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Inhalt archiviert am 2023-01-13

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Welche Rolle spielt die Vorausschau in einem erweiterten Europa?

Während es manchmal so scheinen mag, als ob es so viele Definitionen von Vorausschau wie Praktizierende gibt, kann man sie im Allgemeinen als einen Prozess definieren, bei dem aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen und gesellschaftliche Herausforderungen analysiert werden, u...

Während es manchmal so scheinen mag, als ob es so viele Definitionen von Vorausschau wie Praktizierende gibt, kann man sie im Allgemeinen als einen Prozess definieren, bei dem aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen und gesellschaftliche Herausforderungen analysiert werden, um zukünftige Forschungsprioritäten zu bestimmen und so politischen Entscheidungen eine langfristige Perspektive zu verleihen. Viele EU-Mitgliedstaaten, insbesondere diejenigen mit etablierten und finanziell soliden Forschungssystemen, haben bereits die Vorteile, die diese Aktivitäten bieten, erkannt. Doch welche Rolle kann die Vorausschau innerhalb der Beitrittsländer spielen, in denen ein Mangel an finanziellen und anderen Ressourcen oft den Rahmen der Forschungsaktivitäten begrenzt und die Vorausschau im Allgemeinen noch nicht so weit entwickelt ist? Dies war eine der Fragen, die während der Eröffnung der Konferenz "Foresight in the enlarged European Research and Innovation Area" (Vorausschau im erweiterten Europäischen Forschungs- und Innovationsraum), die am 15. Mai in Ioannina von der griechischen Ratspräsidentschaft veranstaltet wurde, gestellt wurde. Für Attila Havas vom Institut für Wirtschaft an der ungarischen Akademie der Wissenschaften bedeuten die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, denen die Beitrittsländer gegenüberstehen, dass Vorausschauaktivitäten genauso wichtig für sie sind wie für größere und reichere europäische Länder, der Charakter der Diskussion jedoch etwas anders ist. Als der Erweiterungsprozess sich noch in der Anfangsphase befand, wurden die derzeitigen Beitrittsländer gemeinsam als die Übergangsländer bezeichnet. Während sich die Terminologie inzwischen geändert hat, erinnerte Dr. Havas die Delegierten daran, dass diese Länder sich immer noch in ständiger Bewegung befinden. "Die Beitrittsländer befinden sich in einer Position, in der sie neue Märkte finden, neue Industrien entwickeln und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern müssen, um vollen Nutzen aus der Erweiterung zu ziehen. Vorausschau kann dabei helfen", erläuterte er. Dr. Havas beschrieb die Spannung, die in vielen Beitrittsländern zwischen kurz- und langfristigen politischen Entscheidungen herrscht. Wirtschaftliche und institutionelle Veränderungen erforderten langfristige Ansätze, erklärte er, doch die Finanzierung und die Aufmerksamkeit der Politiker würden oft auf genauso drängende kurzfristige Themen, wie z. B. Arbeitslosigkeit und Ungleichgewichte im Haushalt, gelenkt. "Ein umfassender Vorausschauprozess, an dem alle Interessengruppen beteiligt sind, kann dazu beitragen, ein Gleichgewicht zwischen diesen konkurrierenden Prioritäten zu finden." Um die Interessenvertreter zu überzeugen, sei es jedoch zunächst notwendig gewesen, einen anfänglichen Widerstand gegen die Vorausschau in den Beitrittsländern zu überwinden, erläuterte Dr. Havas gegenüber CORDIS-Nachrichten. "Viele Fachleute in den ehemaligen sowjetischen Staaten waren anfangs skeptisch, denn sie sahen in der Vorausschau lediglich eine neue Form der Planwirtschaft", so Havas. Die Wissenschaftler seien auch vorsichtig gewesen, da ein Verfahren wie die Vorausschau, dass zu einer beliebigen Zahl von Ergebnissen oder "richtigen Antworten" führen kann, an sich nicht besonders wissenschaftlich sei, fügte er hinzu. Die Art von Initiativen, von denen nach Ansicht von Dr. Havas die Beitrittsländer an meisten profitieren würden, seien gemeinsame Vorausschaustudien mit Nachbarländern, um Synergien aber auch verschiedene Perspektiven zu bestimmen, sowie koordinierte oder "teilweise angepasste" nationale Vorausschauprogramme. Karel Klusácek ist Direktor des Technologiezentrums der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. In seiner Präsentation auf der Konferenz unterstrich er die Rolle, die das erste nationale Vorausschauprogramm dabei gespielt hat, ein relativ geringes Forschungsbudget auf die wichtigsten Bereiche der Forschung zu lenken. Ausgehend von anfangs 612 verschiedenen Forschungsprioritäten wurde die Vorausschau genutzt, um diese auf einen Kern von 90 in fünf verschiedenen Themenbereichen zu beschränken. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Verfahrens gab Klusácek bekannt, dass die Behörden der Tschechischen Republik nun eine zweite Runde von Vorausschauaktivitäten planen. Diese zielen darauf ab, horizontale Fragen anzugehen, besondere gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen und Zukunftschancen zu eröffnen. Wie auch Dr. Havas teilte Klusácek gegenüber CORDIS-Nachrichten mit, dass seiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg für die Vorausschau in den Beitrittsländern darin liege, die Unterstützung der Interessenvertreter im öffentlichen und privaten Sektor, der Forschungsgemeinschaft und der Gesellschaft insgesamt zu gewinnen. "Um dies zu erreichen, müssen wir effektiv Bewusstsein schaffen und die Vorteile der Vorausschauaktivitäten vermitteln. Dies erreichen wir am besten, indem wir Beispiele erfolgreicher Programme geben." Was die zukünftigen Aktivitäten angeht, die die Beitrittsländer seiner Meinung nach unternehmen sollten, argumentierte Klusácek, dass ein zweigleisiger Ansatz am besten sei. Einerseits führe der Austausch über vorbildliche Praktiken und gemeinsame Projekte mit anderen Beitrittsländern oft zu relevanteren Ergebnissen für ein Land wie die Tschechische Republik, andererseits seien auch gesamteuropäische Aktivitäten notwendig, um die Kooperation auf EU-Ebene zu fördern. "Die Kommission kann eine wichtige Rolle bei der Förderung dieser Kooperation spielen", fügte er hinzu. Während in den Beitrittsländern die Vorausschau noch relativ neu ist, beweisen die positiven Erfahrungen in Ländern wie Ungarn und der Tschechischen Republik, dass solche Aktivitäten in den Beitrittsländern genauso notwendig und bedeutend sind wie in den derzeitigen Mitgliedstaaten. Insgesamt steckt das Konzept der Vorausschau noch in den Kinderschuhen, aber zweifellos kann die volle Beteiligung der zukünftigen Mitgliedstaaten an ihrer Entwicklung und Ausarbeitung nur dazu beitragen, sie zu stärken.

Länder

Tschechien, Griechenland, Ungarn

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