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Rote Liste: Biologische Vielfalt schwindet und Anzahl der gefährdeten Arten steigt

Die aktuelle Rote Liste der gefährdeten Arten, die von der World Conservation Union (IUCN) veröffentlicht wurde, enthält 16.199 einzelne Arten, die als gefährdet gelten. Viele der Arten auf der Liste sind sehr bekannte Tiere. Tiere, die jedes Kind auf der ganzen Welt kennt, ...

Die aktuelle Rote Liste der gefährdeten Arten, die von der World Conservation Union (IUCN) veröffentlicht wurde, enthält 16.199 einzelne Arten, die als gefährdet gelten. Viele der Arten auf der Liste sind sehr bekannte Tiere. Tiere, die jedes Kind auf der ganzen Welt kennt, wie Flusspferd, Eisbär, Gazelle und Rochen, mussten in die Liste aufgenommen werden. Schlimmer noch: 784 Arten wurden als ausgestorben erklärt und 65 weitere Arten sind ausschließlich in Gefangenschaft zu finden. Ein Drittel der Amphibien, ein Viertel der Nadelbäume und der Säugetiere und ein Achtel der Vogelarten weltweit sind vom Aussterben bedroht. Ganz gleich, ob die Gefahr direkt durch Eingriffe in die natürlichen Lebensräume oder indirekt durch den Klimawandel droht, ihre Ursache ist immer dieselbe: der Mensch. "Die Rote Liste 2006 der IUCN zeigt einen klaren Trend: Der Verlust der Artenvielfalt verlangsamt sich nicht, sondern steigt", so Achim Steiner, Generaldirektor der IUCN. "Dieser Trend hat weitreichende Auswirkungen. Er kann umgekehrt werden, wie viele Erfolgsgeschichten belegen. Um auf globaler Ebene Erfolg zu haben, brauchen wir Bündnisse in allen Bereichen der Gesellschaft. Die biologische Vielfalt kann nicht durch die Umweltschützer alleine gerettet werden. Diese Aufgabe müssen sich alle zu eigen machen, die über die Macht und die notwendigen Ressourcen zum Handeln verfügen", sagte er. Schätzungen zufolge liegt die aktuelle Verlustrate 100 bis 1.000 mal über der so genannten Hintergrundrate, also der Verlustrate, die es ohne menschliche Eingriffe gäbe. Der Verlust ist am eklatantesten in den Tropen, wo menschliche Eingriffe brutal und rücksichtslos sind und langfristige Auswirkungen haben, zum Beispiel die Abholzung der Urwälder am Amazonas. Europa ist jedoch keineswegs ausgenommen. Der Mittelmeerraum ist ein so genannter Biodiversitäts-Hotspot: Er hat 25.000 Pflanzenspezies, von denen 60 Prozent einzigartig sind. So sind zum Beispiel derzeit lediglich 20 Standorte der anchusa crispa bekannt, von der es nur noch 2.200 reife Exemplare gibt. Es gibt jedoch auch Positives zu berichten: Die Erhaltungsbemühungen in Europa zeitigen Erfolge. So konnte der Rote Milan im walisischen Grenzgebiet wieder angesiedelt werden, nachdem er fast ausgestorben war, und der Weißschwanzadler hat es innerhalb nur eines Jahrzehnts aus der Kategorie "Gering gefährdet" in die Kategorie "Nicht gefährdet" geschafft. Am stärksten gefährdet sind empfindliche Lebensräume, wie sie sich meist in sehr heißen oder sehr kalten Klimazonen befinden. Die Flora und Fauna, die sich Wüstenbedingungen angepasst hat, wurde stark dezimiert. Viele dieser Arten waren schon immer selten, lebten aber in einem labilen Gleichgewicht. Jetzt ist dieses Gleichgewicht in Gefahr. Mehrere Oryx- und Gazellenarten sind akut vom Aussterben bedroht. Weiter nördlich gefährdet das Schmelzen der Polkappen eine der bekanntesten Tierarten: den Eisbär (ursus maritimus). Sollten sich die Prognosen bewahrheiten und das Packeis im Laufe des nächsten Jahrhunderts um 50 bis 100 Prozent zurückgehen, dann wird sich der Eisbärbestand in den nächsten 45 Jahren um 30 Prozent verringern. Der Eisbär gilt heute als gefährdet. Die Demokratische Republik Kongo war einst ein Paradies für Flusspferde, der Bestand ist jedoch um 95 Prozent geschrumpft. "Regionale Konflikte und politische Instabilität in manchen afrikanischen Staaten bedeuten für viele Bewohner der Region Not und Elend, aber auch die Auswirkungen auf die Fauna waren verheerend", erklärt der Leitende Wissenschaftler der IUCN, Jeffrey McNeely. Lokale Völker bejagen das Flusspferd wegen des Fleisches und der Elfenbeinzähne. Seinem Vetter, dem Zwerg-Flusspferd, geht es noch schlechter: Es ist ein Opfer der illegalen Abholzung und gilt heute als bedroht. Neu aufgenommen in die Liste wurden Meerestiere. Haie und Rochen wurden Untersuchungen zufolge durch Überfischung dezimiert. In Europa sind der Engelshai und der Gemeine Rochen, früher auf jedem Fischmarkt zu sehen, fast ausgestorben. Der Bestand des Schlinghais, eines Tiefseefisches, ist rein durch Überfischung um 95 Prozent geschrumpft. "Es hat sich gezeigt, dass Meeresarten genau so vom Aussterben bedroht sind wie ihre Vettern zu Lande: Die verzweifelte Situation vieler Haie und Rochen ist nur die Spitze des Eisbergs", erklärt Craig Hilton-Taylor von der IUCN. Er fordert Maßnahmen zur Vergrößerung des Hai- und Rochenbestands, zum Beispiel die Ausweisung von Laichgebieten, in denen nicht gefischt werden darf, oder die Einführung von Fangquoten. Auch Süßwasserfischarten sind weltweit bedroht. In Europa sind zwischen Kroatien und der Türkei sieben karpfenartige Fischarten ausgestorben. In Afrika ist die Lage noch schlimmer - dort sind 28 Prozent der Süßwasserfische gefährdet. Libellen scheinen hervorragende Indikatoren für die Gesundheit der Umwelt sowohl über als auch unter Wasser zu sein. Die Libellenpopulationen sind in allen diesen Gebieten zurückgegangen. Die Rote Liste unterscheidet sechs Kategorien: - Ausgestorben bzw. auf freier Wildbahn ausgestorben: Vertreter dieser Arten leben eventuell in Gefangenschaft. - Stark bedroht, bedroht oder gefährdet: Diese Arten sind vom Aussterben bedroht. - Gering gefährdet: Der Bestand dieser Arten liegt nahe an der Grenze zur Gefährdung. Diese Grenze wird unter Umständen überschritten, wenn keine spezifischen Erhaltungsmaßnahmen eingeführt werden. - Nicht gefährdet: Diese Arten sind kaum vom Aussterben bedroht. - Keine ausreichenden Daten vorhanden: Es kann keine Einschätzung vorgenommen werden.

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