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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Wissenschaftler aus Nord und Süd setzen sich in Brüssel mit Einverständniserklärung auseinander

Das Erzielen eines Konsenses ist das Mittel der Wahl. Darauf einigte sich eine Auswahl von Wissenschaftlern und Ethikern aus Entwicklungs- und Industrieländern im Anschluss an Diskussionen über die komplexen Themen Einverständniserklärung und Doppelmoral in der Wissenschaft au...

Das Erzielen eines Konsenses ist das Mittel der Wahl. Darauf einigte sich eine Auswahl von Wissenschaftlern und Ethikern aus Entwicklungs- und Industrieländern im Anschluss an Diskussionen über die komplexen Themen Einverständniserklärung und Doppelmoral in der Wissenschaft auf einer Konferenz zu Ethik, Forschung und Globalisierung am 14. Mai. Alle Delegierten auf der Konferenz stimmten zu, dass die Durchführung klinischer Versuche zum Erlangen von Wissen ohne Betreuung der Versuchsteilnehmer unethisch wäre. Aber die Redner hatten unterschiedliche Ansichten dazu, wie sichergestellt werden kann, dass die Forschung streng ethischen Vorgaben folgt, und wie beurteilt werden kann, wann diese richtig eingehalten wurden. In einer Stellungnahme der Europäischen Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und neuen Technologien aus dem Jahr 2003 hieß es, dass die auf klinische Versuche in Industrieländern angewandten Ethikregeln auch für klinische Versuche in anderen Ländern Anwendung finden sollten (obwohl es keinen Konsens über die Verwendung eines Placebos gab). In der Praxis bedeutet die Umgebung, in der Versuche durchgeführt werden, dass Verfahren aus nördlichen Ländern nicht einfach auf südliche Länder übertragen werden können und eine Einverständniserklärung garantiert werden kann. Zwei große Probleme bei diesem Ansatz sind die Bildungsniveaus und die Wahlfreiheit zur Teilnahme an der Forschung. In vielen Fällen bietet es sich nicht an und reicht es nicht aus, einen potenziellen Teilnehmer zu bitten, ein Formular für eine Einverständniserklärung durchzulesen und dann zu unterzeichnen. Es können optische Hilfsmittel nötig sein, um zu vermitteln, worum es bei der Forschung geht. Die Erklärung muss immer durch eine unabhängige dritte Partei erfolgen, die mit den lokalen Werten vertraut ist. Andererseits führt der Einsatz von Außendienstmitarbeitern zum Erklären der Forschung und Sammeln von Unterschriften zu neuen Problemen - die Außendienstmitarbeiter werden zwangsläufig auf eine Beförderung hinarbeiten und möglicherweise annehmen, dass sie diese am ehesten erhalten, wenn sie möglichst viele Unterschriften sammeln. Ad-hoc-Kontrollen sind eine Möglichkeit, um sicherzustellen, dass die Außendienstmitarbeiter ihre Arbeit ordnungsgemäß erledigen. Selbst wenn die Forschung den potenziellen Teilnehmern völlig verständlich erklärt werden kann, können diese nicht zwangsweise eine objektive Entscheidung darüber treffen, ob sie teilnehmen möchten oder nicht, betonten mehrere Redner auf der Konferenz in Brüssel. Auch wenn die Forscher nicht bewusst versuchen, durch Anreize ein Einverständnis zu erlangen, ist die Alternative zur Teilnahme an einem Versuch - sich Gesundheitsversorgung entgehen lassen - ein indirekter Anreiz, wodurch eine freie Entscheidung verhindert wird. "Was würden wir in Brüssel tun, wenn der Zugang zu Krankenhäusern von unserer Zustimmung zur Teilnahme an Forschung abhängig wäre?", fragte Jean-Claude Ameisen vom nationalen französischen beratenden Ausschuss für Ethik und INSERM, dem nationalen Institut für Gesundheits- und Medizinforschung. Seine Lösung für die Anreizfrage in Entwicklungsländern besteht darin, nur dort klinische Versuche durchzuführen, wo der Mindeststandard bei der Gesundheitsversorgung bereits zur Verfügung steht. "Die Länder sollten wissen, dass die Bereitstellung der Versorgung oberste Priorität hat, die zweite Priorität ist die Förderung von Wissen", sagte er. Clement Adebamowo, Direktor des westafrikanischen Ethikzentrums, wies auf ein weiteres Problem im Zusammenhang mit dem Erhalt einer Einverständniserklärung hin. Seiner Erfahrung nach bevorzugen viele Menschen in Afrika einen gemeinschaftlichen Ansatz gegenüber der Freiheit, für sich selbst über die Teilnahme an Forschungsmaßnahmen zu entscheiden. Er ist der Ansicht, dass diese Präferenz durch historische und kulturelle Umstände entstanden ist, sagte aber, dass mehr Forschung nötig sei, um sie zu verstehen. Auf Fragen zur Doppelmoral antworteten die Redner, dass diese zwar exstieren würde, jedoch keine Spaltung zwischen Europa und Afrika, sondern innerhalb Europas und innerhalb Afrikas bewirken würde. In Europa gibt es ein einheitliches Verfahren zum Erlangen von Einverständniserklärungen, aber dieses ist nicht zwangsläufig für alle geeignet. In Europa gibt es auch Menschen mit niedrigem Bildungsniveau sowie viele Migranten. Es wird auch kritisiert, dass die europäischen Formulare für Einverständniserklärungen eher den Rechtsabteilungen der Krankenhäuser als den Patienten dienen würden. John Williams von der World Medical Association schloss seine Rede mit einem knappen Überblick darüber, warum gerade das Erzielen eines Konsenses zur Forschungsethik problematisch ist. Verschiedene Beteiligte werden durch unterschiedliche Ansichten und Interessen geleitet, aber die Teilung besteht nicht nur zwischen der Industrie und gesellschaftlichen Gruppen. Selbst diejenigen, die Leitlinien entwickeln, sind manchmal nicht in der Lage, sich zu einigen - einige sind einfach prinzipientreuer, während andere pragmatischer veranlagt sind. Die Konferenzteilnehmer waren sich einig, dass ein Konsens zwar schwer zu erzielen sei, aber dennoch das Mittel der Wahl sein müsse. Williams zufolge ist es auch die Aufgabe der Europäischen Kommission, etwas gegen die Doppelmoral zu unternehmen und Bemühungen zur Konsensbildung zu unterstützen. Die finanzielle Unterstützung könnte in Foren fließen, in denen die Beteiligten zusammenkommen, um einen Konsens auszuarbeiten. Die Kommission könnte außerdem bewährte Verfahren ermitteln und veröffentlichen, schlug Williams vor. Die Empfehlungen, die sich im Rahmen der Konferenz ergeben, werden der Europäischen Kommission natürlich vorgestellt. Die GD Forschung wird anschließend Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau ermitteln, die darauf abzielen, spezifische Probleme zu beseitigen und auf die Bedürfnisse in Partnerländern zu reagieren. Solche Maßnahmen werden unter dem Programm "Wissenschaft in der Gesellschaft" des Siebten Rahmenprogramms (RP7) finanziert, das für 2007 bis 2013 über einen Haushalt von 330 Mio. EUR verfügt.