NKS informieren sich, was das RP6 Neues bringt
In ihren jeweiligen Ländern sind sie die Informationsquellen zu EU-Forschungsprogrammen, doch bei einer Schulungsveranstaltung der Kommission vom 28. bis 30. Oktober in Brüssel werden die Nationalen Kontaktstellen (NKS) selbst auf das Sechste Rahmenprogramm vorbereitet. Jeder Mitgliedstaat und jedes assoziierte Land hat bestimmte NKS, die Organisationen in ihrem Gebiet Informationen zu den europäischen Forschungsrahmenprogrammen bieten. Das Sechste Rahmenprogramm (RP6) wird am 11. November gestartet, und die Veranstaltung der Kommission soll die NKS über die Besonderheiten des neuen Programms informieren. CORDIS-Nachrichten sprach mit Vertretern der NKS aus drei verschiedenen europäischen Ländern und fragte sie, wie sich ihre Rolle unter dem RP6 verändern und welche Auswirkungen das neue Rahmenprogramm auf die Forschung in ihren Ländern haben wird. Forschungsinstitutionen, Universitäten und Unternehmen in den Niederlanden haben bereits viel Erfahrung mit der Teilnahme an den vorangegangenen Rahmenprogrammen der EU. An mehr als 500 Interessenbekundungen für das RP6 sind niederländische Partner beteiligt und die Regierung des Landes möchte, dass die Niederlande in jedem Kooperationsprojekt vertreten sind. Dies ist zwar unwahrscheinlich, zeigt jedoch den Ehrgeiz des Landes, eine führende Rolle in der europäischen Forschung zu übernehmen. Eelco Denekamp ist EU-Verbindungsmanager beim niederländischen Wirtschaftsministerium und eine der nationalen Kontaktpersonen des Landes. Er meint, dass das RP6 zu mehr Wettbewerb führe und selektiver sei als die vorherigen Programme, und sagt, dass viele Forscher in den Niederlanden sich dem neuen System erst noch anpassen müssten. Eines der Hauptziele Denekamps ist die Ausweitung des Netzes auf andere NKS, mit denen er in Kontakt steht, aufgrund der stärkeren Betonung der internationalen Zusammenarbeit im RP6 und der erstmaligen Einbeziehung der EU-Beitrittsländer als volle Partner. "Wir haben ein nationales Unterstützungsprogramm für Beitrittsländer und unser Ziel ist es, proaktiv Partner aus den Beitrittsländern zu finden, die in Projekten unter niederländischer Federführung arbeiten möchten", erklärte er. Für das kleinste Beitrittsland, Malta, bietet das RP6 Herausforderungen anderer Art. Aufgrund der starken Betonung der kritischen Masse und der Qualität der Forschungspartner in dem neuen Programm müssen die maltesischen Institutionen ihre begrenzten Ressourcen optimieren, um den guten Fortschritt, den sie im letzten Rahmenprogramm erzielt haben, zu erhalten. Ray Muscat, NKS-Vertreter und Betriebsmanager bei Kordin, meint, dass eine vollständige Integration in das RP6 die einzig mögliche Option für einen "Kleinststaat" wie Malta sei, erwartet jedoch anfänglichen Widerstand gegen die Veränderungen, die dies mit sich bringt. "Die Struktur des RP6 ist einfacher und legt einen stärkeren Schwerpunkt auf KMU [kleine und mittlere Unternehmen], die der maltesischen Forschung nutzen werden", sagte er. Er glaubt jedoch, dass der Prozess der Bündelung von Forschungsfähigkeiten in einem Land, um das erforderliche Fachwissen zu erzielen, eine Herausforderung sein wird. Jesmond Xuereb, NKS-Vertreter des Malta Council for Science and Technology (Maltesischer Rat für Wissenschaft und Technologie), hofft, dass die Veränderungen durch Maltas Beteiligung am RP6 über die Vernetzung von Institutionen hinausgeht. Er sagte CORDIS-Nachrichten: "Ich hoffe, dass unsere effektive Partnerschaft im RP6 eine Erhöhung der staatlichen Ausgaben für maltesische Forschung rechtfertigen wird. Die Ergebnisse aus dem RP5 haben unsere Argumentation untermauert, aber ich hoffe, dass durch das RP6 die Botschaft endgültig ankommt." Es sind jedoch nicht nur die kleineren Länder, die sich über den verstärkten Schwerpunkt auf KMU unter dem RP6 freuen. Jayne Sutcliffe von Beta Technology ist die Ansprechpartnerin für Innovation und KMU im Vereinigten Königreich und ist bezüglich der Ressourcen, die kleineren Unternehmen innerhalb des neuen Programms zur Verfügung stehen werden, zuversichtlich. "Es steht viel Geld für KMU zur Verfügung, doch die Herausforderung für uns ist, sie zu involvieren", meinte sie. "Die absolute Priorität für kleine Unternehmen muss es sein, die Geschäfte zu führen, aber die Möglichkeiten sind vorhanden." Nicht nur die KMU selbst würden von der Beteiligung an Kooperationsprojekten profitieren, so Sutcliffe: "Die Partnerschaft mit KMU wird den Projekten eine ganz andere Perspektive verleihen. Kleine, dynamische Unternehmen haben ganz andere Antriebskräfte als große Firmen und Forschungsinstitutionen." Es ist daher offensichtlich, dass die NKS sich bei der Schulung auf die Aspekte des RP6 konzentrieren werden, die für die Forschungsgegebenheiten in ihrem jeweiligen Land am relevantesten sind. Doch trotz ihrer unterschiedlichen Herangehensweisen an das Programm deuten die kollektive Vernetzung der NKS aus über 30 europäischen Ländern bei der Veranstaltung und die Vorbereitungen, die sie alle treffen, darauf hin, dass es mehr als nur eine Namensänderung zwischen RP5 und RP6 geben wird.