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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Französische Präsidentschaftskandidaten wetteifern um Zielsetzungen im Bereich Forschung

Die drei führenden französischen Präsidentschaftskandidaten stellen im Wahl-Sonderteil der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" ihre Prioritäten im Bereich Forschung vor und liefern sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Anlässlich der bevorstehenden ersten Runde der f...

Die drei führenden französischen Präsidentschaftskandidaten stellen im Wahl-Sonderteil der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" ihre Prioritäten im Bereich Forschung vor und liefern sich dabei ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Anlässlich der bevorstehenden ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen hat die renommierte britische Fachzeitschrift Nicolas Sarkozy, Ségolène Royal und François Bayrou zu ihren Plänen zur Förderung der Forschung in Frankreich befragt. Diese drei Präsidentschaftskandidaten führten in den jüngsten Umfragen vor ihren sechs Konkurrenten. Alle drei sind sich einig, dass die Forschungsfördermittel erhöht werden sollten. Der konservative Kandidat Sarkozy verspricht zusätzliche Fördermittel in Höhe von 4 Milliarden Euro für die Forschung und 5 Milliarden Euro für den Hochschulbereich, während seine sozialistische Mitbewerberin um das Amt Ségolène Royal vorsieht, die Fördermittel fünf Jahre lang um zehn Prozent jährlich zu erhöhen. Der Zentrumspolitiker François Bayrou plant, den Forschungsetat um fünf Prozent jährlich innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren aufzustocken. Im Editorial von "Nature" wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass der künftige Präsident die geplanten, dringend benötigten Reformen des Wissenschaftssystems unterstützen sollte, da in diesem Bereich seit über zwei Jahrzehnten keine umfassenden Reformmaßnahmen durchgeführt worden seien. Die Fachzeitschrift fragte die Kandidaten, ob sie der Ansicht seien, dass die französische Wissenschaft nicht reformierbar sei. "Die französische Forschung muss vereinfacht sowie kohärenter und transparenter gestaltet werden", entgegnete Royal und forderte, die nationale Forschungsagentur solle Multidisziplinarität und Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor sowie die internationale Zusammenarbeit fördern. Sarkozy verwies auf seinen Beitrag bei der Einrichtung der nationalen Forschungsagentur und forderte, die Qualität der Bewertungsverfahren der Agentur weiter zu erhöhen und die Fördermittel für Forschungsprojekte zu verdreifachen. Bayrou betonte, wie wichtig es sei, der Forschung auf der politischen Agenda zunächst einmal wieder Priorität einzuräumen. Den Kandidaten wurde ebenfalls die Frage gestellt, wie sie das französische Universitätssystem reformieren würden. "Ab dem ersten Tag meines Amtsantritts werde ich mich für die Durchführung einer umfassenden Reform der französischen Universitäten einsetzen, um ihnen eine größere Autonomie einzuräumen", so Sarkozy. Dieses größere Maß an Selbstbestimmung umfasse Personalentscheidungen, die Festlegung von Gehältern und die Diversifizierung von Fördermitteln. Bayrou legt den größten Wert darauf, dass die Pro-Kopf-Ausgaben für Studenten soweit erhöht werden, dass sie zumindest den OECD-Durchschnittswert erreichen. Des Weiteren solle der Universitätsbetrieb umgestaltet werden. Royal fordert "einen rationalen, optimierten Einsatz von Ressourcen auf der Grundlage von Bewertungen" sowie verbesserte Arbeitsbedingungen für alle Forscher. Zum Thema Innovation bemerkte Royal: "Der Bereich Innovation stagniert, da die Grundlagenforschung nicht ausreichend unterstützt wurde." Bayrou plant, Abteilungen für Technologietransfer an Forschungsinstituten zu fördern und schlägt vor, Lizenzgebühren für Patente von Forschern mit Wohnsitz in Frankreich von der Einkommensteuer zu befreien. Sarkozy betonte, dass das Innovationspotenzial eines Landes nicht nur von finanziellen Anreizen bestimmt werde, sondern vor allem von der Qualität der Forschung und der Art ihrer Verbreitung. Jeder der drei Präsidentschaftskandidaten unterstützt den Europäischen Forschungsraum (EFR). Bayrou bedauerte, dass es nicht höhere Fördermittel für das Siebte Rahmenprogramm (RP7) gebe und forderte eine Aufstockung des EU-Budgets, sodass alle politischen Maßnahmen umgesetzt und Verpflichtungen eingehalten werden könnten, um "der Forschung den Impuls zu verleihen, den sie verdient". Sarkozy vertritt ebenfalls die Ansicht, dass der EFR zur Schaffung einer kritischen Masse an Forschern für große Projekte und zur Förderung von Exzellenz auf europäischer Ebene von entscheidender Bedeutung ist. Auch Ségolène Royal fordert eine Erhöhung der Forschungsfördermittel auf EU-Ebene und schlägt vor, bei öffentlichen Ausgaben für F&E eine Ausnahme vom Stabilitäts- und Wachstumspakt zu machen. Ferner verspricht sie, den Europäischen Forschungsrat und die Europäische Charta für Forscher zu unterstützen. Frankreich ist seit langem in der Weltraumforschung engagiert. "Nature" erkundigte sich ebenfalls nach den Prioritäten der Kandidaten auf diesem Gebiet. Bayrous Schwerpunkt liegt auf der "Grundlagenforschung und Erkundung des Universums" sowie auf der Globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES) und den Galileo-Systemen. Der Start von Erdbeobachtungssatelliten und internationale Programme für bemannte Weltraumflüge haben für Royal Vorrang. Sarkozy spricht sich für eine verstärkte europäische Kooperation in der Raumfahrt aus, wobei Frankreich eine Vorreiterrolle zukommen solle. Zum Abschluss des Interviews betonten Royal und Bayrou, es sei wichtig, eine öffentliche Debatte über die Wissenschaft anzuregen. "Die Wissenschaft kann sich nicht außerhalb der Gesellschaft entwickeln und im Gegensatz zu dieser stehen", so Royal. "Die Entwicklung einer Wissenschaftskultur und eine öffentliche Debatte über wissenschaftliche Themen sind von grundlegender Bedeutung." "Die Öffentlichkeit sollte durch die Medien eingehend über wissenschaftliche und technologische Fortschritte informiert werden", so Bayrou. "Auf diese Weise wird die gesamte Gesellschaft von wahrhaft demokratischen Debatten profitieren." Auf Sarkozys Prioritätenliste steht die Förderung von Universitäten, um diese auf die Rangliste der zehn besten Universitäten weltweit zu bringen. Außerdem möchte er für französische Forscher, die im Ausland tätig sind, attraktive Bedingungen schaffen, um diese zur Rückkehr nach Frankreich zu bewegen.

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