Kommission: Boden muss dringend geschützt werden
"Wir betrachten Boden als garantiert, doch es handelt sich um eine endliche Ressource, die in Zukunft vielleicht nicht mehr da ist oder nicht die gleiche Qualität hat", erklärte Catherine Day, Generaldirektorin der GD Umwelt. Bei einer Pressekonferenz im Europäischen Parlament anlässlich der Vorstellung des ersten "Bodenatlas Europa" begrüßte Day die Initiative als hervorragendes Kommunikationsinstrument, um mehr Bewusstsein zu schaffen und die Botschaft der breiten Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern zu verdeutlichen. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", meinte sie. EU-Forschungskommissar Janez Potocnik stimmte ihr zu und erklärte: "Wir unterschätzen eindeutig den Beitrag des Bodens zu unserer biologischen Vielfalt, aber wenn wir ihn nicht besser schützen, werden wir seine Bedeutung bald auf die denkbar schlechteste Weise erfahren - indem wir mit den Problemen konfrontiert werden, die durch seinen Verlust entstehen. Werkzeuge wie dieser Bodenatlas sind eine unschätzbare Hilfe für politische Entscheidungsträger, wenn es darum geht, Maßnahmen für den Bodenschutz in Erwägung zu ziehen, und für die breite Öffentlichkeit, weil er für die Bedeutung des Bodens sensibilisiert." Der Bodenatlas Europa enthält harmonisierte und vergleichbare Bodendaten aus mehr als 40 europäischen und angrenzenden Ländern und ist das Ergebnis der extensiven Zusammenarbeit von Bodenwissenschaftlern aus über 40 Bodeninstituten. Wie Arwyn Jones, der Wissenschaftler, der die Arbeiten an dem Atlas leitete, erklärte, sind in der EU schätzungsweise 52 Millionen Hektar, also mehr als 16 Prozent der gesamten Landfläche, von einer qualitativen Verschlechterung betroffen. In den neuen Mitgliedstaaten beträgt die Zahl 35 Prozent. "Die Botschaft, die wir vermitteln wollen, ist, dass wir zurzeit zwar die landwirtschaftliche Produktion erhalten können, doch wenn sich etwas Wesentliches verändert, wie z.B. das Klima oder die Nutzungsart von Land, trägt dies zu Wüstenbildung und Verlust von Boden bei", erläuterte Dr. Jones, Mitarbeiter des Instituts für Umwelt und Nachhaltigkeit der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) der Europäischen Kommission. "Noch ist die Situation nicht dramatisch", fuhr er fort, "doch sie könnte verbessert werden, und die politischen Entscheidungsträger in Ländern wie Griechenland, Portugal, Spanien und Süditalien müssen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, da die ernsthafte Gefahr der Wüstenbildung besteht." In dem Atlas werden die größten Gefahren für Böden beschrieben. Diese sind Urbanisierung, Verschmutzung, Erosion, Versalzung, Bodenverdichtung, Überschwemmungen und Erdrutsche. Darüber hinaus werden durch die Kartierung der wichtigsten Bodenfunktionen die komplexen Wechselbeziehungen zwischen der Verschlechterung der Bodenqualität und den Gefahren für die menschliche Gesundheit und Sicherheit veranschaulicht. Boden muss geschützt werden, denn er ist ein natürliches, lebendes System, das für die Tätigkeiten des Menschen und für ökologische Funktionen äußerst wichtig ist. Er entsteht über sehr lange Zeiträume und ist, wenn er einmal zerstört ist, für die jetzige und für künftige Generationen unwiderruflich verloren. "Wenn man das ökologische Gleichgewicht durcheinander bringt, bringt man alles durcheinander", erklärte Dr. Jones und fügte hinzu: "Der Atlas ist nützlich, um darauf aufmerksam zu machen, dass es Probleme mit dem Boden gibt. Nun liegt es an den politischen Entscheidungsträgern, Maßnahmen zu entwickeln, um die Gefahren einzudämmen und die Qualität des Bodens zu verbessern." Die Informationen des Atlas würden zur Erarbeitung der bis Ende 2005 geplanten thematischen Strategie für den Bodenschutz genutzt, zu der auch eine Boden-Rahmenrichtlinie gehöre, erläuterte Day. "Der Mensch, [...] trotz seines kunstvollen Strebens und seiner vielen Errungenschaften, verdankt seine Existenz einer dünnen Schicht von Mutterboden [...] und der Tatsache, dass es regnet", schloss Potocnik.
Länder
Griechenland, Spanien, Italien, Portugal