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Inhalt archiviert am 2023-01-20

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Wissenschaftler äußern ihre Ansichten zum Descartes-Preis

Mit dem Herannahen des fünfjährigen Jubiläums des Descartes-Preises möchte die Kommission das Profil ihrer berühmtesten Auszeichnung für Forschungszusammenarbeit verbessern und den Preis auf eine Stufe mit der bekanntesten wissenschaftlichen Auszeichnung der Welt, dem Nobelpre...

Mit dem Herannahen des fünfjährigen Jubiläums des Descartes-Preises möchte die Kommission das Profil ihrer berühmtesten Auszeichnung für Forschungszusammenarbeit verbessern und den Preis auf eine Stufe mit der bekanntesten wissenschaftlichen Auszeichnung der Welt, dem Nobelpreis, stellen. Die Frage, wie dieses Ziel erreicht werden könne, war Gegenstand vieler Diskussionen unter den Gästen einer Galaveranstaltung, die am 12. Juli in Brüssel zur Feier des fünfjährigen Bestehens des Preises ausgerichtet wurde. CORDIS News sprach mit früheren Gewinnern, derzeitigen Finalisten sowie Mitgliedern der Grand Jury, um ihre Ansichten zum aktuellen Status des Preises zu hören sowie zu erfahren, auf welche Weise sie sich eine Verbesserung des Status vorstellen könnten. Als ersten Schritt zu einer Entscheidung über die Vorgehensweise bat die Kommission den Europäischen Forschungsbeirat (EURAB), Empfehlungen auszuarbeiten, wie das Profil und die Bedeutung des Preises verbessert werden können. CORDIS News sprach mit der Vorsitzenden des EURAB, Prof. Helga Nowotny, und bat sie, die Schlussfolgerungen des Beirats zusammenzufassen. "Zunächst einmal sind wir der Ansicht, dass die Preisverleihung im Stil einer Oscar-Verleihung für einen Wissenschaftspreis nicht angemessen war. Bei einer Preisverleihung sollten die Preisträger wohlüberlegte Reden halten und nicht nur kurze Danksagungen äußern. Wir schlagen zudem ein anderes Auswahlverfahren vor, so dass nicht mehr nur selbst eingereichte Bewerbungen, sondern auch Nominierungen durch Universitätsdirektoren, Forschungszentren und Wissenschaftsakademien berücksichtigt werden", gab Prof. Nowotny an. Des Weiteren empfahl der EURAB, dass zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades der Preisverleihung das Staatsoberhaupt desjenigen Landes, in dem die Verleihung stattfindet, sowie der EU-Forschungskommissar anwesend sein sollten. Auch würde eine Veranstaltung, bei der wichtige und aktuelle politische Fragestellungen von Politikern und Preisträgern diskutiert werden, zur Erhöhung des Status des Preises beitragen, glaubt der EURAB. Prof. Nowotny fügte hinzu: "Wenn wir möchten, dass der Preis ein besseres Ansehen erhält, müssen wir vor allem weiter mit gutem Beispiel vorangehen und die besten Preisträger auswählen." Ein Mitglied des Gewinnerteams aus dem Jahr 2001, Professor Michael North vom King's College London, Vereinigtes Königreich, hält derartige Empfehlungen jedoch im besten Fall für übereilt und meint, dass sie im schlimmsten Fall sogar das Ansehen des Preises schädigen könnten. "Ich denke nicht, dass die Kommission mit dem Descartes-Preis viel falsch macht. Ich bin der Ansicht, dass sie nur eine Zeit lang so weitermachen und dem Preis die Möglichkeit geben muss, sich zu entwickeln", erklärte er gegenüber CORDIS News. "Die Kommission möchte, dass der Descartes-Preis in Wettbewerb mit dem Nobelpreis tritt, der bereits seit über 100 Jahren verliehen wird. 5 Jahre sind einfach noch nicht genug, damit dies Realität wird. Man sollte noch weitere 20 Jahre abwarten. Wenn der Preis alle fünf Jahre verändert wird, verwirrt man die Leute nur und der Preis kann sich niemals etablieren", fügte er hinzu. Professor North ist der Ansicht, dass der Descartes-Preis bereits dabei ist, bekannter zu werden, insbesondere bei einem bestimmten Typ von Wissenschaftlern: "Ich vermute, dass die meisten allein arbeitenden Wissenschaftler noch nie etwas von diesem Preis gehört haben. Im Team arbeitende Forscher werden den Descartes-Preis jedoch mit größter Wahrscheinlichkeit kennen und sehr schätzen", gab er an. Professor Edward van den Heuvel vom astrophysischen Institut Anton Pannekoek in den Niederlanden weiß über den Preis und seine Bedeutung besser Bescheid als kaum jemand anderes. Nachdem er 2002 selbst mit seinem Team den Preis gewann, ist er nun Mitglied der Grand Jury für den Descartes-Preis. Seiner Meinung nach verbreiten sich die Informationen über den Preis bereits immer stärker: "Es wissen schon viel mehr Leute davon, denn die Universitäten machen Werbung, die Medienabdeckung wird immer besser und Brüssel verbreitet die Informationen in viel stärkerem Maße in Europa." Die Kommission hat beschlossen, dass bei der diesjährigen Preisverleihung ein gesonderter Preis für Wissenschaftskommunikation verliehen werden wird, und machte den Vorschlag, diesen ebenfalls Descartes-Preis zu nennen. In diesem Punkt stimmt Professor van den Heuvel der Empfehlung des EURAB zu. "Einen zweiten Descartes-Preis - für Wissenschaftskommunikation - zu schaffen, könnte sich als sehr verwirrend herausstellen. Ich würde ihm eher einen anderen Namen geben", erklärte er. Das einzige Szenario, bei dem er sich für mehrere Descartes-Preise aussprechen würde, wäre die Schaffung von Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien, wie z.B. Physik, Biologie und Technik, so wie es auch beim Nobelpreis der Fall ist. "Die Kommission verfügt über ausreichend finanzielle Mittel. Warum sollte sie also nicht einen Preis in jeder Kategorie vergeben? Auf diese Weise würde der Descartes-Preis sicherlich an Ansehen gewinnen", sagte er. Nachdem CORDIS News die Meinung derjenigen eingeholt hatte, die den Preis bereits genau kennen, wandte man sich an jemanden, der hofft, in baldiger Zukunft ebenfalls ein wenig vertrauter mit der Auszeichnung zu werden: Professor Peter Weinberger und seine Kollegen aus Österreich, der tschechischen Republik sowie Ungarn wurden vor kurzem als Finalisten für den Preis 2004 ausgewählt. Professor Weinberger erklärte, was ein Gewinn für sie bedeuten würde. "In den 15 Jahren unserer Zusammenarbeit haben wir 75 Abhandlungen veröffentlicht, was fast einem kleinen Max-Planck-Institut entspricht. Der Preis wäre eine willkommene Anerkennung unserer Leistung", erklärte Professor Weinberger. Er ist jedoch der Ansicht, dass der Descartes-Preis dem Nobelpreis noch nicht ebenbürtig ist: "Wenn man beispielsweise Nobelpreisträger in den USA ist, wird man über Nacht zum Helden. Der Descartes-Preis lässt jedoch noch niemanden berühmt werden und bevor es soweit ist, muss ihm auch noch viel mehr Aufmerksamkeit von den Wissenschaftsjournalisten zuteil werden." Für Professor Weinberger sind die Diskussionen darüber, wie dem Preis eine größere Bedeutung gegeben werden kann, allerdings nicht mehr von Bedeutung, wenn er und seine Kollegen bei der Preisverleihung im Dezember im Prager Schloss einen der Preise erhalten sollten, die mit insgesamt 1 Million Euro dotiert sind. "Es ist leicht zu begreifen, dass die tschechische und ungarische Wissenschaft immer noch viel zu wenig unterstützt wird. Ein Postdoktorand kostet jedoch zwischen 45.000 und 60.000 Euro, wo auch immer. Für den Descartes-Preis bewerben sich etwa ein Dutzend Postdoktoranden, so dass im Hinblick auf unsere langfristige Zusammenarbeit der Gewinn einen enormen Unterschied für die Zukunft ausmachen würde ", schloss er.

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