschaftlich ungenutzten Biotopen, die eine wichtige Zuflucht für wildlebende Tiere darstellen, zur Folge haben könnten. Dr. Johnson sagte, dass "viele wildlebende Tiere in Europa an Feldrändern leben" und es eine Ironie darstelle, wenn die Kommission und die Regierung des VK, die beide darum bemüht seien, den Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft zu verringern, "zufällig" den Einsatz von mehr Herbiziden notwendig machen würden.

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