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Phtalate in Bodenbelägen zugelassen, in Spielwaren jedoch verboten

Neue Vorschriften bezüglich der Verwendung von Phtalaten setzen unterschiedliche Signale, was die Sicherheit der umstrittenen Chemikalien betrifft, die in Kunststoffen als Weichmacher verwendet werden. Durch die Verwendung von Phtalaten erhalten Kunststoffe - in der Regel PV...

Neue Vorschriften bezüglich der Verwendung von Phtalaten setzen unterschiedliche Signale, was die Sicherheit der umstrittenen Chemikalien betrifft, die in Kunststoffen als Weichmacher verwendet werden. Durch die Verwendung von Phtalaten erhalten Kunststoffe - in der Regel PVC - eine größere Elastizität. Kunststoffprodukte, die Phtalate enthalten, sind in Bekleidung, Baustoffen, medizinischen Produkten, Kosmetika, Spielwaren und Lebensmittelverpackungen zu finden. Weichmacher sind seit den 1920ern auf dem Markt und werden seitdem in immer größeren Mengen hergestellt. Die weltweite Phtalatproduktion betrug 2004 über 400.000 Tonnen. Die Substanzen sind in der Herstellung preisgünstig, werden jedoch mit bestimmten gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht, wie z. B. mit hormonellen Störungen, die in Versuchen mit Ratten nachgewiesen wurden, sowie mit der Entwicklung von Allergien und Krebs bei Kindern. Am besorgniserregendsten sind die Risiken für Kinder. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zu Phtalaten haben zu keinen eindeutigen Ergebnissen geführt, da Phtalate in einigen Studien als sicher, in anderen als gesundheitsschädigend eingestuft werden. Im Jahr 1994 wurden die Untersuchungen eingeleitet. In seiner Stellungnahme von 1998 kam der Wissenschaftliche Ausschuss "Toxizität, Ökotoxizität und Umwelt" der Kommission (CSTEE) zu dem Schluss, dass Phtalate verboten werden sollten. 1999 wurde eine Empfehlung der Kommission angenommen, aufgrund derer ein temporäres Verbot erlassen wurde. In seinem über 300 Seiten umfassenden Bericht zur Risikobewertung des Weichmachers DINP kam das Europäische Büro für chemische Stoffe im Jahr 2003 zu folgendem Schluss: "Zurzeit gibt es keinen Bedarf an weiteren Informationen sowie Maßnahmen zur Bewertung oder Risikoverminderung, die über diejenigen hinausgehen, die sich bereits in Anwendung befinden" oder anders ausgedrückt sei der Weichmacher DINP im Wesentlichen sicher. Ein Jahr später (2004) erschien ein zweiter Bericht, diesmal jedoch vonseiten des CSTEE. In dem Bericht wurde darauf hingewiesen, dass mögliche Risiken in Verbindung mit der Aufnahme von Phtalaten durch Kinder, die Spielzeug in den Mund nehmen, bei der Risikobewertung nicht berücksichtigt worden sind. Durch diese Aussage war der erste Bericht überholt, sodass das Verbot für Phtalate in Spielwaren bestehen blieb. "[D]ie Rechtsvorschriften sind entsprechend den seit 1994 in der Wissenschaft erzielten Fortschritten zu ändern. In den Rechtsvorschriften werden Risiken nicht berücksichtigt, die dadurch bedingt sind, dass Produkte von Kindern in den Mund genommen werden. Dies ist nun gängige Praxis." Das Verbot von Produkten, die von Kindern in den Mund genommen werden können, trat 2005 in Kraft und betrifft "Spielzeug- und Babyartikel, die von Kindern in den Mund genommen werden können". Die Schlussfolgerungen der Kommission vom 13. April beziehen sich auf die Weichmacher DINP und DIDP. Diese seien bei jeglicher Verwendung sicher, außer bei Spielzeug- und Babyartikeln. Was den Weichmacher DBP betrifft, so hat die Kommission zusätzliche Vorschriften bezüglich der Grenzwerte für Arbeitnehmer erlassen. Der Vorsitzende des Dachverbandes European Council for Plasticisers and Intermediates ("Europäischer Verband der Hersteller von Weichmachern und Zwischenprodukten") Dr. David Cadogan erklärte: "Zu einem Zeitpunkt, zu dem die Regulierung von Chemikalien auf der politischen Agenda der EU weit oben steht, zeigen uns die Ergebnisse der Risikobewertungen der EU zu Kunststoffweichmachern, dass die Risikobewertung sowohl das Vertrauen der Konsumenten als auch der politischen Entscheidungsträger in die Verwendung der umstrittensten Chemikalien stärken kann." Es ist jedoch noch keine endgültige, von allen Seiten akzeptierte Lösung gefunden worden. Umweltgruppen wie Greenpeace treten nachdrücklich für ein vollständiges Verbot von Phtalaten ein, das möglicherweise in Zukunft durchgesetzt werden könnte, da erst noch definiert werden muss, welche Produkte von Kindern in den Mund genommen werden können. Ebenso wenig steht bislang fest, wie die anderen Weichmacher aus der Gruppe der Phtalate bewertet werden.

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