Huygens "sieht" Steinchen auf dem Titan
Huygens, die Sonde der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), die im Januar 2005 auf der Oberfläche des Saturnmondes Titan gelandet ist, hat den Forschern auf der Erde eine unerwartete Freude beschert: Sie hat die Größe von Steinen und Steinchen auf der Oberfläche des Titan gemessen. Als man Huygens baute, ging man davon aus, dass die Sonde den Landeaufprall nicht übersteht. Doch sie blieb intakt und sendete nach der Landung noch 71 Minuten lang Daten, bis sie durch die Drehung des Titan hinter dem Horizont verschwand und so die Verbindung zum Orbiter Cassini gekappt wurde. Die neuen Informationen sind also im Wesentlichen einem Zufall zu verdanken, aber einem sehr nützlichen. "Huygens war nicht unbedingt dafür gebaut worden, den Landeaufprall zu überstehen, deshalb hatten wir uns auch nie Gedanken darüber gemacht, wie das Signal von der Oberfläche aussehen könnte", erklärte Miguel Pérez-Ayúcar, Mitglied des Huygens-Teams im European Space Research and Technology Centre (ESTEC) der ESA in den Niederlanden. Das von Cassini empfangene Signal oszillierte in unerwarteter Art und Weise, was Spekulationen über kleine grüne Männchen auf dem weit entfernten und eiskalten Mond nährte. Leider ist die Wahrheit banaler, aber dennoch hoch interessant. Das Hauptsignal, das Huygens an Cassini sendete, wurde durch Interferenzen von Huygens selbst gestört. Die Sonde kam ihrem eigenen Signal ins Gehege. Funkwellen prallten von der Außenseite der Sonde und der Oberfläche des Titan ab und vermischten sich mit den direkten Signalen der Sonde an Cassini. Die Daten veränderten sich, als Cassini um den Titan kreiste und sich dadurch der Winkel zwischen Huygens und Cassini verengte. Das Störsignal enthielt aber hochwertige Daten über das Terrain direkt vor Huygens, wobei die beobachtete Fläche unterschiedlich groß war: von einem Meter bei der Landung bis zu zwei Kilometer bei der Übertragungsunterbrechung 71 Minuten später. Um die Daten entschlüsseln zu können, mussten die Forscher zunächst herausfinden, um was genau es sich bei der Störung handelte. Das Team zog die Möglichkeit in Betracht, dass tatsächlich Huygens selbst seine eigenen Signale störte und erstellte ein entsprechendes Computermodell. Die Ergebnisse wurden dann mit dem berühmten Bild der so genannten gelben Wüste verglichen, das Huygens bei der Landung aufgenommen hatte. Es zeigte in dieselbe Richtung wie der Strahl und ermöglichte so einen genauen Vergleich. Aufgrund dieses glücklichen Zufalls konnten die Forscher ihre Annahme bestätigen. Sie wissen nun, dass die Oberfläche des Titan meist flach und mit Steinen bedeckt ist, die einen Durchmesser von fünf bis zehn Zentimeter haben. "Das ist ein Extra, das uns die Mission gebracht hat. Wir brauchten keine spezielle Ausrüstung, sondern sind durch die üblichen Kommunikationssubsystem an die Informationen gekommen", so Dr. Pérez. Diese zufällige Entdeckung wird nun höchstwahrscheinlich in künftige Missionen einfließen. "Diese Erfahrung kann sich jeder zukünftige Lander zunutze machen", erklärte Dr. Pérez, "wir brauchen nur noch einige kleinere Verbesserungen und schon haben wir eine leistungsstarke Technik." Anstatt sich jedoch auf zufällige Signale zu verlassen, kann das System so konzipiert werden, dass es dazu beitragen könnte, die chemische Zusammensetzung der Oberfläche eines Planeten zu bestimmen.
Länder
Niederlande, Vereinigte Staaten