Potocnik ruft Serbien zu stärkerer Beteiligung an EU-Forschung auf
"Es heißt, Wissenschaftler und Ideen kennen keine Grenzen. Politische Barrieren haben in der Forschung nichts zu suchen", sagte der EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung Janez Potocnik gegenüber der serbischen Wissenschaftsgemeinschaft am 14. Juli in Belgrad. Laut Potocnik kann Serbien im Rahmen der Forschung vollständig in die EU integriert werden. Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die Beteiligung serbischer Forscher an der EU-Forschung so attraktiv wie möglich zu machen, betonte jedoch auch, dass Serbien Reformen umsetzen müsse, um Teil der Wissenswirtschaft zu werden. "Seit jeher verfügt Serbien über eine exzellente Wissenschaftstradition, und in den vergangenen beiden Tagen konnte ich mich von der Motivation und Entschlossenheit serbischer Wissenschaftler überzeugen, diesen Ruf zu erhalten, indem sie die starke Forschungsbasis umfassend nutzen", so Potocnik. Serbien kann sich mit Nikola Tesla (1856-1943), dem weltbekannten Erfinder, Physiker, Maschinenbau -und Elektroingenieur serbischer Herkunft, rühmen. Er gilt als einer der wichtigsten Erfinder der Vergangenheit und ist weltbekannt für seine Forschung auf dem Gebiet Elektrizität und Magnetismus. Der Physiker Mihajlo Idvorski Pupin (1858-1935) ist bekannt für seine bahnbrechende Theorie zu modernen elektrischen Filtern sowie für seine zahlreichen Patente, darunter eines für die Bespulung von Telefonleitungen zum Zwecke der Reichweitenerhöhung (Pupinisierung). "Die Integration [in die EU] ist ein ehrgeiziges Ziel, das mit Hilfe der Forschung sehr viel leichter erreicht werden kann. Bei der Forschung handelt es sich um einen Politikbereich, der Türen öffnet, und wir sollten uns bewusst machen, wie enorme Forschungsanstrengungen uns allen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen", so Potocnik. Forschung fördere mehr Wissen und Verständnis, fügte er hinzu. Der Kommissar versicherte seinen Zuhörern, dass die Forschung Serbien dabei helfen werde, ein effektiver, gut funktionierender und dynamischer Staat zu werden. Des Weiteren wies er darauf hin, dass mehr Wissen Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum, Beschäftigung und Fortschritt zur Folge hat. "Ich möchte die Tür zum Europäischen Forschungsraum ganz weit öffnen. Serbien und die anderen Westbalkanstaaten sollen möglichst bald in das Siebte Rahmenprogramm eingebunden werden, sodass die europäische Integration - wenigstens in diesem Bereich - frühzeitig zur Realität wird", sagte Potocnik. Der Kommissar sagte, er werde alles Erdenkliche tun, um die Teilnahme so einfach wie möglich zu machen, und betonte in diesem Zusammenhang insbesondere eine faire und ausgewogene Finanzierung. Potocnik erinnerte sein Publikum allerdings daran, dass seine Zuständigkeit in einigen Bereichen begrenzt sei, und wies auf den komplizierten Verwaltungsapparat hin, den Serben durchlaufen müssen, wenn sie sich um ein Visum zum Besuch oder zur Aufnahme einer Arbeit in einem EU-Mitgliedsstaat bewerben. In naher Zukunft würden jedoch verschiedene Maßnahmen umgesetzt, die diese komplizierten Verfahren vereinfachen sollen, darunter ein Visum für einen Kurzaufenthalt und ein beschleunigtes Verfahren zur Genehmigung eines Visums für Forscher aus Drittländern, erläuterte er. Allerdings sei es nicht damit getan, dass die EU Änderungen zur Förderung serbischer Forscher umsetzt. Potocnik sagte ganz deutlich, dass auch auf Seiten der serbischen Regierung Reformen stattfinden müssten. "Serbien muss eine integrierte Forschungspolitik ausarbeiten, um die richtigen Rahmenbedingungen für Forschung zu erhalten", sagte er. Insbesondere müsse das Land sicherstellen, dass das richtige Klima für Investitionen des öffentlichen und privaten Sektors in die Forschung herrscht. Die Forschungskapazität müsse verbessert werden, junge Menschen müssten für die Forschung begeistert werden, die Forschung müsse im Hinblick auf Karriereaussichten attraktiv gemacht werden, Partnerschaften zwischen Hochschulen und sonstigen Einrichtungen müssten gefördert und engere Verbindungen mit der Industrie aufgebaut werden. Vor allem müsse Serbien jedoch prüfen, wie es die Beteiligung der Wirtschaft, insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), an der Forschung fördern könne, so der Kommissar. Abschließend beteuerte Potocnik sein "persönliches Engagement und seine volle Unterstützung" für die serbische Forschungsgemeinschaft.