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Projekt bringt Europa über das Internet ins Klassenzimmer

Schon lange beschweren sich viele EU-Bürger, dass sie einfach die politischen Prozesse und Entscheidungen, die in Brüssel getroffen werden, nicht verstehen und auch nicht das Gefühl haben, in die Debatte über die Zukunft Europas einbezogen zu werden. Die Europäische Kommission...

Schon lange beschweren sich viele EU-Bürger, dass sie einfach die politischen Prozesse und Entscheidungen, die in Brüssel getroffen werden, nicht verstehen und auch nicht das Gefühl haben, in die Debatte über die Zukunft Europas einbezogen zu werden. Die Europäische Kommission hat einen ganzheitlichen Problemlösungsansatz ergriffen, der eine Reihe von Projekten unterstützt, einschließlich derjenigen, die neue "digitale Möglichkeiten" nutzen, um einen verstärkten Zugang zu Informationen über Europa sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit an den Debatten über seine Zukunft sicherzustellen. Ein derartiges Projekt ist das Webportal "myEurope", das Lehrer im Primär- und Sekundarbereich dabei unterstützt, jungen Menschen die Europabürgerschaft durch die Bereitstellung IKT-basierter (IKT - Informations- und Kommunikationstechnologien) Klassenzimmeraktivitäten und Ressourcen näher zu bringen. Das im Mai 2000 anlässlich des 50. Jahrestags der Schuman-Erklärung gestartete Projekt umfasst ein aus 5.000 Schulen bestehendes Netzwerk, das die EU-25, Bulgarien, Rumänien, die Türkei, Kroatien und die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien abdeckt. Laut Petru Dumitru, dem Koordinator von "myEurope", ist das Netzwerk seit seiner Einführung maßgeblich daran beteiligt, die europäischen Schulen mit der EU vertraut zu machen. Im Jahr 2002 erhielt es Finanzierungsmittel in Höhe von 300.000 Euro von der Europäischen Kommission unter dem Aktionsplan zur Erweiterung der EU für die Koordinierung des Europäischen Frühlings 2002 und 2003. Diese Veranstaltung soll jungen Menschen die Gelegenheit bieten, sich über aktuelle europäische Themen zu informieren und Gehör zu verschaffen. Seither hat es weiterhin Kontakte zwischen Lehrern und ihren Klassen aus den alten Mitgliedstaaten, den neuen Mitgliedstaaten und den Bewerberländern gefördert und Schüler an Debatten über die Herausforderungen für die EU beteiligt. "Dem Netzwerk ist es gelungen, die Vielfalt Europas über das Internet ins Klassenzimmer zu bringen", sagte er gegenüber CORDIS-Nachrichten. Die Online-Tools und Ressourcen, die den Lehrern über das Portal "myEurope" zur Verfügung stehen, sind so umfassend und vielfältig wie die Mitglieder des Netzwerks. Sie umfassen eine Reihe von Klassenzimmer-Unterrichtsplänen oder Projekten, die traditionellen Unterricht mit den modernen Kommunikationsinstrumenten, die über das Internet zur Verfügung stehen, kombinieren. Die Projekte können einen Tag, eine Woche, einen Monat oder länger dauern. Die Themen reichen von europäischer Staatsbürgerschaft über kulturelle Vielfalt, europäische Geographie und Geschichte bis hin zu Wissenschaft und Umwelt. Als ehemaliger Lehrer aus Rumänien entwirft Dumitru viele der Online-Aktivitäten selbst. Eine aus 24 Lehrern bestehende Beratergruppe leistet ebenfalls Beiträge zum Webinhalt von "myEurope". "Diese Unterrichtspläne oder Projekte werden sehr einfach gehalten, sodass sie leicht an die Anforderungen, Bedürfnisse und Erwartungen der Lehrer sowie den nationalen Lehrplan angepasst werden können", erklärte er. Neben Online-Aktivitäten, die an die Verwendung in einzelnen Klassenzimmern angepasst sind, initiiert "myEurope" auch größere, ehrgeizigere Initiativen wie das Eurodrawing-Projekt zur Zeichnung eines 150 Meter langen Bildes unter Beteiligung möglichst vieler Kinder aus verschiedenen Regionen der EU. Der Zeichenprozess wird über eine Webkamera auf den Webseiten des Projekts übertragen, sodass alle teilnehmenden Schulen das Zeichnen live verfolgen können. Bis zum Ende des Schuljahres - im Juni 2006 - werden sich voraussichtlich insgesamt 15 europäische Schulen am Zeichnen des Bildes beteiligen. "Bei dem Projekt geht es ausschließlich um Interkommunikation", erklärte Dumitru. "Die Kinder werden Informationen über die Stadt, in der sie wohnen, und die Erfahrung mit dem Projekt austauschen. Sie werden Freundschaften schließen und Englisch sprechen." Neben dem Entwurf von Online-Aktivitäten entwickelt "myEurope" auch so genannte "Lernobjekte". Hierbei handelt es sich um digitale Module wie eine multimediale oder interaktive Anwendung, eine Übung oder Simulation, die es dem Schüler ermöglicht, Wissen und Kompetenzen zu einem spezifischen Thema zu erwerben. Die Objekte können entweder für gemeinschaftliches Lernen und den Unterricht im Klassenzimmer oder für individuelles Lernen eingesetzt werden. Ein Beispiel ist eine Weltkarte, die sich nicht an einer Wand befindet, sondern stattdessen über einen Computer in das Klassenzimmer gebracht werden kann. Die Schüler können via Tastatur oder Maus durch Rotationen oder Zoom interaktiv von dieser Landkarte lernen. "Diese Lernobjekte sollen die vorhandenen Bücher und Mittel nicht vollständig ersetzen, sondern das Lernen attraktiver und effizienter gestalten", so Dumitru. "Mit anderen Worten, ein Lernobjekt bereichert die klassische Unterrichtsressource mit Computereinrichtungen und bringt einen gewissen Grad an Interaktivität in das Klassenzimmer." Derzeit baut "myEurope" zusammen mit Lehrern eine Datenbank mit "Lernobjekten" rund um die Europabürgerschaft in 25 Sprachen in Schulen des Netzwerks auf. Man hofft, dass diese Objekte Lehrern bei der Vorbereitung der Unterrichtsstunden rund um Staatsbürgerschaft helfen werden oder beim Unterricht in anderen Unterrichtsfächern - auch fächerübergreifend - eingesetzt werden können (z. B. Fremdsprache(n), Mathematik, Sozialwissenschaften, Geographie und Geschichte). Lehrer, die den Inhalt nutzen, können ihre Erfahrungen über Runde Tische oder durch die Einreichung eines Entwurfs einer ausprobierten Testidee austauschen. "Die Lehrer zögern häufig, ihre Erfahrungen auszutauschen", sagte Dumitru. "Aber das Netzwerk bietet ein Familiengefühl, und wenn die Lehrer über die Erfahrungen anderer lesen, sind sie eher bereit, sich zu öffnen und ihre Erfolge und sogar ihre Misserfolge auszutauschen." Auf die Frage, ob das Netzwerk eng mit den Bildungsbehörden der Mitgliedstaaten zusammenarbeite, um diese IKT-Instrumente und Ressourcen in die Lehrpläne zu integrieren, antwortete Dumitru, dies sei angesichts der vielfältigen Bildungsprogramme in Europa keine leichte Aufgabe und vielleicht auch nicht der richtige Weg. "Ich denke, es wäre besser, wenn die Instrumente von "myEurope" weiterhin ergänzend zu den vorhandenen Lehrplänen bestehen", sagte er. "Schließlich sind obligatorische Dinge manchmal nicht beliebt." Die über das Portal "myEurope" zur Verfügung stehenden Dienstleistungen und Ressourcen stimmen mit der Vision der Kommission zur Schaffung einer wissensbasierten Gesellschaft, in der mehr Europäer jeden Alters die Chance zum Erwerb neuer Kompetenzen auf einem beliebigen Niveau haben werden, überein. Dies wird der Kommission zufolge nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der EU und die Beschäftigungsfähigkeit der EU-Bürger verbessern, sondern auch soziale Eingliederung, aktive Bürgerschaft und persönliche Entwicklung fördern.

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Rumänien