Skip to main content

Article Category

Nachrichten

Article available in the folowing languages:

Fast jede vierte Säugetierart vom Aussterben bedroht

Einer umfassenden neuen Studie zufolge ist etwa jede vierte Säugetierart auf dem Land und jede dritte im Meer vom Aussterben bedroht. Die Studie, die von etwa 1.800 Wissenschaftlern in 130 Ländern durchgeführt wurde, wurde auf dem Weltnaturschutzkongress der IUCN (Internationa...

Einer umfassenden neuen Studie zufolge ist etwa jede vierte Säugetierart auf dem Land und jede dritte im Meer vom Aussterben bedroht. Die Studie, die von etwa 1.800 Wissenschaftlern in 130 Ländern durchgeführt wurde, wurde auf dem Weltnaturschutzkongress der IUCN (International Union for the Conservation of Nature) in Barcelona, Spanien, vorgestellt und soll in einer in Kürze erscheinenden Ausgabe des Magazins Science veröffentlicht werden. Die Wissenschaftler trugen detaillierte Informationen zu Taxonomie, Ausbreitung, Lebensräumen, Populationsentwicklung und -ökologie jeder einzelnen Art zusammen, aber auch Informationen zur Nutzung der Arten durch den Menschen sowie zu Erhaltungsmaßnahmen. Die Studie liefert die erste umfassende Auswertung der Situation terrestrischer und maritimer Säugetiere der ganzen Welt. Aus der Analyse geht hervor, dass die Existenz von mindestens 1.141 der weltweit 5.487 Säugetierarten gefährdet ist und dass 188 von ihnen auf der Liste unter "vom Aussterben bedrohte Arten", der Kategorie für die höchste Bedrohung, geführt werden. Darunter findet sich Europas Iberischer Luchs (Lynx pardinus), dessen Population auf inzwischen 84 bis 143 Tiere geschrumpft ist. Auf der Liste sind außerdem 29 Arten geführt, die als "möglicherweise ausgestorben" gelten. "Zu unseren Lebzeiten könnten Hunderte Arten aufgrund unseres Handelns verschwinden - ein erschreckender Hinweis dafür, was mit den Ökosystemen geschieht, in denen sie leben", so Julia Marton-Lefèvre, Generaldirektorin von IUCN. "Wir müssen uns für die Zukunft klare Ziele setzen, um diese Entwicklung umzukehren und dafür zu sorgen, dass unser Vermächtnis nicht die Ausrottung vieler unserer nächsten Verwandten ist." Diese Notlage, von der 40% der Säugetiere in der ganzen Welt, und besonders in Mittel- und Südamerika, Afrika, Madagaskar sowie Süd- und Südostasien, betroffen sind, wird hauptsächlich vom Verlust und vom Rückgang des Lebensraums geschürt. Auch Raubbau ist eine ernste Bedrohung für große Säugetiere besonders in Südostasien, wo 79% der Primaten vom Aussterben bedroht sind. Meeressäugetiere sind bei uns in erster Linie durch Umweltverschmutzung, globale Erwärmung und Raubbau gefährdet. Diese neue Rote Liste enthält aber nicht nur schlechte Nachrichten. So wird mit ihr aufgezeigt, dass sich einige Arten, die kurz vor dem Aussterben standen, wieder erholen konnten und zurückkommen. Zu diesen Arten zählt das Wildpferd (Equus ferus), das noch vor 10 Jahren als "in der Natur ausgestorben" galt. Nach einem erfolgreichen Wiederansiedlungsprogramm in der Mongolei hat es den Aufstieg in die Kategorie "vom Aussterben bedroht" geschafft. Ähnlich verhält es sich mit dem Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana), der wegen der großen zahlenmäßigen Zunahme in Süd- und Ostafrika von der Kategorie "verletzlich" in die Kategorie "potenziell gefährdet" aufgestiegen ist. Trotz größter Anstrengungen hatten die Wissenschaftler einige Mühe, die Daten von über 800 Säugetierarten zusammenzutragen, was bedeutet, dass die Gesamtzahl der gefährdeten Arten sogar noch höher sein könnte. "In Wahrheit könnte sich der Anteil der gefährdeten Säugetiere auf 36% belaufen", befürchtet Jan Schipper von Conservation International und Leitautor des demnächst erscheinenden Science-Artikels. "Dies deutet darauf hin, dass in Zukunft forschungsgestützte Schutzmaßnahmen wichtiger werden, und zwar nicht nur zur Vervollständigung von Daten, mit denen wir die Bedrohung dieser wenig bekannten Arten einschätzen können, sondern auch zur Untersuchung von Mitteln zur Erholung bedrohter Arten und Populationen." Andrew Smith von der Arizona State University in den USA, Mitverfasser der Studie, erklärt, warum die Erhaltung gesunder Säugetierpopulationen so wichtig ist: "Säugetiere sind wichtig, weil sie in unseren Ökosystemen eine Schlüsselrolle spielen und weil sie den Menschen entscheidende Vorteile bringen. Verlieren wir eine Säugetierart, laufen wir oft Gefahr, auch viele andere Arten zu verlieren." Die Rote Liste der IUCN enthält derzeit mehr als 44.000 Arten, von denen knapp 17.000 (38%) vom Aussterben bedroht sind.

Verwandte Artikel