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Studie: Vergabe des Nobelpreises ist Zeichen des "Brain Gain" der USA

Laut einem neuen Bericht des britischen Sutton Trust drückt sich die wissenschaftliche Überlegenheit der USA und der damit verbundene Rückgang der Wissenschaft in Europa auch in der Verteilung der Nationalitäten der Nobelpreisträger aus. Der Sutton Trust stellte fest, welche ...

Laut einem neuen Bericht des britischen Sutton Trust drückt sich die wissenschaftliche Überlegenheit der USA und der damit verbundene Rückgang der Wissenschaft in Europa auch in der Verteilung der Nationalitäten der Nobelpreisträger aus. Der Sutton Trust stellte fest, welche Staatsangehörigkeit alle Nobelpreisträger für Chemie, Wirtschaft, Medizin und Physik, die zum Zeitpunkt der Preisvergabe einer Universität angehörten (532 von 559), seit der ersten Nobelpreisvergabe im Jahr 1900 besaßen. Gehörten die Preisträger mehr als einer Universität an, wurde nur ihre erste Einrichtung gezählt. Aus der Studie geht hervor, dass die Liste der Empfänger seit 1970 von US-Bürgern dominiert wird. Seitdem gingen mehr als die Hälfte aller Nobelpreise an US-Amerikaner, wobei ihre Zahl in der letzten Zeit gegen zwei Drittel tendierte. Das VK bleibt, obwohl es weniger Preise als früher einheimst, auf dem zweiten Platz, während die Zahl der deutschen Preisträger von durchschnittlich 30 Prozent vor dem Zweiten Weltkrieg seit 1940 auf unter zehn Prozent gesunken ist. Obwohl seit 1900 nur 26 Preisträger aus Frankreich kamen, liegt das Land auf dem vierten Platz, allerdings weit hinter Deutschland mit 67, dem VK mit 77 und den USA mit 235 Preisträgern. Die Statistiken über die wichtigste Einrichtung der einzelnen Preisträger zeugen ebenfalls von einer wachsenden Dominanz der Vereinigten Staaten. US-Hochschulen errangen bisher rund die Hälfte aller naturwissenschaftlichen Nobelpreise; allerdings ist ihr Anteil inzwischen auf über 70 Prozent gestiegen. Britische Hochschulen konnten bis in die späten Siebzigerjahre ihren Anteil von ungefähr 20 Prozent an den verliehenen Preisen halten, sind aber inzwischen auf unter zehn Prozent abgerutscht, während in diesem Jahrhundert noch kein Nobelpreis nach Deutschland gegangen ist. Die Angaben zu den Preisträgern, die einer Universität eines anderen Landes als ihrem Herkunftsland angehörten, verdeutlichen den "Brain Gain" der USA. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gingen nur drei Nobelpreise an Ausländer, die einer US-Hochschule angehörten - genauso viele wie in den ersten drei Jahren des 21. Jahrhunderts. Der Sutton Trust ist sich bewusst, dass die Untersuchung, auf welche Nationen sich die Nobelpreise verteilen, alleine keine umfassende Darstellung der wissenschaftlichen Leistungen in Europa und den USA erlaubt, betont aber, dass auch andere Fakten die Schlussfolgerungen der Studie belegen: "Nobelpreise liefern natürlich kein Gesamtbild. Sie sind zwar die bekanntesten, renommiertesten und am reichsten dotierten Auszeichnungen, decken aber weder Mathematik noch andere Naturwissenschaften wie Ökologie, Evolution und Raumfahrtwissenschaften ab. Die Berücksichtigung aller wichtigen Preise in der Analyse ändert jedoch nichts an der Feststellung, wonach der Anteil der Vereinigten Staaten bei über 50 Prozent liegt und das VK mit rund zehn Prozent den zweiten Platz belegt." Nach Angaben der Studie ergibt eine Erhebung über Zitate in wissenschaftlichen Veröffentlichungen das gleiche Muster: "Auch hier stammt die Hälfte der weltweiten Zitate aus den Vereinigten Staaten, und das Vereinigte Königreich nimmt mit neun Prozent den zweiten Rang ein." Der Grund für den relativen Rückgang der wissenschaftlichen Leistungen außerhalb der USA liegt aus Sicht des Sutton Trust in der unzureichenden Finanzierung der Hochschulen. Zum Vergleich der Lage in den USA mit der im VK nennt der Bericht folgende Belege für seine Behauptung: "Vor 20 Jahren gab das VK nach heutigen Preisen 10.000 GBP [14.572 Euro] pro Student für die Ausbildung an einer Hochschule aus; heute sind es nur noch 5.100 GBP [7.431 Euro]. In Amerika gilt das Gegenteil: Dort ist die durchschnittliche Finanzierung bei privaten Hochschulen pro Student in den letzten 20 Jahren von 6.000 GBP [8.743 Euro] auf über 11.000 GBP [16.028 Euro] gestiegen." Was die Zukunft angeht, zieht die Studie insbesondere für das VK ein pessimistisches Fazit: "Nobelpreise stellen eine zeitlich verzögerte Leistungsmessung dar, und angesichts des drastischen Rückgangs der finanziellen Mittel für britische Hochschulen in den letzten 20 Jahren ist es wahrscheinlich, dass Großbritanniens derzeitige Position im Vergleich zu den USA schlechter ist, als die Analyse der Nobelpreise vermuten lässt."

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