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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Ende der Insulinspritzen für Patienten mit seltener Diabetesform

Durchbrüche in der Forschung könnten die Behandlung von Menschen mit neonatalem Diabetes revolutionieren, da viele Patienten ihre Insulinspritzen durch Tabletten ersetzen könnten. Laut Schätzungen tritt der neonatale Diabetes bei einem von 100.000 Neugeborenen auf. Er ist du...

Durchbrüche in der Forschung könnten die Behandlung von Menschen mit neonatalem Diabetes revolutionieren, da viele Patienten ihre Insulinspritzen durch Tabletten ersetzen könnten. Laut Schätzungen tritt der neonatale Diabetes bei einem von 100.000 Neugeborenen auf. Er ist durch eine Hyperglykämie (abnormal hoher Blutzuckerspiegel) während der ersten Lebenstage oder -monate gekennzeichnet und wird mit Insulinspritzen behandelt. In manchen Fällen müssen Patienten ihr ganzes Leben lang behandelt werden. In anderen Fällen verschwindet die Krankheit innerhalb von einer Woche bis einen Monat nach der Geburt, tritt dann jedoch später wieder auf. Zwei Studien, deren Ergebnisse in der neuesten Ausgabe des "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurden, haben neue Erkenntnisse zu den Ursachen des neonatalen Diabetes erbracht und zeigen auf, wie Wirkstoffe mit der Bezeichnung Sulfamide mindestens so wirksam wie Insulin in der Behandlung dieser seltenen Diabetesform sein könnten. Sulfamide sind oral einzunehmende Medikamente gegen Diabetes, die die Insulinfreisetzung erhöhen und so zu einer besseren Regulierung des Blutzuckerspiegels führen. Ein französisch-amerikanisches Team untersuchte die Genkodierung für den Sulfamidrezeptor bei einigen Kindern mit neonatalem Diabetes, der nicht durch bekannte genetische Abweichungen erklärt werden konnte. Bei neun der Kinder lagen Mutationen des Gens für den Sulfamidrezeptor SUR1 vor. Sulfamide blockieren Kaliumkanäle in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die an der Insulinfreisetzung beteiligt sind. Ist die Funktion des Sulfamidrezeptors gestört, bleiben die Kaliumkanäle offen und blockieren die Insulinfreisetzung. Die gestörten Kanäle sprechen jedoch noch auf Sulfamide an, sodass die Möglichkeit besteht, diese Kinder mit Sulfamiden anstatt mit Insulin zu behandeln. Laut Studienbericht hatten die Kinder nach der Behandlung mit Sulfonylharnstoffen wieder einen normalen Blutzuckerspiegel. In der zweiten Studie, die von der Peninsula Medical School in Großbritannien geleitet wurde, wurden Patienten untersucht, die neonatalen Diabetes aufgrund einer Mutation des Gens Kir6.2 haben, das ebenfalls an der Funktion des Kaliumkanals beteiligt ist, der die Insulinfreisetzung steuert. Die Studie fand heraus, dass in 90 Prozent der Fälle, in denen in den ersten sechs Monaten nach der Geburt eine Diagnose getroffen wurde, die Insulinspritzen durch Sulfonylharnstofftabletten ersetzt werden konnten. Das Alter der teilnehmenden Patienten lag zwischen drei Monaten und 36 Jahren und für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren ist eine Wirkung der Behandlung bereits bewiesen worden. Außerdem konnten Patienten, die zu den neuen Tabletten wechselten, ihre Krankheit besser kontrollieren. "Die beeindruckende Erkenntnis war nicht nur, dass die Patienten kein Insulin mehr nehmen mussten, sondern auch, dass in allen Fällen der Blutzucker insgesamt gesenkt wurde, ohne dass die Patienten Probleme mit einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel hatten", bemerkte Dr. Ewan Pearson von der Universität Dundee. "Es ist selten, dass Patienten so ausgezeichnet auf eine Behandlung ansprechen." "Diese Untersuchung zeigt, dass die Genetik in der Tat eine Rolle spielt - da wir die Ursache des Diabetes kannten, wussten wir, welche Tablette wirken könnte", fügte Professor Andrew Hattersley von der Peninsula Medical School hinzu. "Wir möchten jetzt mehr Menschen testen, bei denen eine Diagnose vor einem Alter von sechs Monaten gestellt wurde, um herauszufinden, ob ihre Behandlung erfolgreich umgestellt werden kann."

Länder

Frankreich, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten

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