NESTA-Bericht fordert stärker praxisbezogenen naturwissenschaftlichen Unterricht an Schulen
Der jüngste Bericht der britischen National Endowment for Science, Technology and the Arts (NESTA) fordert einen stärker praxisbezogenen Unterricht in den Naturwissenschaften an Schulen. Es wird davor gewarnt, aus Gesundheits- und Sicherheitsbedenken auf Versuche zu verzichten. In ihrem Bericht mit dem Titel "Real Science" vertritt die NESTA die Ansicht, dass naturwissenschaftliche Grundkenntnisse zusammen mit Lesen, Schreiben und Rechnen als Eckpfeiler des Bildungssystems betrachtet werden sollten. Derzeit jedoch, so der Bericht, behinderten Missverständnisse bezüglich Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften und der gedrängte Lehrplan die Durchführung wichtiger praktischer Experimente. "Allzu oft gelingt es beim Lehren und Lernen von Naturwissenschaften nicht zu vermitteln, wie spannend es sein kann, etwas Unbekanntes, sozusagen das 'Wunder der Wissenschaft', zu erkunden", bedauert die NESTA. "Das kontinuierliche Ungleichgewicht zwischen Theorie und praktischer Erkundung in den naturwissenschaftlichen Schulfächern vermittelt oft den Eindruck, dass es in der Wissenschaft nur um bestimmte bereits bekannte Fakten geht." Eine von der NESTA bei ICM Research in Auftrag gegebene Umfrage in Zusammenhang mit dem Bericht bestätigt dessen Erkenntnisse. In der Umfrage unter 500 Lehrern an weiterführenden Schulen im ganzen VK meinten 64 Prozent, dass der Zeitmangel im Lehrplan das größte Hindernis für einen praktischeren naturwissenschaftlichen Unterricht sei. 87 Prozent erklärten, sie hätten mindestens einmal die Schüler Versuche nicht durchführen lassen, weil sie sich im Hinblick auf Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften unsicher waren. In dem Bericht werden auch einige Empfehlungen gegeben, wie die derzeitige Situation verbessert werden könnte. So werden nationale politische Entscheidungsträger nachdrücklich aufgefordert, die im Rahmen der nationalen Lehrpläne bestehenden Möglichkeiten für praktischen naturwissenschaftlichen Unterricht effektiver zu fördern und die Missverständnisse unter Lehrern bezüglich Gesundheits- und Sicherheitsrisiken auszuräumen. Förderorganisationen werden aufgefordert, Beweise für die Effektivität eines praktischeren naturwissenschaftlichen Unterrichts zu liefern, indem sie innovative Initiativen unterstützen und deren Ergebnisse auswerten. Schließlich wird an Lehrer und Schulen appelliert, sich miteinander zu vernetzen, um neue Ansätze für einen praktischen Unterricht kennen zu lernen und bestmögliche didaktische Verfahren in den naturwissenschaftlichen Fächern anzuwenden, z. B. indem Themen aufgegriffen werden, die über den traditionellen Lehrplan hinausgehen und die einen Bezug zum Alltag der Schüler haben. Der CEO der NESTA, Jonathan Kestenbaum, erklärte: "In einer hochtechnologischen Gesellschaft wie der unseren wird die Fähigkeit von Schülern, wissenschaftlich zu analysieren und zu fragen, immer wichtiger. Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse müssen daher neben Lesen, Schreiben und Rechnen ihren Platz als wichtigen Teil des Lehrplans erobern, um das Niveau an den Schulen zu heben." Die Europäische Kommission greift den Bericht auf und hebt auf ihrer Website eine von der EU geförderte Initiative hervor, die derzeit versucht, die von der NESTA genannten Punkte anzugehen. Das "Hands-on Science"-Netzwerk unter portugiesischer Leitung hat Partner in 30 Ländern und will Naturwissenschaften und naturwissenschaftliche Grundkenntnisse in Schulen in ganz Europa fördern. Um dies zu erreichen, sammelt und verbreitet das Netzwerk neue Ansätze, Informationen, Materialien, Ideen, Lehrpläne und Erfahrungen. Dazu beobachtet es abgeschlossene und laufende naturwissenschaftliche Bildungsprojekte in ganz Europa und sammelt Daten dazu, wie die Schüler Naturwissenschaften wahrnehmen.
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