Europäischer Marsorbiter bestätigt Wasservorkommen auf dem Mars
Die wissenschaftlichen Instrumente an Bord des europäischen Mars-Express-Orbiters haben erste Ergebnisse geliefert, die erstmals belegen, dass Wasser in Form von Eis auf der Oberfläche des Roten Planeten vorhanden ist. Das Wassereis auf der Südpolkappe wurde vom Instrument OMEGA, einer Kombination aus Kamera und Infrarotspektrometer, entdeckt und durch Messungen mit einem zweiten Spektrometer mit höherer Auflösung bestätigt. Vor dem 23. Januar, dem Tag, an dem diese Daten gesammelt wurden, hatte es nur indirekte Hinweis auf Wasser in der Nähe der Marsoberfläche gegeben. "Das war gerade ein Aha-Erlebnis", so Professor David Southwood, Direktor der wissenschaftlichen Abteilung bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA, im Anschluss an die Vorstellung der Ergebnisse. "Ich habe nicht damit gerechnet, heute - nur einen Monat nach der Einbringung des Orbiters in die Marsumlaufbahn am 25. Dezember - so viele glückliche Wissenschaftler versammeln zu können, die darauf brennen, ihre ersten Ergebnisse zu präsentieren." Laut Professor Southwood habe man zum jetzigen Zeitpunkt, da in der südlichen Hemisphäre des Mars Sommer ist, nicht mit diesen Ergebnissen gerechnet. Im Übrigen könne man jetzt noch nicht bestätigen, ob das Eis bedeutet, dass der Pol kälter ist, als ursprünglich angenommen, oder ob lediglich mehr Wasser vorhanden ist. Außerdem lieferte das Analysegerät ASPERA den Wissenschaftlern neue Aufschlüsse über die Auswirkungen des Sonnenwinds auf die Atmosphäre des Planeten. Es verzeichnete Sauerstoffionen, die wahrscheinlich aus dem Wasserdampf in der Atmosphäre stammen und von den elektrisch geladenen Teilchen im Sonnenwind aus der Atmosphäre befördert wurden. Die Wissenschaftler der ESA legten zudem erstaunliche Bilder vor, die von der hochauflösenden Stereo-Kamera HRSC an Bord von Mars Express aufgenommen wurden. Die vollständige Aufnahme zeigt rund 1,87 Millionen Quadratkilometer Marsoberfläche. Dort sind Kanäle und Senken erkennbar, die jenen ähneln, die auf der Erde durch Wassererosion entstanden sind. "Ich glaube, wir können bestätigen, dass Wasser die Marsoberfläche verändert hat", sagte Gerhard Neukum, der für die HRSC zuständig ist. Edelgard Bulmahn, die deutsche Bundesministerin für Forschung und Bildung und derzeitige Vorsitzende des ESA-Ministerrats, sagte: "Europa kann stolz sein auf diese Mission: Mars Express ist ein riesiger Erfolg für das europäische Weltraumprogramm." Gleichzeitig konnten die Wissenschaftler der US-amerikanischen NASA am 25. Januar einen neuen Erfolg verzeichnen, als sie ihren zweiten Rover "Opportunity" erfolgreich auf der Marsoberfläche absetzten. Zuvor hatten sie einen Rückschlag erlitten, denn im Speicher des anderen NASA-Rovers "Spirit" war ein Fehler aufgetreten. Es wird mindestens drei Wochen dauern, bis Tests und Reparaturen abgeschlossen sind und er seine Mission fortsetzen kann. Auf den ersten Aufnahmen, die nur wenige Stunden nach der Landung von Opportunity an die Erde gesendet wurden, haben Wissenschaftler erkannt, dass das Landegerät sich in einem niedrigen Krater befindet, der den dunkelsten Boden aufweist, der bisher auf dem Mars gesehen wurde. Von besonderem Interesse ist eine Gesteinsmasse in der Nähe des Rover, die das Team der NASA zuerst untersuchen will, bevor das Landegerät in einen größeren Krater in einer Entfernung von weniger als einem Kilometer von seiner derzeitigen Position verlegt wird.