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Inhalt archiviert am 2023-03-02

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Wissenschaftler sehen Handlungsbedarf zum Schutz von Nutztierrassen

Wenn wir einheimische Nutztierrassen erhalten wollen, besteht dringender Handlungsbedarf, warnt das International Livestock Research Institute (ILRI). Da sich Landwirte weltweit mehr und mehr auf eine kleine Zahl unterschiedlicher Nutztierrassen beschränken, sind immer mehr ...

Wenn wir einheimische Nutztierrassen erhalten wollen, besteht dringender Handlungsbedarf, warnt das International Livestock Research Institute (ILRI). Da sich Landwirte weltweit mehr und mehr auf eine kleine Zahl unterschiedlicher Nutztierrassen beschränken, sind immer mehr alte Rassen von Aussterben bedroht. Das ILRI ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, eine Reihe von Maßnahen zum Schutze dieser seltenen Nutztierrassen zu ergreifen, die häufig in Entwicklungsländern heimisch sind. Hierzu zählt etwa die Einlagerung des Erbguts in Genbanken. "Die Bestände wertvoller Nutztierarten schrumpfen in erschreckendem Tempo", so Dr. Carlos Seré, Generaldirektor des ILRI. "Häufig wird uns der eigentliche Wert einer Rasse erst bewusst, wenn sie bereits vom Erdball verschwunden ist. Daher müssen wir jetzt aktiv werden, um die genetischen Informationen aussterbender Rassen in Genbanken zu speichern, bevor es zu spät ist." Landwirte konzentrieren sich heute auf stark verbreitete Rassen, weil diese höhere Erträge verheißen und daher auf kurze Sicht Vorteile bieten. Beispielsweise geben Holstein-Friesian-Kühe mehr Milch und Yorkshire-Schweine wachsen schneller. Diese Rassen sind jedoch häufig schlecht an die extremeren Umweltbedingungen in Entwicklungsländern angepasst. Während einer kürzlich aufgetretenen Dürre in Uganda konnte die wenigen Landwirte, die einheimische Ankole-Rinder hielten, ihre Tiere zu weit entfernten Trinkstätten treiben, während zahlreiche Landwirte, die sich von Ankole-Rindern abgewandt hatten und stattdessen zu importierten Viehsorten übergegangen waren, ihren gesamten Bestand verloren. Doch obwohl Ankole-Rinder ideal an die dortige Umgebung angepasst sind, werden sie, so Wissenschaftler, unter Umständen in nicht einmal 20 Jahren ausgestorben sein. Das ILRI hat vier Empfehlungen ausgesprochen, mit denen traditionelle Rassen wie das Ankole-Rind vom Aussterben bewahrt werden könnten. Der erste Schritt besteht darin, die genetische Vielfalt zu bewahren. Anders gesagt, es müssen wirtschaftliche Anreize für Landwirte geschaffen werden, unterschiedliche Rassen zu halten, und politische Maßnahmen zur Förderung der genetische Vielfalt auf den landwirtschaftlichen Betrieben ergriffen werden. Zweitens sollte die Mobilität von Vieh über Landesgrenzen hinweg gefördert werden, denn seltenen Rassen, die über weite Flächen verbreitet sind, können Bedrohungen wie Krieg, Naturkatastrophen und Erkrankungen weniger anhaben. In der dritten Empfehlung fordert das ILRI den verstärkten Einsatz von "Genomlandschaften". Bei diesem Verfahren kommen fortschrittliche Techniken zur genomischen und geographischen Kartierung zum Einsatz, mit denen sich vorhersagen lässt, welche Rassen am besten an Umgebungen und Bedingungen in aller Welt angepasst sind. Nach Aussage von Dr. Seré fungiert die vierte empfohlene Maßnahme, die Einlagerung der genetischen Informationen in Genbanken, als eine Art langfristige Versicherung. "Die USA, Europa, China, Indien und Südamerika verfügen über renommierte Genbanken, die eine aktive Beteiligung am Erhalt der Artenvielfalt darstellen", so Dr. Seré weiter. "Bedauerlicherweise hinkt Afrika in diesem Punkt hinterher, und die Auswirkungen dieser Nachlässigkeit bekommen wir gegenwärtig zu spüren, denn Afrika ist eine der Gegenden mit der nach wie vor größten Artenvielfalt und damit einer der Kontinente, wo es in diesem Jahrhundert zu dem größten Artensterben weltweit kommen dürfte." Das ILRI ist ein internationales Forschungsinstitut, das aus zahlreichen Quellen, unter anderem der EU, Fördermittel erhält.

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