Busquin: Angriffe auf GVO-Felder könnten Europa ins Hintertreffen bringen
Durch die Zerstörung von experimentellen Feldversuchen mit GVO (gentechnisch veränderten Organismen) könnte Europa die Möglichkeit verwehrt werden, die Risiken zu bewerten und vom wissenschaftlichen Fortschritt zu profitieren, so das für Forschung zuständige Kommissionsmitglied Philippe Busquin. Busquin gab seine Stellungnahme nach der Zerstörung eines experimentellen Feldversuches mit GV-Raps im belgischen Alost in der vergangenen Woche ab. Bei diesem Vorfall handelte es sich um den jüngsten in einer Reihe von Übergriffen in Europa. Feldversuche werden während der Entwicklung sowohl von gentechnisch veränderten als auch konventionellen Pflanzensorten durchgeführt. Der letzte zerstörte Versuch wurde nach Angaben der Kommission von den belgischen Behörden genehmigt. Er habe mit den EU- und Landesgesetzen im Einklang gestanden, so die Kommission. Sie fügte hinzu, dass die Einbringung der gleichen Gene durch konventionelle Pflanzenzuchtmethoden weniger genau und zeitaufwendiger sei. Kommissionsmitglied Busquin sagte, langfristig gesehen würden diese Attacken "der Gesellschaft nur die Vorteile verwehren, die der wissenschaftliche Fortschritt mit sich bringt". Die Freiheit der Forschung sei ein grundlegender Wert in demokratischen Gesellschaften, fügte er hinzu. "Wenn wir nicht genug in die GVO-Forschung investieren, könnte unsere Fähigkeit zur Innovation und zur Bewertung potenzieller Risiken behindert werden. Letztendlich könnten die europäischen Bürger die Verlierer sein." Die Feldforschung an GV-Feldfrüchten ist praktisch in den meisten EU-Ländern zum Stillstand gekommen. 2001 erhielt die Gemeinsame Forschungsstelle der Kommission 88 Benachrichtigungen für GV-Feldversuche, verglichen mit durchschnittlich 1.500 jährlich in den USA durchgeführten Feldversuchen. Wenn keine geeignete Forschung über die Auswirkungen von GV-Pflanzen auf die Umwelt durchgeführt werde, könnte auch keine Bewertung erfolgen, ob sie den EU-Bürgern und Verbrauchern tatsächlich Vorteile bringen, so die Kommission.