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Sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung beim Descartes-Preis 2003 ausgezeichnet

Bei der Verleihung des Descartes-Preises 2003 am 20. November in Rom wurden zwei internationale Wissenschaftlerteams für ihre Spitzenforschung mit einem Teil des Preisgelds von insgesamt einer Million Euro ausgezeichnet. Indem sie den Preis zwischen den beiden Teams aufteilte...

Bei der Verleihung des Descartes-Preises 2003 am 20. November in Rom wurden zwei internationale Wissenschaftlerteams für ihre Spitzenforschung mit einem Teil des Preisgelds von insgesamt einer Million Euro ausgezeichnet. Indem sie den Preis zwischen den beiden Teams aufteilte, zeichnete die Auswahljury bezeichnenderweise sowohl die wissenschaftliche Grundlagenforschung als auch die anwendungsorientierte Hightech-Forschung aus. Der erste Preis ging an ein Projekt zur Entwicklung von Polymer-Leuchtdioden, das zu Anwendungen wie aufrollbaren Fernseh- oder Computerbildschirmen führen könnte, und ein zweiter an ein Konsortium, das Abweichungen der Erdrotation bis auf wenige Zentimeter genau bestimmte. In seiner Rede nach der Preisverleihung bezeichnete EU-Forschungskommissar Philippe Busquin den Descartes-Preis als einmalig, da er sowohl die internationale Zusammenarbeit als auch wissenschaftliche Spitzenleistungen anerkennt. "Er zeigt auch, dass man nicht einfach zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung trennen kann. Beide Bereiche sind miteinander verbunden, denn grundlegende Untersuchungen führen unausweichlich zu nützlichen Anwendungen", fügte er hinzu. So basiert das Projekt Pledd (Polymer-Leuchtdioden für Anzeigetafeln), das 700.000 Euro vom Gesamtpreisgeld erhielt, auf einer zufälligen Entdeckung von Projektkoordinator Professor Richard Friend und seinen Kollegen an der Universität Cambridge (VK) im Jahr 1989. Als sie feststellten, dass bestimmte Kunststoffpolymere leuchten, wenn sie unter Strom gesetzt werden, erkannten sie sofort, dass hier das Potenzial für innovative Produkte besteht. In Zusammenarbeit mit einem Konsortium aus Partnern aus Belgien, Schweden, den Niederlanden und Deutschland wurde die erste praktische Anwendung einer Polymeranzeige, ein elektrischer Rasierer von Philips, entwickelt. Professor Friend erwartet, dass sich der kommerzielle Erfolg dieser Entwicklung erst in zwei bis drei Jahren einstellen wird, wenn Farbdisplays auf den Markt kommen. "Wie Sie sehen, hat es von der Entdeckung bis zur Herstellung von Anwendungen mehr als zehn Jahre gedauert. Vielleicht besteht ein zu großer Druck, um Produkte schnell zur Marktreife zu bringen, und realistischere Erwartungen wären angebrachter", sagte er. Auf die Frage, was diese Auszeichnung für ihn bedeutet, erklärte Professor Friend gegenüber CORDIS-Nachrichten: "Das ist eine große Genugtuung! Vor allem, weil es sich um einen Teampreis handelt, was sich viel mehr an der Funktionsweise der modernen Forschung orientiert. Außerdem gibt es immer noch nur wenige Preise, die Teams auszeichnen." Wie er weiter erläuterte, werde das Team das Preisgeld nutzen, um "rein wissenschaftlich motivierte Forschung" zu finanzieren. Als zweites wurde ein Projekt unter der Leitung von Professor Véronique Dehant vom Königlichen Belgischen Observatorium ausgezeichnet. Das "Nicht starre Modell der Erdnutation", das von ihrem Konsortium aufgestellt wurde, hat die Genauigkeit der Messungen der Erdrotation im Weltraum von wenigen Metern auf wenige Zentimeter verbessert, was bedeutende Auswirkungen auf die Effizienz globaler Ortungs- und Navigationssysteme wie z.B. des europäischen Galileo-Systems haben wird. Im Gespräch mit CORDIS-Nachrichten zeigte sich Professor Dehant geehrt über diese Auszeichnung der Arbeit ihres Teams: "Wir arbeiten immer hinter den Kulissen. Nur wenige Menschen wissen überhaupt, dass man die genaue Position der Erde kennen muss, um Ortungstechnologien einzusetzen." Das nächste Ziel für das Konsortium aus Partnern aus Belgien, Frankreich, Polen, Spanien, Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik, der Ukraine und Russland ist die Anwendung der gleichen Methodik auf den Mars, wobei man sich Aufschlüsse darüber erhofft, warum der Schwesterplanet der Erde einen ähnlichen geschmolzenen Kern besitzt. Das Descartes-Preisgeld von 300.000 Euro wird für diese Maßnahme eingesetzt. Zum Abschluss der Zeremonie sagte Kommissionsmitglied Busquin, obwohl der Descartes-Preis erst vier Jahre alt sei, sei er der Meinung, dass er der europäischen Forschung bereits eine "neue Persönlichkeit" verleihe und ihren gesamten gesellschaftlichen Beitrag verdeutliche. Was die Heranführung der jungen Generation an die Wissenschaft anbelangt, sagte er: "Dieser Preis wird jungen Menschen helfen, eine Leidenschaft für die Forschung zu entwickeln, die Bedeutung und die Werte der Forschung zu verstehen und ihnen nützliche Vorbilder geben."

Länder

Belgien

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20 Oktober 2004