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Inhalt archiviert am 2023-01-13

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Kopf-an-Kopf-Rennen um ITER-Standort zwischen Frankreich und Spanien

Ein Bericht einer unabhängigen Gruppe, die die beiden europäischen Angebote zur Aufnahme des internationalen thermonuklearen Versuchsreaktors (ITER) begutachtete, gibt weder dem einen noch dem anderen Standort den Vorrang, sondern stellt fest, dass sowohl Frankreich als auch S...

Ein Bericht einer unabhängigen Gruppe, die die beiden europäischen Angebote zur Aufnahme des internationalen thermonuklearen Versuchsreaktors (ITER) begutachtete, gibt weder dem einen noch dem anderen Standort den Vorrang, sondern stellt fest, dass sowohl Frankreich als auch Spanien "wahrscheinlich die internationale Standortauswahl für sich entscheiden würden". Die größten Unterschiede zwischen den beiden Standorten, Cadarache in Frankreich und Vandellós in Spanien, betreffen technische und finanzielle Fragen, die aus Sicht der Gruppe jedoch vernachlässigbar sind. Frankreich und Spanien hoffen beide, von der EU als möglicher europäischer ITER-Standort ausgewählt zu werden. Dieser Standort müsste sich dann gegen seine Konkurrenten Clarington in Kanada und Rokkasho-mura in Japan durchsetzen. "Wir müssen die besten Voraussetzungen dafür schaffen, dass Europa als ITER-Standort gewählt wird", sagte EU-Forschungskommissar Philippe Busquin im Mai gegenüber den europäischen Forschungsministern. Die Entscheidung der Minister dürfte auf der nächsten Tagung des Rates "Wettbewerbsfähigkeit" am 23. September fallen. Auch der Bericht unterstreicht, wie wichtig es wäre, wenn die Standortentscheidung auf Europa fallen würde: "Die europäische Kompetenz auf dem Gebiet der Kernfusion ist weltweit anerkannt, und wenn Europa seine führende Rolle behalten will, muss der ITER nach Europa kommen." Die Gruppe konnte keine signifikanten Unterschiede zwischen Cadarache und Vandellós ausmachen, was Topologie und Geologie, industrielle Kapazitäten, die Unterstützung und die Einrichtungen vor Ort, Lizenzrecht oder Engagement angeht. In der Frage der technischen und wissenschaftlichen Infrastruktur kam die Gruppe zu dem Schluss, dass "die ausgereiften technischen Unterstützungseinrichtungen in Cadarache einen großen Vorteil im Hinblick auf die Minimierung von Risiken darstellen", was auch Auswirkungen auf die Kosten während der Bauphase haben könnte. In Cadarache besteht bereits eine voll funktionierende Forschungseinrichtung, die ein breites Spektrum der relevanten Tätigkeiten abdeckt, während man in Vandellós praktisch bei Null anfangen müsste. Um die Kosten einzuschätzen, die der ITER an den beiden Standorten verursachen würde, untersuchte die Gruppe jeweils einen Bericht der beiden beteiligten Regierungen und zwei weitere Berichte, die im Auftrag des European Fusion Development Agreement (EFDA) erstellt wurden. Die Verwirklichung des ITER umfasst eine Bauphase von rund zehn Jahren, eine Betriebsphase von 20 Jahren und eine Stilllegungsphase. Ein Arbeitsdokument der Kommission schätzt die Baukosten auf rund 4,57Milliarden Euro und die Betriebskosten auf 265 Millionen Euro pro Jahr. Die am ITER beteiligten Partner teilen sich 80 Prozent der Baukosten. Die restlichen 20 Prozent trägt das Standortland. Die Gruppe lehnt in ihrer Standortbewertung die nationalen Berichte ab, da diese "extrem hohe Kostenanteile" enthielten, und kommt zu dem Schluss, dass eine Entscheidung für Vandellós insgesamt zwischen 34 und 274 Millionen Euro billiger als in Cadarache käme. Der Bericht stellt außerdem fest, dass der Bau des ITER in der EU "ungeachtet dessen, welcher europäische Standort gewählt wird, eine umfassende Revision des Aufbaus und der Leitung des EU-Kernfusionsprogramms" erforderlich machen würde. Die Gruppe empfiehlt daher, dass das Euratom-Programm der EU im Siebten Rahmenprogramm aus zwei Teilen bestehen sollte, nämlich der Beteiligung am ITER-Projekt und einem umfangreiches Begleitprogramm. Abschließend unterstreicht der Bericht, dass sowohl Frankreich als auch Spanien "hervorragende Angebote" vorgelegt und beide sehr gute Chancen in der internationalen Standortentscheidung hätten.

Länder

Spanien, Frankreich

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