International Council for Science startet Forschungsinitiative zu Naturkatastrophenschutz
Angesichts der Tatsache, dass die wissenschaftliche Forschung "ihr Potenzial, einige der dringlichsten gesellschaftlichen Probleme anzugehen, nicht ausgeschöpft" habe, kündigte das International Council for Science (ICSU) eine Strategie zur Förderung der Wissenschaft im Dienste der Gesellschaft an. Der Plan unterstützt schwerpunktmäßig interdisziplinäre Forschung in Schlüsselbereichen, für die noch kein kohärentes politisches Programm vorliegt, zum Beispiel nachhaltige Entwicklung, die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf Umweltprozesse und die Linderung der Folgen von Naturkatastrophen wie das jüngste Erdbeben in Südasien, der Tsunami im Indischen Ozean oder der Hurrikan Katrina. "Die Wissenschaftler müssen der Politik besser kommunizieren, was sie wissen, aber sie müssen auch herausfinden, welche Informationen die Politik brauchen könnte", so die ICSU-Präsidentin Jane Lubchenco. "Der Tsunami und die Hurrikane Katrina und Rita haben gezeigt, welche katastrophalen Folgen die Zerstörung natürlicher Sturmbarrieren wie Feuchtgebiete, Mangroven und Korallen für Menschen und Eigentum hat", so Lubchenco weiter. "Wenn die Küstenentwicklung die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die zentralen Schutzfunktionen dieser Ökosysteme ignoriert, dann bedeutet das eine noch stärkere Gefährdung der Menschen." Die neue Strategie basiert auf Expertenberichten und Konsultationen, die von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Institutionen rund um die Welt erstellt bzw. durchgeführt wurden, und baut auf den aktuellen ICSU-Programmen zur Koordinierung der Umweltforschung, dem Schutz der Freiheit der Forschung und der Verbesserung des Zugriffs auf Daten und Informationen auf. Gordon McBean, Leiter der ICSU-Scoping Group zum Thema Katastrophenschutz, erläuterte die jüngste Initiative: "Wir können Hurrikane oder Tsunamis oder andere extreme Naturereignisse nicht verhindern. Aber wenn es uns gelingt, den richtigen Forschungsmix - Forschung, die Disziplinen wie Ingenieurwesen, Klima, Gesundheit und Sozialwissenschaften vereint - und einen besseren Weg zu finden, wie wir die Erkenntnisse dieser Forschung in die politischen Prozesse integrieren, dann können wir viel menschliches Leid und hohe wirtschaftliche Verluste vermeiden." Laut Dr. McBean kann die Initiative nur erfolgreich sein, wenn sie zwei besondere Herausforderungen meistert: Erstens muss erforscht werden, warum es anscheinend immer mehr Naturkatastrophen gibt und welche menschlichen Aktivitäten deren Auswirkungen verstärken oder abmildern können. Zweitens müssen die Wissenschaftler ein Kommunikationsproblem lösen: "Es gibt viele Anzeichen, dass Politiker manchmal aus Unwissenheit handeln oder einfach die relevanten wissenschaftlichen Beweise für das ignorieren, was notwendig ist, um Verwüstungen durch ein vorhersehbares Naturereignis wie einen Hurrikan zu verhindern", führt Dr. McBean aus. "Wir müssen uns neue Wege überlegen, wie wir den politischen Entscheidungsträgern wissenschaftliche Erkenntnisse so kommunizieren, dass sie verstehen, wie sie diese Daten in ihre Politikprozesse integrieren sollen." Im Hinblick auf dieses letztgenannte Ziel konzentriert sich ein wesentlicher Bestandteil der Katastrophenschutz-Initiative auf die Verankerung von wissenschaftlicher Beratung bei Endverbrauchern, zum Beispiel lokale, regionale und nationale Regierungen, Entwicklungsagenturen oder Hilfsorganisationen. Das letztendliche Ziel, so der ICSU, sei jedoch die Schaffung eines internationalen gemeinsamen Forschungs- und Kommunikationsprogramms, das auf zehn Jahre oder länger angelegt ist.