Südafrikanischer Minister: "Bedeutung der IST 2004-Veranstaltung reicht weit über Europa hinaus"
Bei der Veranstaltung IST (Technologien der Informationsgesellschaft) 2004, die vom 15. bis 17. November in Den Haag stattfand, wurde nicht nur kollaborative europäische Forschung vorgestellt, sondern auch die Möglichkeit geboten, die Kooperation Europas mit globalen Partnern zu bewerten und zu fördern. Unter anderem kamen Delegationen aus China, Indien, Südafrika, Russland und Lateinamerika in die Niederlande, um die Bedeutung strategischer internationaler Partnerschaften zu unterstreichen und politische Entscheidungsträger und Forscher in Europa zu motivieren, die bestehenden und möglicherweise zukünftigen Gelegenheiten zur Zusammenarbeit bestmöglich zu nutzen. Am Eröffnungsmorgen der Konferenz erklärte der südafrikanische Minister für Wissenschaft und Technologie Mosibudi Mangena vor den Organisatoren und Delegierten, dass die Bedeutung von IST 2004 weit über Europa hinausreiche, auch bis in sein eigenes Land hinein. "Bei den Veranstaltungsthemen wird ein großer Schwerpunkt auf internationale Kooperation gelegt, was sehr wichtig ist", erklärte er. "In Europa wurde der Zugang zu Informationen durch IKT [Informations- und Kommunikationstechnologien] drastisch verbessert und es besteht ein enormes Potential, in Entwicklungsländern genauso vorzugehen." Mangena erklärte, das sein Land Anstrengungen unternehme, die schwache IKT-Infrastruktur Afrikas zu verbessern, insbesondere in Bezug auf Humanressourcen und Rechtsvorschriften. Er betonte außerdem, dass die Partnerschaft von Entwicklungsländern mit der EU für beide Seiten von Vorteil sei, da viele der bestehenden Probleme globaler Natur seien und nur durch internationale Kooperation gelöst werden können. "Unser Ziel sollte der Aufbau einer globalen Informationsgesellschaft sein, um eine inklusivere und sichere Umwelt für alle Bürger dieser Erde zu schaffen", schloss der Minister. In einem Interview mit CORDIS News betonte Johan Eksteen, Koordinator der IST-Aktivitäten für Südafrikas größtes Forschungsinstitut CSIR, dass die Teilnahme am Rahmenprogramm der EU zwar eine gute Möglichkeit sei, die nationalen Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) zu ergänzen, dass der wesentliche Vorteil der Partnerschaft jedoch im Beitrag zum Aufbau von Erstklassigkeit in der südafrikanischen Forschungslandschaft liege. Eksteen stellte außerdem Gemeinsamkeiten zwischen Südafrika und der EU heraus: "Im Forschungsbereich möchten wir gerne Sprachtechnologien entwickeln, da in unserem Land 11 offizielle Sprachen gesprochen werden und wir entsprechende Technologien brauchen, um Menschen in ihrem Recht zu bestärken, ihre eigene Sprache zu verwenden. In der EU gibt es ähnliche multilinguale und multikulturelle Schwierigkeiten. Darüber hinaus gibt es innerhalb Südafrikas große wirtschaftliche Unterschiede, wie es auch in der erweiterten EU der Fall ist. In beiden Regionen werden IKT als Wegbereiter in sozialen und wettbewerbsbezogenen Fragen betrachtet". Praktisch gesehen, erklärte Eksteen, komme Südafrika erst seit der Einführung des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) als gleichwertiger Partner für eine Beteiligung in Frage und sowohl in der EU als auch in seinem eigenen Land seien sich die Menschen dieser Veränderung möglicherweise nicht voll bewusst. "Daher ist in beiden Regionen die Schaffung eines Bewusstseins sowie der Aufbau von Netzwerken von zentraler Bedeutung." Eksteen ist der festen Überzeugung, dass erfolgreiche Gemeinschaftsprojekte von internationalen Partnern in erster Linie nicht aus guten Ideen entstehen, sondern vielmehr aus der Existenz von internationalen Forschernetzwerken und -konsortien. "Es muss ein stärkerer Schwerpunkt auf das Marie Curie-Instrument gelegt werden, da dessen geringer Bekanntheitsgrad immer noch für Schwierigkeiten sorgt. Bei einer reibungslosen Funktionsweise würde es sich um ein großartiges Mittel zum Netzwerkaufbau handeln", erklärte er. Ein weiteres wichtiges Mittel zum Netzwerkaufbau ist Europas leistungsstarkes globales Forschungsnetzwerk GÉANT. Bei der Konferenz wurde bekannt gegeben, dass Südafrika der Initiative beitreten wird. "Vor zwei Jahren äußerte unsere Regierung Interesse an einer Beteiligung an GÉANT, da Forschungsnetzwerke wichtige Unterstützungsfaktoren in vielen Forschungsbereichen sind. Die Kommission war sehr entgegenkommend und unterstützte diese Idee", erklärte Eksteen. Sobald die bestehenden Probleme um das südafrikanische nationale Forschungsnetzwerk und die internationale Bandbreitenverfügbarkeit gelöst seien, müsse irgendwann im Jahr 2005 die vollständige Integration möglich sein, so Eksteen. Bei den Konferenzgesprächen über eine IST-Kooperation zwischen der EU und China konzentrierte man sich auf die Initiative "Digital Olympics", in deren Rahmen die Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnern bei der Entwicklung von Enabling Technologies für die Olympischen Spiele 2008 in Peking unterstützt wird. Chen LinHao, Koordinator für europäische Angelegenheiten im chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie, erklärte, dass die Initiative auf der Grundlage einer langfristigen IST-Kooperation mit der EU eingerichtet worden sei. Im Rahmen der Initiative wurden bisher acht vorrangige Themenbereiche für gemeinsame Projekte identifiziert, u.a. öffentliche Informationsdienste, mehrsprachige Anwendungen, intelligente Transportsysteme und Notdienste. Die chinesische Delegation gibt an, dass bisher mehr als 100 Vorschläge und Ideen von potentiellen Teilnehmern eingereicht wurden. "Es ist wichtig, dass den Menschen die Möglichkeit der Kooperation unter der Digital Olympics-Initiative bewusst gemacht wird. Wir müssen jedoch auch über 2008 hinaus blicken und erkennen, dass Forschungsprojekte auch außerhalb des olympischen Rahmens eingerichtet werden können", erklärte LinHao. Gegenüber CORDIS News gab er an, dass nur ausgereifte Technologien für die Olympiade 2008 in Frage kommen, dass jedoch einige unter der Initiative zur Diskussion stehenden Ideen eine weitaus längere Realisierungszeit benötigen: "Wir sollten diese Gelegenheit nutzen, um über das Jahr 2008 hinausreichende Projekte zu schaffen - wir wollen nicht nur digitale Olympische Spiele, sondern ein digitales Peking und ein digitales China." LinHao bezeichnete die Rahmenprogramme als eine gute Kooperationsplattform für die EU und China, erklärte jedoch, dass er sich Instrumente wünsche, die "flexibler sind und uns die Möglichkeit geben, mehr zu tun". Er fügte hinzu, dass der übliche Zeitrahmen von sechs Monaten zur Genehmigung von Projekten verkürzt werden könne. Ein weiteres Land, Indien, wurde von Peter Zangle, dem stellvertretenden Generaldirektor der GD Informationsgesellschaft der Kommission, als ein europäischer Schlüsselpartner bezeichnet, insbesondere im Bereich IKT. Bei der Konferenz ermutigte er die Mitglieder der indischen Delegation, mehr Verbindungen zu europäischen Forschern aufzubauen und die "fruchtbare Partnerschaft" der beiden Partner aufrechtzuerhalten. R. Madhukar Abhyankar, indischer Botschafter bei der EU, in Belgien und Luxemburg, bezeichnete den Ansatz seines Landes in Bezug auf internationale Partnerschaften als "Wettbewerbsfähigkeit durch Kooperation". "Daher sind wir der Ansicht, dass die Lissabon-Ziele der EU der alternden Bevölkerung Europas sowie dem Mangel an Qualifikationen - sowohl im Bereich Forschung als auch IKT - entgegengesetzt werden müssen", erklärte er. Professor S. Sadagopan, Leiter des Indian Institute of Technology, bezeichnete IKT als eine grundlegende Technologie, die sich auf alle anderen Industrien auswirken könne, "wie z.B. auf Indiens große Textilindustrie oder auch die Diamanten-, Granit- und Obstindustrie. Daher ist Indien so optimistisch in Bezug auf IKT", erklärte er. Professor Sadagopan betonte die vielen gemeinsamen Werte Indiens und der EU, wie Demokratie, Multikulturalismus, Mehrsprachigkeit sowie eine lange Bildungs- und Forschungstradition. "Der nächste Wachstumsmotor für Indien wird die EU sein, wohingegen der Wachstumsmotor für die EU Asien, einschließlich Indien und China, sein wird. [...] IKT sind ein Ausgangspunkt, doch die europäisch-indische Partnerschaft kann viel weiter gehen, da sich IKT auf sämtliche Wirtschafts- und Regierungsbereiche auswirken. Es gibt noch viel zu tun, aber dies ist nicht schwierig - wir müssen lediglich institutionelle Instrumente einführen, mit denen Kooperation besser gefördert wird", schloss er.
Länder
China, Indien, Südafrika