Kinder am stärksten durch Umweltverschmutzung gefährdet
Laut Experten der Europäischen Umweltagentur (EUA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Kinder in ganz Europa inakzeptablen Gesundheitsrisiken durch Umweltverschmutzung ausgesetzt. In einem von den beiden Organisationen veröffentlichten Bericht mit dem Titel "Children's health and environment: a review of evidence" ("Gesundheit von Kindern und die Umwelt: eine Bestandsaufnahme") heißt es, dass weltweit bis zu 40 Prozent der auf Umweltfaktoren zurückzuführenden Krankheitslast auf Kinder unter fünf Jahren entfallen. Dem Bericht zufolge sind Kinder aus vielen Gründen besonders anfällig: Da sich der kindliche Organismus noch entwickelt, sind Kinder besonders empfindlich in Bezug auf die langfristigen Folgen einer frühen Belastung. Sie sind für bestimmte Chemikalien einzigartig anfällig und in ihrem Lebensumfeld bestimmten Substanzen ausgesetzt, weil sie Dinge aufheben und in den Mund stecken. Darüber hinaus nehmen Kinder auch mehr potenziell toxische Substanzen auf, weil sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr atmen, essen und trinken als Erwachsene. Außerdem können sich Kinder die Faktoren, denen sie ausgesetzt sind, nicht aussuchen. "Kinder riskieren eine Belastung durch über 15.000 synthetische Chemikalien, die fast alle in den letzten 50 Jahren entwickelt wurden, sowie durch die unterschiedlichsten physikalischen Ursachen, z.B. verunreinigte Außenluft und verschmutzte Luft in Innenräumen, Straßenverkehr, verunreinigte Lebensmittel und schmutziges Wasser, unsichere Gebäude, Schadstoffe in Spielzeugen, Strahlung und Passivrauchen", so der Exekutivdirektor der EUA Domingo Jiménez Beltrán. Er fügte hinzu, dass Störungen wie Asthma und Krebs, die möglicherweise auf Umweltfaktoren zurückzuführen sind, sich in nicht hinnehmbarem Umfang verbreiten. Die Umweltkommissarin Margot Wallström bezeichnete den Bericht als einen begrüßenswerten Beitrag, um der Problematik mit politischen Grundsatzmaßnahmen zu begegnen. "Die Europäische Union misst der Thematik Umwelt und Gesundheit von Kindern auf der politischen Agenda einen hohen Stellenwert bei. Der Zusammenhang zwischen Umweltverfall und gesundheitlichen Defiziten ist klar nachgewiesen, wir brauchen jedoch weitere Forschungsarbeiten, um unser Verständnis der komplexen Problematik zu vertiefen", sagte sie.