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Das FuE-Verhalten von Unternehmen in politische Unterstützung umsetzen: ein Interview mit dem Direktor des IPTS

Diejenigen, die mit dem EU-Ziel von Barcelona hinsichtlich der Investition von 3% des BIP in Forschung bis 2010 vertraut sind, werden auch wissen, dass seine Schöpfer auch beabsichtigt hatten, dass zwei Drittel der Investitionen aus dem Privatsektor stammen sollten. Allerdings...

Diejenigen, die mit dem EU-Ziel von Barcelona hinsichtlich der Investition von 3% des BIP in Forschung bis 2010 vertraut sind, werden auch wissen, dass seine Schöpfer auch beabsichtigt hatten, dass zwei Drittel der Investitionen aus dem Privatsektor stammen sollten. Allerdings hat es sich als nicht so einfach herausgestellt, die Ausgaben des Privatsektors in Forschung und Entwicklung auf 66% der Gesamtausgaben hochzutreiben, da die Zahlen hartnäckig bei rund 55% stagnieren. Wie sollen politische Entscheidungsträger privatwirtschaftliche Investitionen anregen? Ist es eine Frage der Senkung der Steuerlast? Oder geht es um Zuschüsse? Um mehr Schutz des geistigen Eigentums? Der perfekte Strategiemix ist sowohl in Europa als auch anderswo aber nur schwer fassbar geblieben. Eine Konferenz im spanischen Sevilla am 8. und 9. Oktober hat versucht, das Verständnis der "Rolle und Dynamik von Unternehmens-FuE" zu erweitern. Die Veranstaltung wurde vom Institut für technologische Zukunftsforschung (IPTS, Institute for Prospective Technological Studies), einem Forschungsinstitut der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS), in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission organisiert. "Wir wissen ziemlich genau über den öffentlichen Forschungssektor Bescheid - darüber, was ausgegeben wird und wofür. Wir kennen auch die Motivationen für Ausgaben im öffentlichen Sektor", erklärte Peter Kind, Direktor des IPTS, in einem Interview mit den CORDIS-Nachrichten. Wenn die Lissabonner Agenda eine Verschiebung der Ausgabenprioritäten im Unternehmenssektor fordert, müssen die politischen Entscheidungsträger genauso viel über diesen Sektor wissen wie über den öffentlichen, sagte Kind als er die Gründe für die Veranstaltung der Konferenz darlegte. Das IPTS möchte ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft fördern und ermöglichen. Sein Auftrag ist es, aus Sicht des Kunden den europäischen politischen Entscheidungsprozess zu unterstützen, indem wissenschaftlich fundierte Antworten auf politische Herausforderungen untersucht werden, die sowohl eine sozioökonomische als auch eine wissenschaftliche oder technologische Dimension aufweisen. In dieser Eigenschaft möchte das IPTS herausfinden, welche mögliche Auswirkung eine bestimmte Politik auf das Verhalten der Unternehmen haben könnte, und dieses Wissen den politischen Entscheidungsträgern vermitteln. "Wir müssen politische Entscheidungsträger mit möglichst fundierten Informationen bedienen", sagte Kind. Der beste Weg für die Zusammenstellung von Informationen ist sicherlich, ein paar der bekanntesten Mitglieder der Wissenschaftsgemeinschaft in diesem Bereich im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz zusammenzubringen, dachte sich das IPTS. Wie Peter Kind betonte, besteht der Schwerpunkt des IPTS auf der Übersetzung der Wissenschaft in von politischen Entscheidungsträgern nutzbare Informationen, während es sich an der Wissenschaft und Forschung hinter industriellen Investitionen nicht selbst beteiligt. Andere Konferenzen haben sich mit anderen Aspekten der Unternehmensinvestitionen aus spezifischeren Blickwinkeln beschäftigt, aber durch ihren translationalen Aspekt wird diese Konferenz einmalig. "Man hat hervorragende akademische Forschung geleistet, aber man hat sich nicht überlegt, wie diese Ergebnisse der Politik nützen könnten. Es wäre schön, wenn wir diese Lücke überwinden könnten", sagte er. "Um nützlich zu sein, müssen Ergebnisse aufgegriffen werden." Und letztendlich sollte die durch das IPTS durchgeführte Analyse politische Entscheidungsträger dazu befähigen, den optimalen Strategiemix durchzusetzen, indem die Voraussetzungen geschaffen werden, die Unternehmen zur Investition in Forschung anregen. Aber die Aufgabe des IPTS ist nicht ganz so einfach. Es geht nicht darum, eine einzige Politik festzulegen, die eine solche Umgebung schaffen wird. Ein komplizierter Strategiemix ist notwendig, der Bereiche wie Visaregelungen, geistige Eigentumsrechte und Steuern anspricht. Aber politische Maßnahmen in diesen einzelnen Bereichen können ohne einen holistischen Ansatz auch unerwartete Auswirkungen auf andere Bereiche haben. Die Analysen nützen auch den Unternehmen selbst, die dadurch einen Einblick in die Investitionsgründe anderer Unternehmen erhalten. Im Augenblick würde Europa nicht vorgeben, sich dem optimalen politischen Mix genähert zu haben, sagt Herr Kind. Ist die USA diesem Ziel näher? Die Zahlen zu den Unternehmensinvestitionen in FuE der USA würden darauf hinweisen, aber Peter Kind ist sich da nicht so sicher. "Die USA haben einen anderen Strategiemix und eine unterschiedliche Industriestruktur. Aber es wird in den kommenden zehn Jahren nicht unbedingt eine robustere Industriestruktur bleiben", sagt er. Dem Direktor zufolge gehörten zu Europas Kapital immer noch erstklassige Produkte und Nischenmärkte, wodurch der Kontinent gegen einen Standortwechsel resistenter sei. Das IPTS gibt weniger Empfehlungen heraus, wie der günstigste Strategiemix zu erreichen sei, sonder bietet "Überlegungen zu den einzuschlagenden Richtungen", erklärt Kind. "In diesem Bereich sind unsere Kunden, wie zum Beispiel die GD Forschung, selbst sehr fähige politische Analytiker, aber ihnen fehlen oft zuverlässige, aktuelle Informationen, die so aufbereitet wurden, dass sie leicht in ihre eigene Denkweise übernommen werden können", fügt er hinzu. Kollegen aus dem Referat "Wissen für Wachstum" des IPTS gaben einen Überblick über vereinzelte "Überlegungen", die an die GD Forschung weitergegeben wurden: die EU sollte außerhalb der EU geschaffenes Wissen optimal ausnutzen; die EU sollte sich nicht nur auf die Mitgliedstaaten konzentrieren, die die höchsten Anteile an FuE-Ausgaben erreichen; es ist besser, nach vorne auf zukunftsweisende Technologien zu schauen (einschließlich Nanotechnologie), anstatt zu versuchen, das letzte Rennen zu gewinnen (Informationstechnologie); Europa braucht eine starke öffentliche Forschung und eine hoch qualitative Ausbildung; politische Entscheidungsträger sollten sich anschauen, wo historisch die Stärken jedes Landes lagen und die Low-Tech nicht zugunsten von Hightech außer acht lassen. Die Überwachung von Industrieforschung und Innovation ist nur ein Beispiel für die Möglichkeiten, die das IPTS in Zusammenarbeit mit der GD Forschung einsetzt, um die EU beim Aufbau des Europäischen Forschungsraums zu unterstützen. ERAWATCH ist ein weiteres Instrument, ein Internetservice, der nationale Forschungsprofile, Strategien, Organisationen und Programme dokumentiert. Der ERAWATCH Intelligence Service entwickelt weiterführende Analysen und Berichte über Strategien, Tendenzen und Faktoren, die diese beeinflussen. Diese kontinuierlich aktualisierte Nachweisdatenbank wird politische Entscheidungsträger in der Strategiebildung unterstützen und anschließend ihre Auswirkungen überwachen. Die Informationen werden von Länderkorrespondenten aktualisiert und von den Kommissionsdiensten auf ihre Qualität hin überprüft. In seinen Abschlussbemerkungen in Sevilla kündigte Peter Kind an, dass der Erfolg dieser zweitägigen Veranstaltung und die Reaktionen der Teilnehmer ihn von der Notwendigkeit einer Nachfolgeveranstaltung überzeugt hätten. Er lud die Teilnehmer ein, in zwei Jahren zu einer zweiten Konferenz über Unternehmens-FuE zurückzukehren.

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