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Buzek begrüßt Vorschlag für Europäisches Technologieinstitut

Jerzy Buzek, polnischer EP-Abgeordneter und Berichterstatter über das Siebte Rahmenprogramm (RP7), hat den Vorschlag der Europäischen Kommission für ein Europäisches Technologieinstitut (ETI) voll und ganz unterstützt. Der Vorschlag wurde am 18. Oktober von Kommissionspräsid...

Jerzy Buzek, polnischer EP-Abgeordneter und Berichterstatter über das Siebte Rahmenprogramm (RP7), hat den Vorschlag der Europäischen Kommission für ein Europäisches Technologieinstitut (ETI) voll und ganz unterstützt. Der Vorschlag wurde am 18. Oktober von Kommissionspräsident José Manuel Barroso vorgestellt. Er sieht eine zweigleisige Struktur vor: Das eigentliche ETI mit weniger als 100 Mitarbeitern sowie ein Netzwerk aus Wissens- und Innovationsgemeinschaften. Insgesamt soll das ETI sowohl aus öffentlichen als auch aus privaten Mitteln finanziert werden. Professor Buzek zufolge entspricht dieser Vorschlag im Großen und Ganzen dem, was er in seinem zweiten RP7-Berichtsentwurf präsentiert hat. Er begrüßt insbesondere den Netzwerkansatz der Europäischen Kommission für das ETI sowie den Versuch, die Bürokratie so gering wie möglich zu halten. Professor Buzek hat sich auch dafür eingesetzt, dass sich das ETI auf Innovation konzentriert und ist daher glücklich, dass der jetzige Vorschlag diesen Ansatz verfolgt. "Die Finanzierung war das Entscheidende", so Professor Buzek in einem Interview mit CORDIS-Nachrichten. Für die Einrichtung des Instituts werden rund 300 Mio. EUR aus dem Gemeinschaftshaushalt, jedoch keine weiteren Gelder aus anderen EU-Programmen, zur Verfügung gestellt. Das ist dem MdEP sehr wichtig. "Meiner Ansicht nach ist es sehr gut, dass für diese Initiative Mittel aus verschiedenen Quellen erwartet werden, zum Beispiel privates Kapital oder Gelder von Regierungen und regionalen Behörden oder Universitäten. Das ETI ist quasi eine öffentlich-private Partnerschaft und wir [im Parlament] fordern dies bei solchen Konzepten auch", erklärte Professor Buzek. Was die Studienabschlüsse betrifft, so sollten laut Professor Buzek die Wissens- und Innovationsgemeinschaften "im Bildungsbereich nicht mit unseren Universitäten konkurrieren, da diese hervorragend sind. Sie sollten in der Tat auch keine Konkurrenz im Forschungsbereich darstellen, weil unsere wissenschaftlichen Institutionen in Europa sehr gute Ergebnisse erzielen". Der Abgeordnete plädiert für ein ETI-Logo auf den Abschlüssen, die das ETI vergibt, sowie auf jedem gemeinsamen Forschungsprojekt, das über das ETI durchgeführt wird. "Wir dürfen nicht vergessen, dass das Europäische Technologieinstitut für Innovation stehen muss, dafür, dass die Forschung eng mit der Innovation verbunden ist", erklärte er. Der einzige Bereich, in dem Professor Buzek Bedenken hat, sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). "Für die KMU wird der Umgang mit solchen großen Einheiten wie den Wissens- und Innovationsgemeinschaften wahrscheinlich sehr schwer", fürchtet er. Der ursprüngliche Bericht des MdEP sah vor, dass das ETI potenziell kleinere Unternehmen unterstützt, aber dieser Punkt wurde von der Europäischen Kommission nicht übernommen. Professor Buzek ist sich darüber im Klaren, dass das ETI nicht überall in der Hochschule und der Industrie auf Gegenliebe stößt, auch wenn Barroso sich zuversichtlich gibt, dass die wichtigsten europäischen Unternehmen die Idee unterstützen. Professor Buzek glaubt jedoch, dass sich der Widerstand auflösen wird: "Wir dürfen nicht vergessen, dass vor ein paar Jahren, als die Europäische Kommission und Mitglieder des Europäischen Parlaments begannen, über Grundlagenforschung und über den Europäischen Forschungsrat zu sprechen, fast jeder gegen die Vorschläge war." Jetzt stehe die Forschungsgemeinschaft fast geschlossen hinter dem Europäischen Forschungsrat und könne es kaum erwarten, dass er die Arbeit aufnimmt. "In zwei bis drei Jahren werden wir möglicherweise erkennen, wie wichtig [das ETI] ist. Aber für mich ist es heute schon wichtig", erklärt er. Professor Buzek vergleicht das ETI mit den Technologieplattformen, die sehr beliebt sind. Sie führen Industrie und Hochschule zusammen, damit sie eine gemeinsame Forschungsstrategie formulieren und gemeinsam als Akteure handeln können. "Wenn die Wissens- und Innovationsgemeinschaften von den Akteuren selbst organisiert werden, und sich die Akteure beteiligen wollen, dann könnte das zu einem sehr guten Ergebnis führen", hofft der Abgeordnete. Auch die Abgeordneten des Europäischen Parlaments müssen unter Umständen noch von der Notwendigkeit des ETI überzeugt werden. Zwei Dinge sollten laut Professor Buzek dabei helfen: Erstens die Tatsache, dass das ETI anderen EU-Programmen keine Mittel wegnimmt, und zweitens, dass es sich auf Innovation konzentriert, nicht auf Forschung und Entwicklung. Vielleicht ließen sich die MdEP auch überzeugen, wenn im Vorschlag mehr KMU angesprochen und die Verwaltungskosten auf ein Minimum reduziert würden. Auch der Standort des Instituts könnte sich zur Streitfrage entwickeln. Professor Buzek ist zwar der Ansicht, dass diese Frage erst später geklärt werden sollte, plädiert aber schon jetzt dafür, dass das ETI in einem der neuen Mitgliedstaaten angesiedelt wird: "Wenn wir über Integration sprechen, echte Integration, nicht Erweiterung, sondern echte Integration, dann müssen wir eine oder zwei wichtige Institutionen in die neuen Mitgliedstaaten verlagern. Integration und Erweiterung sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge." Der Abgeordnete weist die Kritik, der Vorschlag der Europäischen Kommission sei vage, zurück. Im Gegenteil, er begrüßt die Tatsache, dass der Vorschlag den interessierten Parteien die Möglichkeit gibt, sich an der Debatte zu beteiligen und so zur endgültigen Gestaltung des ETI beizutragen. "Jede einzelne Wissens- und Innovationsgemeinschaft kann anders aufgebaut sein, und am Ende können wir vergleichen, was am besten ist", so Professor Buzek gegenüber CORDIS-Nachrichten. "Jetzt sind sie noch nicht festgelegt, aber das ist keine Schwäche des Vorschlags", fügte er hinzu. Der Abgeordnete ist sicher, dass das ETI eine der Antworten auf die Innovationsschwäche Europas ist. "Wir können Innovation unmöglich direkt aus dem RP7 finanzieren. Im Programm Wettbewerbsfähigkeit und Innovation dagegen wird nur Innovation finanziert, keine Forschung. Und KMU werden im Programm Wettbewerbsfähigkeit und Innovation finanziert. Aber zwischen beiden klafft immer noch eine Lücke. Meiner Meinung nach sollte es Aufgabe des ETI zu sein, diese Lücke zu schließen. Wenn die Wissens- und Innovationsgemeinschaften eine Strategie entwickeln könnten, wie diese Lücke zu schließen ist, dann wäre das ein Riesenerfolg."

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