Europäische Studie: Zusätzliche Bestrahlung erhöht die Erfolgsaussichten von Krebstherapien
Einer europäischen Untersuchung zufolge senkt eine Extra-Strahlendosis nach einer Brustkrebsoperation die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs erneut ausbricht. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 5 000 Brustkrebspatientinnen zehn Jahre lang begleitet. Die Mittel für das Projekt, an dem zwölf Länder und 33 europäische Forschungsinstitute beteiligt waren, wurden von mehreren europäischen und US-amerikanischen Institutionen zur Verfügung gestellt. In den Niederlanden allein, wo Projektleiter Harry Bartelink forscht, bekommt eine von neun Frauen Brustkrebs. Etwa 80 Prozent dieser Frauen unterziehen sich brusterhaltenden Operationen. Klassischerweise besteht die letzte Phase der Behandlung aus der Bestrahlung der ganzen Brust mit 50 Gy. In dieser Studie erhielten etwa die Hälfte der Patientinnen eine zusätzliche Strahlendosis von 16 Gy. Diese zusätzliche Dosis wurde direkt nach der normalen Dosis verabreicht, die über einen Zeitraum von fünf Wochen verteilt wird. Dann wurden alle Patientinnen 10 Jahre begleitet. Den Ergebnissen des Teams zufolge senkte die Zusatzdosis das Risiko der Tumorneubildung um 40 Prozent, wobei junge Frauen am meisten von dieser zusätzlichen Strahlung profitierten. Professor Bartelink erklärte in einem Gespräch mit CORDIS-Nachrichten, dass das Team noch einige Jahre warten müsse, bevor es endgültige Schlüsse über die verbesserten Überlebenschancen ziehen könne. Aber die Tatsache, dass mehr als 80 Prozent der Frauen, die die Zusatzdosis erhielten, nach zehn Jahren noch am Leben sind, sei eindeutig positiv. Die Wirkung der Zusatzdosis ist logisch: Je höher die Strahlendosis desto mehr Tumorzellen werden getötet. Forscher sind allerdings wegen der möglichen Nebeneffekte, zum Beispiel Fibrose, vor einer Dosiserhöhung zurückgeschreckt. Die Anzahl der Probandinnen, die eine Fibrose entwickelten, war allerdings nicht sehr hoch: 4,4 Prozent in der Gruppe mit der Zusatzdosis, 1,6 Prozent in der Kontrollgruppe. Eine weitere Zusatzdosis könnte vielleicht sogar noch wirkungsvoller sein, aber die Frage der Nebenwirkungen muss komplett geklärt sein, bevor nächste Schritte unternommen werden können. Professor Bartelink berichtete CORDIS-Nachrichten, sein Team erkunde derzeit neue Technologien, mit denen höhere Dosen verabreicht werden können, ohne die Gesundheit der Patienten zu gefährden. Darüber hinaus forsche man an Instrumenten, die die Strahlungssensitivität vorhersagen. Professor Bartelink: "Das Ergebnis dieser Studie hat weltweit eine Änderung der Behandlungsstrategien für Frauen mit Brustkrebs ausgelöst." Die Ergebnisse der Studie wurden in der August-Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology veröffentlicht.
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