EU-Projekt versucht erstmals, Genschalter zu kartieren
Nach dem erfolgreichen Abschluss eines EU-Pilotprojekts zur Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Genetik und Krankheiten haben die deutschen und britischen Partner des Konsortiums angekündigt, die Arbeit im Rahmen des Projekts fortsetzen zu wollen. Nun sollen erstmals die komplexen chemischen Prozesse, die die Genexpression steuern, vollständig untersucht werden. Das Humane Epigenomprojekt (HEP) wurde mit 1,2 Millionen Euro aus dem Programm "Lebensqualität und Management lebender Ressourcen" (LIFE QUALITY) des Fünften Rahmenprogramms gefördert. Schwerpunkt des Projekts war die DNA-Methylierung, ein chemischer Prozess, der dafür zuständig ist, Gene in den Zellen ein- und auszuschalten, und so bestimmt, welche Gene in den Zellen zum Einsatz kommen. Die DNA-Methylierung ist von grundlegender Bedeutung für die normale Entwicklung und Funktionsweise von Organismen. Allerdings gehen Wissenschaftler auch davon aus, dass die Methylierung eine Rolle bei der Entstehung von Krankheiten wie etwa Krebs spielt. Um dieser Frage weiter nachzugehen, untersuchte das Projektkonsortium Methylierungsmuster innerhalb des Major Histocompatibility Complex (MHC), einer Region auf dem Chromosom 6, die mit mehr Krankheiten in Verbindung gebracht wird, als irgendeine andere Region im menschlichen Genom. Insgesamt konnten die Methylierungszustände von mehr als 100.000 Loci ermittelt und wesentliche Unterschiede zwischen den Methylierungsmustern in verschiedenen Gewebearten festgestellt werden. Die Wissenschaftler wollen nun diese Daten zusammentragen, um Methylierungsmuster in anderen Bereichen im Humangenom zu untersuchen. Indem es das Wissen darüber erweitert, wann und wie unsere Gene ein- beziehungsweise ausgeschaltet werden, erhofft man sich von dem Projekt, dass es eine wichtige Brücke zwischen Genetik und Gesundheit darstellt. "Die Kartierung aller DNA-Methylierungsloci verspricht ein besseres Verständnis der molekularbiologischen Grundlagen von Krankheiten und wird deren Diagnose zu einem deutlich früheren Zeitpunkt ermöglichen", erläuterte Dr. Kurt Berlin, Vorstandsmitglied für Forschung und Entwicklung von Epigenomics, dem deutschen Projektpartner.
Länder
Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich