Vom Konzept bis zur Vermarktung: Das TUBEK-Projekt und die Vorteile der Förderung durch die EU
Aus einem Konzept eines innovativen Produkts oder Prozesses einen kommerziellen Erfolg zu machen, kann sich als risikoreiche und langwierige Aufgabe erweisen, und dies vor allem dann, wenn das betreffende Konzept einen umfangreichen industriellen Prozess umfasst, der zuvor noch nie umgesetzt wurde. Der Erfolg eines solchen Unternehmens hängt von mehreren Faktoren ab, und nicht zuletzt davon, ob die neue Technologie spürbare Vorteile bringt. Selbst wenn dies der Fall ist, heißt das noch nicht, dass das Konzept vom Markt allgemein angenommen wird. Dies ist der Grund, warum externe Unterstützung während der Vermarktung eines Projekts so wichtig ist und über Erfolg oder Misserfolg entscheiden kann. Beim Projekt TUBEK war dies mit Sicherheit der Fall. TUBEK ("turbine before the kiln", Turbine vor dem Ofen) ist ein neuartiges Konzept, das die Techniken der Kraft-Wärme-Kopplung in der industriellen Fertigung von Keramik- oder Tonfliesen einsetzt. Vereinfacht gesagt, wird die Wärmeenergie aus der Abluft der Industrieturbinen in einer Fliesenfabrik zum Brennen der Fliesen in den Öfen genutzt. Dies spart viel Energie und vermindert sowohl die primäre als auch die sekundäre Umweltbelastung. Die erste Herausforderung für das TUBEK-Konsortium war die Beschaffung der notwendigen Mittel, um den theoretischen Prozess unter Laborbedingungen testen zu können. Sie wurde gemeistert, denn die Kommission stellte dem Projekt Mittel aus ihrem Vierten Forschungsrahmenprogramm zur Verfügung, sodass eine Versuchsanlage gebaut wurde, die die Rentabilität des Konzepts nachwies. Nachdem im Labor der Beweis für die Vorteile des neuen Prozesses erbracht worden war, musste anschließend seine Eignung unter industriellen Bedingungen nachgewiesen werden. Dr. Thanasis Katsanevakis von der Firma Enervac-Flutec Ltd., die zum Konsortium gehört, sagte im Gespräch mit CORDIS-Nachrichten: "Einer der Projektpartner, Kothalis Ceramics Industry, ist ein industrieller Fliesenhersteller. Es war daher äußerst wichtig, dass diese Firma überzeugt werden konnte, das TUBEK-Konzept in der Fertigung einzusetzen." Um die mit der Einführung der neuen Technologie verbundenen Kosten und Risiken zu begrenzen, bewarb sich Enervac-Flutec beim griechischen Staat um Unterstützung aus einem Topf, der aus den Strukturfonds der Kommission versorgt wurde. 35 Prozent der Gesamtkosten der Anlage kamen so zusammen, und den Rest teilten sich die beiden Partner. Nach über 8.000 Betriebsstunden haben die TUBEK-Partner den Beweis erbracht, dass der Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung in der Fliesenfertigung die Stromkosten um über 20 Prozent drücken kann. Da die Stromkosten bis zu 30 Prozent der gesamten Kosten einer Fabrik ausmachen können, entspricht dies einer Kostensenkung um ganze sechs Prozent, was nicht zu vernachlässigen ist. Trotz dieses überwältigenden kommerziellen Erfolgs befindet sich TUBEK nach wie vor in der vorkommerziellen Phase, wie Dr. Katsanevakis erläuterte: "Bevor wir von einer erfolgreichen Markteinführung von TUBEK sprechen können, müssen wir weitere Kunden gewinnen." Im Rahmen der Einführungsstrategie veröffentlichte Enervac-Flutec TUBEK auf dem Internetportal der Kommission für die Förderung neuartiger Technologien, dem CORDIS-Technologie-Marktplatz (TMP). Erste Ergebnisse ließen nicht lange auf sich warten. Schon einen Monat nach der Veröffentlichung im Dezember 2002 meldete eine US-amerikanische Risikokapitalgesellschaft ihr starkes Interesse an TUBEK an, und kurz darauf erhielt Dr. Katsanevakis eine Anfrage nach weiteren Informationen seitens des technischen Zentrums der französischen Fliesen- und Ziegelindustrie. Die Veröffentlichung auf dem TMP brachte neben solchen Interessensbekundungen aber noch weitere positive Ergebnisse: "Die Vorteile dieser Präsenz im Internet lassen sich zwar nur schwer in Zahlen ausdrücken, aber ich kann sagen, dass die Hälfte aller Anfragen zu TUBEK auf die Veröffentlichung auf dem TMP zurückging. Darüber hinaus wurde bei unseren Kontakten zu potenziellen Partnern im Rahmen der Vermarktung deutlich, dass die Veröffentlichung der Technologie bei CORDIS den Prozess bekannter gemacht hat", so Dr. Katsanevakis. Derzeit wird ein Geschäftsplan ausgearbeitet, und es befinden sich noch mehrere mögliche Partnerschaften in der Pipeline; daher besteht die konkrete Hoffnung, dass TUBEK sich zu einem weit verbreiteten industriellen Prozess entwickelt. In diesem Fall hätte die EU-Förderung letztendlich einen entscheidenden Faktor für den Erfolg dargestellt.